Schief – Schiff -Schief, 2. Teil

Wie gesagt, sind wir an jenem Tag bis ca. 15:00 Uhr relativ gemütlich, wenn man von den Wellen absieht, unter Windsteuerung dahingefahren. Der Wind hat uns den Weg sozusagen vorgegeben. In der Nacht zuvor sind wir, auf meine Idee hin, unter Motor einen Kurs gefahren, bei dem wir nicht zu sehr gegen die Wellen geschlagen haben. Im Ergebnis waren wir am Morgen relativ weit nördlich von der italienischen Küste weg. Dies hatte zum Ergebnis, dass wir, wenn wir diesen Kurs „Hart am Wind“ so halten würden, wir wiederum eine „Autobahn“ der Großschiffahrt bei der kroatischen Insel Palagruzza durchqueren müßten.

Daher entschieden wir uns zu wenden. Wir fuhren wieder Hart am Wind, diesmal aber gen Südwesten. Dieses Manöver hatte den Zweck weiter näher an die italienische Küste zu kommen, damit wir eben nicht durch das Verkehrstrennungsgebiet durch mußten. Der Nachteil war, dass wir jetzt voll gegen die Wellen anfuhren. Normalerweise kommen die Wellen aus der Richtung des Windes. Wenn aber am Vortag der Wind aus einer anderen Richtung gekommen ist und stark war, wie in unserem Fall, dann sind am folgenden Tag die Richtungen von Wind und Wellen unterschiedlich. Dann führt ein Kurs „Hart am Wind“ in Richtung der Wellen, das ist der Angenehme und ein Kurs „Hart am Wind“ gegen die Wellen, das ist der Anstrengende.

Diesen Anstrengenden mußten wir für eine Stunde in Kauf nehmen, um eben dieses Verkehrszone zu vermeiden.

Das Bild links zeigt diese „Autobahn“ und die Insel Palagruzza (am linken Bildrand) die wir vermeiden wollten. Achtung Spoiler: Wir sind dann doch durchgefahren, weil es nicht anders ging. Im Bild rechts sieht man so einen Zick Zack Kurs, der bei einem Wendemanöver entsteht.

Als wir so gegen die Wellen anbolzen, und dabei aber nicht sehr schnell sind, da jede höhere Welle das Schiff ausbremst, entdecke ich, dass etwas „schief“ gegangen ist. Im Segel klafft ein ca. 15cm langer Riss und ich kann durch das Segel durchschauen. Das unsere nicht mehr ganz neuen Segel vielleicht nicht die ganze Reise halten würden, war uns bewusst, doch wir haben nicht damit gerechnet, dass der erste Schaden in unserem Hauptsegel schon nach einer Woche auf See daherkommt.

Damit das Segel nicht weiter einreißt, muss es notdürftig geflickt werden, doch daran war auf diesem Kurs bei dieser bockigen Welle nicht zu denken. Daher haben wir ein Manöver durchgeführt, dass man „Beidrehen“ nennt. Ohne zu viel ins Detail zu gehen, man beginnt eine Wende, lässt das Vorsegel aber nicht auf die andere Seite gehen und steuert gegen die Wendrichtung. Im Ergebnis liegt das Boot parallel zu den Wellen. Das hat den Vorteil, dass das Boot nicht mehr von einer Seite zur anderen geht, weil die Wellen das Boot jetzt nur mehr anheben, wenn sie darunter durchziehen. So kann man am Vordeck auch bei Seegang vernünftig arbeiten.

Bewaffnet mit Reparaturfolie und Tape haben wir uns dem Segel zugewandt und notdürftig repariert. Anschließend haben wir noch die Segel für die bevorstehende Nachtfahrt eingestellt. Wir haben sie der zu erwartenden Windstärke entsprechend verkleinert. Das ist wichtig, denn man sieht in der Nacht relativ wenig von den Segeln, was ein Hantieren damit schwieriger macht, vor Allem, wenn plötzlich etwas klemmt.

Die ganzen Manöver zur Vermeidung des Verkehrstrennungsgebietes waren vergebens und wir mussten da durch. Gott sei Dank war dieses Mal nicht so ein Verkehr und so hatten wir es nur mir 3 großen Pötten zu tun, im Vergleich zum letzten Mal also eher entspannt. Nachdem wir durch waren, aktivierten wir die Windsteuerung. Da wir mit diesem System noch nicht zu 100 Prozent vertraut waren, blieb der Wachhabende immer im Cockpit, um im Falle des Falles schnell das Steuer zu übernehmen, denn der Wind hatte wieder zugelegt, die Adria wollte uns ja prüfen.

Das Schiff rollte von einer Seite zur anderen wodurch das ausruhen in der Freiwache nicht wirklich funktionierte. Am Morgen saßen wir beide gerädert im Cockpit und entschlossen uns, für einen Zwischenstopp sowie für eine bessere Reparatur des Segels eine Hafen anzulaufen. Manfredonia war schnell ausgewählt, da es auf der Hauptkursrichtung lag und in der Nähe (nur 7 Stunden Fahrt) war.

Wir liefen um 17:00 Uhr in diese wunderschöne Marina ein, machten die Inspiration fest und gingen unter die wohl verdiente Dusche. Abends gab es noch Espressi in Manfredonia und Telefonate mit den Lieben zu Hause. Anschließend sanken wir in die Kojen um endlich wieder auszuschlafen.

Liebe Grüße!

Gerhard und Manuela

Hinterlasse einen Kommentar