Obwohl uns Manfredonia sehr gut gefallen hat, war es an der Zeit aufzubrechen. Wir haben für unser Abenteuer viel Zeit eingeplant. Dennoch ist es nicht so, dass wir überall so lange bleiben können, wie uns das vielleicht gefallen würde. Verantwortlich dafür ist der größere Zeitplan.
Ab Abfahrt in Pula sind 10 Wochen gerechnet, bis wir auf den Kanaren sein möchten, also Mitte Dezember, um dort dann auf ein günstiges Wetterfenster zu warten. Unser Ziel ist es, Ende Dezember/Anfang Jänner wegen dem Start der Hurricanesaison im Juni aufzubrechen , damit wir in der Karibik noch viel schöne Zeit verbringen können.
Nach dem Ablegen fuhren wir zur Tankstelle. Fast jede Marina hat eine Tankstelle für Boote, so auch Manfredonia, Nachdem wir dort festgemacht hatten, nahmen wir den Automaten schon ein wenig argwöhnisch in Augenschein. Denn einige Tage zuvor hat mir ein Zigarettenautomat in Porto San Giorgio zu einer, sagen wir „Interaktion“ mit einem Star (Vogel) verholfen.
Ich wollte ganze einfach bei einer Trafik im Ort Zigaretten kaufen, hatte jedoch nicht im Kopf, dass in Italien viele Geschäft von 12 bis 16 Uhr geschlossen haben. Vor der Trafik befand sich ein Zigarettenautomat. Der Automat konnte zwar deutsch, aber offensichtlich war ich überfordert. Mein Geld hat er zwar genommen und es auch nicht wieder hergegeben, aber meinen Führerschein oder die Bankomatkarte hat er als Nachweis, dass ich über 18 bin schlichtweg ignoriert. Aber, das muss man ihm zugutehalten, ich bekam eine Quittung. In einem anderen Geschäft erfuhr ich wenig später die Lösung des Mysteriums: Mit dem Bon würde ich in der Trafik meine Zigaretten bekommen.
Ich machte mich also vor der Abfahrt auf den Weg in die Stadt und beobachtete einen riesigen Vogelschwarm, es waren Stare, meine ich, über mir, mit Faszination. Wie ich so durch die Gassen auf mein Ziel zuwandere, merke ich, dass mir der Schwarm folgt. Hitchcocks „Die Vögel“ kommen mir in den Sinn. Plötzlich habe ich das Gefühl, dass es zu regnen beginnt, kein Problem denn ich hab ja einen Schirm dabei. Mit einem Wisch durch die vermeintlich nassen Haare kommt etwas Grünes zum Vorschein. Mir hat tatsächlich so ein Mistvieh auf den Kopf gesch….. . Das Glas ist halbvoll denke ich mir und bin froh darüber, dass es kein Flamingoschwarm war. Später wurde ich von Mama aufgeklärt, dass das Glück bringen würde. Mal sehen, auf jeden Fall war es der Auftakt für eine Serie von Dingen die gegen mein Kopf prallen werden.
Obwohl uns der Marinero in Manfredonia versichert hatte, dass es eine funktionierende Self Service Tankstelle sei, ignorierte der Automat all unsere Versuche, an Treibstoff zu kommen, Egal ob meine oder die Kreditkarten von Manu, Bargeld, Beschimpfung oder Anbeten, kein Tropfen des begehrten Nasses wollte in unseren Tank gelangen. Zu unserem Glück machte eine Motoryacht mit drei absolut nicht englisch sprechenden Italienern vor uns fest, ebenfalls zum Tanken.
Nachdem wir mit Händen und Füßen geklärt hatten, dass wir es nicht als unhöflich empfänden, wenn sie vor uns tanken würden, sondern uns einen Dienst erweisen würden, nahm einer der Italiener den Automaten ohne Umschweife in Betrieb und wollte Manu dabei behilflich sein, es ihm am zweiten Zapfhahn gleich zu tun. Er wirkte wirklich so, als wüsste er, was er da tat. Er erklärte Manu was zu drücken sei. Als der Geldeinzug grün aufleuchtete, schob Manu auf sein Anraten hin 50 Euro hinein, die der Automat mit einem genüsslichen Grunzen einzog und im Nirvana verschwinden ließ. Irgendwie hat mich dass an einen Zigarettenautomat erinnert.
Zu seiner Unterstützung kam sein Kompagnon, ein ebenfalls ausgesprochen höflicher Mann mittleren Alters. Offensichtlich waren sich die Beiden nicht ganz einig, wie das jetzt zu bewerkstelligen sei, kamen aber zu dem Schluss, Manu soll ihre Kreditkarte einlegen. Der jüngere, selbstbewusste der Beiden, drückte ein paar Knöpfe, während der Andere noch die Anweisungen studieren wollte, was er auch schimpfend von sich gab. Italienisch ist ein tolle Sprache, da hört sich auch Schimpfen schön an.
Wie auch immer, die Pumpe der Zapfsäule nahm den Betrieb auf, buchte der Kreditkarte von Manu 100 Euro ab und betankte höchste erfolgreich die Inspira.. Moment, Nein! die Motoryacht, worauf hin die beiden Italiener eine nett anzusehende, mit internationalen Gesten versehene Diskussion starteten. Der Ältere der beiden war untröstlich und gab Manu die Summe in bar. Mit vereinen Kräften bewerkstelligten wir die Betankung der Inspiration dann doch noch . Ich kann jedoch nicht sagen ,wie wir das gemacht haben.
Schließlich verlassen wir um 12:00 Uhr die Marina Gargano, setzen die Segel und ziehen unsere Spur durch das sanft wogende Meer. Das ist unsere bisher längste Etappe, da wir bis Catania (Sizilien, am Fuße des Ätna) durchfahren werden. 4 Nachtfahrten und unterschiedliche Winde erwarten uns auf der Strecke.
Nachts treffen wir immer wieder auf die Großschifffahrt. Während meiner Nachtwache fahren wir an der Industriestadt Brindisi vorbei. Hell erleuchtet scheint die Nacht dort zum Tag zu werden. Schon seit geraumer Zeit verfolgt uns ein Schiff., am AIS und am Radar deutlich erkennbar. Bei Brindisi hat es uns eingeholt. Ein schwarzer Koloss gleitet an unserer Steuerbordseite vorbei und verdunkelt für einen Moment die Lichter der Großstadt. Sehr beeindruckend !


Ein besonderer Moment ist es, als wir am zweiten Tag vormittags den Ort Otranto durch die gleichnamige Seestraße passieren um wenig später die Adria gegen das Ionische Meer zu tauschen. Besonders deshalb, weil Kroatien und seine Adria für viele Jahre unsere nautische Heimat war und das Verlassen der Adria jetzt wirklich den Aufbruch in unser Abenteuer unterstreicht.


Weiter geht es im Teil 2 unseres kleinen Abenteuers, seit gespannt, was mir da an den Kopf „fliegt“?!
Liebe Grüße!
Gerhard und Manuela