Wer eine Reise tut, der kann was erzählen. Am Dienstag um 15:00 Uhr haben wir die Leinen losgeworfen und sind auf die Überfahrt nach Italien aufgebrochen. Zuvor habe ich mich sowohl beim Hafenkapitän in Riejka als auch in Zadar versichert, dass wir nicht ausklarieren müssen.
Normalerweise muss man, wenn man mit dem Boot ein Land verlässt, ausklarieren, Das bedeutet, dass man eine Abmeldung beim Hafenmeister sowie beim Zoll und bei der Polizei durchführt. Da Kroatien mittlerweile dem Schengen – Abkommen beigetreten ist, hat sich das geändert. Dennoch ist in verschiedenen Foren zu lesen, dass eine Abmeldung notwendig ist, auch wenn das Ziel ein anderer EU Staat ist. Der diensthabende Hafenkapitän nahm sich Zeit für mein Anliegen und beantwortete geduldig alle meine diesbezüglichen Fragen. Letztendlich muss man nichts machen solange man im Schengenraum bleibt.
Die Wetterprognose sah vor, dass wir ruhiges Wetter bis in die Mitte der Adria haben würden und dann Wind von Nordwesten und ein bewegtes Meer einsetzen würde, was in der Realität dann auch so war. Unter Maschine fuhren wir in unsere erste längere Nachtfahrt, natürlich hatten wir uns darauf vorbereitet.


Unsere Route führte uns in die Nähe eines sogenannten Verkehrstrennungsgebietes, dass ist eine Art Autobahn auf dem Wasser, gedacht für die Großschifffahrt. Um nicht genau durchzufahren legten wir unseren ersten Wegpunkt an den Beginn der „Autobahn“ und hofften dem größten Verkehr so zu entgehen. Man sagt, die Hoffnung stirbt zuletzt, in unserem Fall ist sie tatsächlich gestorben. So waren wir also die ersten Stunden auf ruhigem Meer unterwegs, fuhren in die Nacht und wurden mit einem tollen Sternenhimmel belohnt.
Um ca. Mitternacht erreichten wir unseren Wegpunkt. Mit der noch lebendigen Hoffnung dass wir dem größten Verkehr entkommen würden, übergab ich Manu das Steuer und ging unter Deck, in der Erwartung mich ein wenig ausruhen zu können. Wir haben zwar eine super tolle Windsteuerung an Bord, aber ohne Wind läuft die nicht, bzw. wenn wir unter Motor fahren ebenso nicht. Da wir uns entschieden hatten die erste Nachtfahrt unter Motor zu fahren mussten wir abwechselnd „Ruder gehen“, immer für einige Stunden am Stück. Einige Minuten später, fragte Manu, ob ich was am Radar hätte, denn sie habe rote und weiße Lichter Backbord querab (linke Seite des Bootes, 90° Winkel). Der Blick aufs Radar offenbarte, dass Einsamkeit nicht aufkommen würde.

Somit bezog ich den Platz am Navigationstisch. Manu war am Steuer und folgte dem elektronischen Kompass sowie dem normalen Kompass, je nachdem, was ich ihr über das Walkie Talkie durchgab. Da der Motor lief waren diese Geräte Gold wert. Obwohl Manu nur wenige Meter von mir entfernt draußen am Steuer stand, war der Motor zwischen uns und somit eine Verständigung schwierig. Im Bild rechts seht ihr unseren kleine Plotter im Cockpit mit der Steueransicht auf den Waypoint zu. Leider ist die Beleuchtung des Hauptkompasses ausgefallen, so haben wir uns mit einem Partyknicklicht ausgeholfen.
Am Navi – Tisch sah das folgendermaßen aus:


Links seht ihr das Radarbild, mit einem rot gekennzeichneten Gefahrensektor, der eine Warnung ausgibt, sobald ein Objekt in diesen eindringt, wichtig nicht nur für Nachtfahrten. Rechts sieht man die Ansicht auf dem AIS Monitor (AIS: Automatic Identifying System, Ausrüstungspflicht in der Großschifffahrt) mit vielen Informationen zum markierten Verkehr. Da es sich hier wirklich um große Schiffe handelt und man davon ausgehen kann, dass diese Schiffe nur schwer ausweichen können, haben wir unseren Kurs so angepasst, dass sich das gut ausgeht. Irgendwie fühlten wir uns eine wenig wie die Jerry Maus, die vor Tom und seine Freunden auf der Flucht ist.
Schließlich kamen wir wirklich in den Verkehr, umringt von Tankern und Frachtern. Je nach Position überlegte ich mir einen Ausweg und gab Manu über Funk den zu steuernden Kurs durch. Obwohl wir das noch niemals zuvor gemacht haben, stellte sich heraus, dass wir ein tolles Team sind. Manu setzte meine Angaben sofort und genau um, was in dunkler Nacht auf welligen Terrain gar nicht so einfach ist. Als wir in mitten mehrerer Schiffe waren, fand ich, so dachte ich mir zumindest, eine gute Lösung und war sehr zurfieden mit mir. Bis dann das Kreuzfahrtschiff „Costa Deliziosa“ auf dem Schirm erschien, mit 20 kn Fahrt (20kn sind 37 km/h, auf dem Wasser ist das schon ganz schön schnell, vorallem wenn man sich selbst mit nur 4kn bewegt), genau auf uns zu.
Ich fühlte mich an ein Spiel erinnert das ich gerne am Handy spiele, eine Art Flugradarsimulator, bei dem es darum geht immer mehr Flugzeuge den Landebahnen zuzuweisen. Dies war der Moment im Spiel, wo kurze Zeit später „Game Over“ am Bildschirm erschien. Wir fanden unser Heil in der Flucht durch zwei Frachter mitten durch, wobei ich nicht unerwähnt lassen will, dass der Kreuzfahrer auch seinen Kurs ein wenig korrigiert hat. Der Kapitän hatte wohl ein Herz für kleine Segelboote.

