Durch die Straße von Messina

Nun ist es soweit, um 1130 machen wir die Leinen los und verlassen unseren Schutzhafen Riposto. Wir konnten hier abwettern, unsere Vorräte auffüllen, Treibstoff bunkern und einige Reparaturen, unter anderem an der Genua (großes Vorsegel), vornehmen. Unser nächstes Ziel ist die Straße von Messina und wenn uns Winde und Strömungen hold sind, dann vielleicht der Stromboli. Kurz nach verlassen der Marina setzen wir die Segel, es ist nicht viel Wind, aber genug um dem Begriff Segelyacht gerecht zu werden. Zwischendurch läuft immer wieder der Motor, da die Winde vorhersagegemäß unbeständig sind.

Um 18:30 Uhr erreichen wir die Meldezone für die Straße von Messina. Hier gibt es wieder das altbekannte Verkehrstrennungsgebiet und, weil es am nördlichen Ende aus Sicht der Großschifffahrt eng wird, sogar ein „Vessel Traffic Service“ (VTS). Dieser VTS koordiniert den Schiffsverkehr in dieser engen Passage.

Wie von anderen Seglern empfohlen, haben wir uns telefonisch beim VTS gemeldet und unser Vorhaben erklärt. Grundsätzlich fährt der nach Norden gehende Verkehr rechts, also an der Festlandküste und der südwärts gehende Verkehr links, an der sizilianischen Küste entlang. Wir wollten aber den Kanal nicht queren, sondern der sizilianischen Küste entlang nach Norden fahren. Anders als in normalen Verkehrstrennungsgebieten ist es in der Straße von Messina nicht erlaubt, einfach zu queren. Dafür gibt es hier einen Kreisverkehr auf dem Wasser, markiert durch den rosa Punkt. Dieser Kreisverkehr ist gegen den Uhrzeigersinn zu durchfahren. Zu unserem Glück gibt es links und rechts oder westlich und östlich von der Hauptfahrrinne sogenannte „Costal Traffic Areas“ in unserem Fall B und A und dort können unter Anderem so kleine Vehikel wie unseres frei fahren. Das besprachen wir mit dem Offizier vom VTS und er bestätigte uns dieses Vorhaben. Grundsätzlich ist es für so kleine Yachten wie unsere nicht vorgeschrieben, dass man mit dem VTS Kontakt aufnimmt, aber es schadet auch nicht. So sind wir unbehelligt von der Küstenwache den ganzen Weg durchgefahren.

Eine weitere Herausforderung in der Straße von Messina sind die Strömungen an deren Ende im Norden. Dort trifft das thyrrenische Meer auf das Ionische. Da das ionische Meer im Mittel ca. 30 Meter tiefer liegt als das thyrrenische Meer, ja klingt eigenartig, gibt es eine generelle Strömung von Norden nach Süden. Andererseits ist die Salzwasserdichte der beiden Meere unterschiedlich und daher kommt es zu einer genau gegengewandten Strömung. Durch die Gezeiten (Ebbe und Flut) geht die Strömung mal nach Norden und mal nach Süden. Diese Strömungen können eine Durchfahrt schon unangenehm machen oder gar verhindern, denn wenn wir unter Motor 4-5 kn fahren und der Gegenstrom 5 kn stark ist, kommen wir nicht vom Fleck.

Die beiden rechten Bilder oben zeigen die APP „Messina 2024“, die hier Unterstützung leistet, da sie vorausberechnet wann welche Strömung in welcher Richtung und mit welcher Stärke auftritt. Wir hatten Glück, denn wir hatten eine leichte Strömung nordwärts, als wir das Ende der Straße von Messina durchfuhren.

Der Verkehr hielt uns wieder auf Trab. Diesmal jedoch nicht die großen Brummer, denn die waren brav weit weg von uns in ihren jeweiligen Fahrrinnen. Der Fährverkehr hat es jedoch in sich. Diese Fähren fahren zwischen dem Festland und Sizilien hin und her, ständig, auch in der Nacht. Wir mussten mehrmals Stoppen oder den Kurs anpassen, um diesen Ungetümen nicht in die Quere zu kommen. Bei der 15. Fähre, darunter auch High Speed Katamarane, die mit 30 kn auf einen zurasen, habe ich das Zählen aufgegeben.

Um 22:30 nach 4 Stunden in der Straße von Messina haben wir es dann geschafft. Der monströse Leuchtturm markiert die Ausfahrt aus der Meerenge. Da wir noch bei Kräften waren, entschieden wir uns: „Auf zum Stromboli“. Überraschenderweise hat Wind eingesetzt, daher setzten wir die reparierte Genua nebst der Windsteuerung und segelten gechillt in die Nacht hinein , Kurs Stromboli.

Vielen Dank übrigens für die vielen Vorschläge zwecks der Namensfindung unserer Windsteuerung. Es waren lustige dabei, auch skurrile und ein Vorschlag, der uns auf Anhieb gefallen hat : „Breeezzzy“! Vielen Dank für diese Idee!

Da wir höflich sein wollen, nennen wir unseren treuen Windpiloten zukünftig „Mr. Breeezzy“ Sobald die offizielle Taufe vollzogen ist und der Name „Mr. Breeezzy“ das Windblatt ziert, gibt es natürlich ein Foto.

Alles Liebe!

Gerhard und Manuela

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