Jetzt hat es ein wenig gedauert, bis sich hier im Blog wieder was tut. Das ist einerseits dem geschuldet, dass die letzten Tage ganz schön anstrengend waren, was das Segeln betrifft, und andererseits, dass unser Starlink – Tarif momentan nur küstennahes fahren zulässt und daher offline geht, wenn wir Offshore fahren.
Schief, das war das Motto der letzten Wegstrecke, also das Boot meine ich, dass war die ganze Zeit schief, oder wie wir Segler sagen „Es war immer auf Lage“. Tatsächlich hatten wir ein seglerisches Zwiegespräch mit dem adriatischen Meer, das ungefähr so aussah:
Gerhard und Manuela (idF GM) zur Adria : So, wir segeln jetzt mal um die Welt! Harrr!
Adria zu GM: Soso um die Welt, hmm, um die Ganze‘?
GM zu Adria: Ja natürlich um die Ganze, was sonst!
Adria zu GM: Na dann wollen wir mal sehen, ob ihr dafür bereit seit! Harrrr!!!
GM: ???????
So, oder so ähnlich muss es gewesen sein, denn die Adria hat uns auf unserem letzten Schlag (Strecke) ganz schön auf den Zahn gefühlt. 2,5 m Wellen und Winde die das Rigg (Mast) zum Heulen brachten, haben uns auf Trab gehalten.
Vor Allem Nachts ist so ein Seegang unangenehm, denn man sieht die hohen Wellen nicht kommen und kann daher nicht so steuern, dass man die Welle nicht frontal anfährt, was sich dann darin äußert, dass der Bug (Bootsspitze) zuerst nach oben geht und dann ins Wellental hinunter kracht. Für das Boot ist das kein Problem, aber schlafen unter Deck kann man vergessen.
So sind wir also von Porto San Giorgio frohen Mutes aufgebrochen. Am Beginn der ersten Nacht war es noch relativ ruhig, weshalb wir unter Motor unterwegs waren; wenig Wind, doch das sollte sich rasch ändern. Dass Meer wurde immer aufgewühlter. Manu konnte in ihrer Freiwache ( die Zeit, in der Gerhard in der Nacht steuert oder aufpasst) kaum bis gar nicht schlafen, denn so ein Boot ist wie ein Verstärker, was die Geräuschkulisse anbelangt. Jedes Geräusch, ob vom knarrende Deck, dem Scheppern der Tassen im Schrank oder vom Wind in den Wanten (Abspannseile des Mastes) vereinen sich zu einer Symphonie und beschallen einen unentwegt.
Zudem haben wir uns für eine Windsteuerung und gegen einen elektrischen Autopiloten entschieden. Das bedeutet, wenn wir unter Segeln unterwegs sind, dann macht die Windsteuerung die Arbeit, wenn wir allerdings mit der Maschine fahren, müssen wir immer selber steuern und das war in dieser Nacht der Fall., Ziemlich anstrengend. Deshalb habe ich am Ende meiner Wache (Manu hat die erste Wache von 19:00 bis 01:00 Uhr und ich die zweite Wache von 01:00 bis 07;00 Uhr) auch sofort die Segel gesetzt und die Windsteuerung aktiviert. Danach war das Fahren zumindest für uns etwas entspannter, wobei wir beide in unseren Freiwachen kaum geschlafen haben.
Wenn das Schiff schief ist und je nach Welle auf und ab geht, um dann sofort wieder schief zu sein, dieses Mal aber auf die andere Seite, werden die Erledigungen des Alltages zur Herausforderung. Willst du vom Cockpit unter Deck gehen, braucht man, wie ein Affe, Füße und Hände, denn ein weiser Segler hat einmal gesagt : “ Eine Hand für das Schiff (für die Arbeit), eine Hand für das eigene Leben“. Hat man es unter Deck geschafft und denkt, man würde gut und sicher stehen, schwingt das Schiff unerwartet in die andere Richtung. Das ist besonders witzig, wenn man sich umziehen will und die Hose gerade bis zu den Knien hochgezogen hat, also zur besseren Vorstellung : leicht gebückter Stand – beide Hände am Hosenbund, ziehen nach oben – die Hose ist bei den Knieen – und jetzt kommt die Welle – …. Ein Octopus möchte man sein.
Auf der Toilette auch ganz spannend, die angenehmste Haltung (Von Manu und mir unabhängig von einander festgestellt und überprüft) ist di , dass man sich mit dem Kopf an der Wand zum Maschinenraum abstützt während man seiner Beschäftigung nachgeht. Und wenn man soweit ist, diese Haltung einzunehmen, ist schon viel geschafft, denn mal schnell aufs WC bedeutet: Rettungsweste (für Landratten: Schwimmweste) ausziehen – Ölzeug Jacke ausziehen – ersten Hoody ausziehen – Ölzeughose runter (jetzt kommt die Welle) – zweiten Hoody kann bleiben, aber Seglerhose runter (jetzt kommt die nächste Welle) und das alles auf einer Schiffstoilette, die einerseits schief ist und eine Grundfläche von ca. einem Quadratmeter hat. Das macht Spaß!
Tagsüber sind wir bis ca. 15:00 Uhr gut unterwegs gewesen, wie ihr am Track mitverfolgen konntet. Falls ihr euch manchmal fragt, warum wir jetzt dahin oder dorthin fahren, ist das immer irgendeinem praktischen Umstand geschuldet.



Da wäre mal das Wetter, bzw. der Wind, der uns die Richtung vorgibt. Im ersten Bild sieht man die Wetter App“ Ventusky“, die ich für Prognosen verwende. Die weißen Striche zeigen die Richtung, in die er Wind bläst und die Farbe ist ein Maß für die Stärke (von blau – schwach bis rot – sehr stark). Für die Landratten: Man kann nicht gerade gegen den Wind segeln, denn beim Segeln liefert ja der Wind die Energie für den Vortrieb. Deshalb brauchen wir immer einen gewissen Winkel zum Wind und so ergeben sich meist unsere gefahrenen Kurse.
Im mittleren Bild sieht man einen Frachter, der uns begegnet ist. Dieses Schiff war ca. 300m lang und so einem riesen Gerät, weichen wir natürlich aus, wenn sich unsere Kurse kreuzen würden. Denn so ein Frachter braucht schon einige Kilometer Strecke, um eine Kurve zu fahren oder anzuhalten. Also : Safety First – Großräumig ausweichen.
Tja und dann bleibt noch das letzte Bild. Das ist ein Bildschirmfoto von meiner Navigationsapp „Navionics“. So ein hübscher Kreis entsteht, ja ich gebe es ehrlich und offen zu, wenn ein Manöver, in diesem Fall eine Wende, schlichtweg in die Hose geht. Ich habe wohl wieder zu wenig kommuniziert (real hab ich mir was gedacht, dass aber nur so halb erklärt und mitgeteilt) und deshalb sind wir in der Wende verhungert, haben es also nicht geschafft die volle, halbe Drehung zu machen. Im Ergebnis steht das Boot im Wind und das Vorsegel (vorne am Schiff) ist verkehrt (schlecht ausgedrückt, ich erkläre die Wende später) und dann macht man halt ein Kreiserl, damit die Segel wieder richtig stehen und man wieder auf Kurs kommt.
Das war jetzt der erste Teil von Schief -Schiff- Schief. weiter geht es im nächsten Beitrag.
Liebe Grüße,
Gerhard und Manuela