„Am Ende wird alles gut“ und so schafften wir es nach ca. 2,5 spannenden Stunden die „Autobahn“ hinter uns zu lassen, um in die Zone mit dem Wetterumschwung einzufahren. Wellen ließen die Inspiration wild umher torkeln, der Wind brachte das Rigg (Mast und Absapnnungen) zum Singen. Ich löste Manu am Steuer ab und wir sausten mit dem Wind von achtern (hinten) durch die Nacht.
Jetzt kam die Zeit der sogenannten Hundewache. Das ist die Zeitspanne vor dem Morgengrauen, wenn die Nacht am Dunkelsten und Kältesten ist. Wenn du gar nichts von draußen siehst, weil es finster ist und die Wolken kein Licht durchlassen, fühlt sich das schon ein wenig entrisch und surreal an. Doch dann kommt ein ganz besonderer Moment, nämlich der, wo es langsam dämmert. Je heller es wird umso größer wird die Zuversicht, dass alles gut wird. Und dann ist er da, der großartige Moment, wenn die Sonne über den Horizont steigt.

Manu kommt ins Cockpit und wir setzen die Genua, unser Hauptsegel. Die Windsteuerung wird aktiviert und die Inspiration braust mit 6 kn auf Kurs halbem Wind (Wind kommt 90° von der Seite) auf das italienische Festland zu. Wenig später ist „Land in Sicht“ – herrlich.

Ohne selbst Hand anzulegen steuert der Windpilot das Schiff bis vor den Hafen „Marina di Porto San Giorgio“, unserem Liegeplatz für die nächsten Tage. Wir nehmen Kontakt mit der Marina auf und fahren an den uns zugewiesenen Liegeplatz. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass das Anlegemanöver nicht das gelbe vom Ei war. Während ich mich darauf konzentrierte mit der Windsteuerung am Heck nicht die Kaimauer zu touchieren, trieb der Bug (vorne am Boot) ab und unser Anker berührte das Nachbarboot, obwohl Manu alles tat, das zu verhindern. Klassischer Skipperfehler! Die 23 Stunden Fahrt haben eben ihre Spuren hinterlassen, leider auch am Nachbarboot, doch um die Beseitigung des kleinen Kratzers werden wir uns heute mit dem Eigner verständigen.
Übrigens ist die Namensfindung für unsere Windsteuerung im vollen Gange. Es sind schon einige gute Ideen eingelangt und wir freuen uns natürlich auf mehr. Schickt uns im Kommentar eure Ideen, wir sind schon sehr gespannt!

Fest am Kai vertäut lassen wir die Inspiration, die uns sicher über die Adria gebracht hat für einige Zeit zurück und gehen zum Essen in das zur Marina gehörende Restaurant. Obwohl die Küche eigentlich schon schloss und erst wieder am Abend öffnen würde, zaubert uns der Küchenchef schnell zwei Schnitzel „Milanese“ und Proscuitto auf Melone auf die Teller. Überhaupt sind alle in der Marina sehr freundlich und hilfsbereit, einfach „Bella Italia“
Nach einem Telefonat mit meinen Eltern fallen wir um 17:30 in die Koje um bis 07:00 den verdienten Schlaf zu genießen.
Der Beitrag war ein wenig länger aber es gab auch viel zu erzählen und heute Abend seht ihr uns wieder im Selbstinterview.
Bis dahin – All the Best !
Gerhard und Manu
Sehr geiles erstes Abenteuer!!
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Ja in der Tat und wir sind voll im Abenteuer angekommen. Lg Gerhard
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Tipitopi, toller Beitrag. Alles Gute euch beiden.
PS: GERRY, schlaf nicht zuviel. 😅LG machts gut..👍 👍
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Hallo Gottfried, schön von dir zu lesen! Ja ich schau schon dass ich genug schlafen kann, brauch ich ja auch schon ! Lg Gerhard
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Passt auf euch auf. LG
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Packend! Vielen Dank, dass ihr uns mitgenommen habt!
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Schön, dass es dir gefallen hat. Vielen Dank !
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Name für die Windsteuerung (die ja anscheinend eh die ganze Arbeit macht): „Oh Käpt‘n mein Käpt‘n“
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Liebe Christl!
Ja macht sie, wenn der Wind weht, sonst nicht! Danke für deine Idee!
Lg
Gerhard
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