Es gibt die Sonne noch- Gullivers Reisen

Am nächsten Tag erwartet uns ein perfekter Morgen. Der Ätna präsentiert sich in voller Pracht. So soll es sein! Frühstück bei dieser tollen Kulisse, geküßt von der sanften Wärme der Morgensonne. Ursprünglich wollten wir heute schon aufbrechen. Als ich am Freitag im Marina Office war und mich über die Abreiseformalitäten erkunden wollte, fragte mich die nette Dame, ob ich den Wetterbericht studiert hätte. Sie meinte weiter, dass alle anderen Fahrtensegler bis Dienstag oder Mittwoch verlängert hätten, da es eine Wetterwarnung für diese Region gäbe.

Das war neu für mich, nicht die Wettersituation, denn die hatte ich im Blick, sondern daß einen das Marinapersonal so umsorgt. Tja, wenn man schon gewarnt wird, dann sollte man dem auch folgen, denn, wie überall auf der Welt, wissen die Einheimischen am Besten bescheid über „ihr“ Wetter. Daher haben wir auch bis Dienstag verlängert und nutzen die Zeit um am Boot zu arbeiten und die Umgebung zu erkunden. Manu bessert gerade das Netz an der Reling aus und ich blogge. Später machen wir noch eine kleine Reparatur am Segel und probieren das Schlauchboot, dass ich vorgestern geklebt habe, aus .

Laut meiner Wetterapp „Ventusky“ wird das Wetter nochmal schlechter, bevor es dann ab Dienstag Mittag für die nächsten Tage passen wird. Unser Plan ist es, am Dienstag Richtung Norden aufzubrechen. Ziel ist der Stromboli. Dazwischen ist die Straße von Messina, eine Meerenge zwischen Sizilien und dem Festland Italiens. Dort müssen Wind und Strömung passen, damit wir zügig durchkommen. Wie sich gezeigt hat, war die Vorhersage sehr akkurat. Denn in der Nacht kehrten die Gewitter zurück. So auch der Regen, der sich kurzzeitig zum Starkregen empor geschwungen hat. Nur der Wind änderte sich kaum.

Wir haben den Nachmittag dieses regenfreien Tages genutzt, um uns auf die kommende Segelstrecke vorzubereiten. Proviantieren war angesagt. Zu unserer Freude gab es in der Nähe der Marina, fußläufig vielleicht 10 Minuten, einen COOP Supermarkt. Wobei „Super“ eine sehr weit auslegbarer Begriff ist. Ich habe dieses Wort immer mit „groß“ in Verbindung gebracht, ein Schelm, wer jetzt meint, das hänge damit zusammen, dass ich selber groß bin. Wie auch immer, in Bezug auf die Größe des Marktes sah ich mich an die Simpsons und deren „Minimarket“ erinnert. Das Personal dort ist, wieder dieses Wort „super freundlich“ und zuvorkommend. Sie werden nicht müde, einem Alien wie mir, der nur klingonisch spricht, zu erklären, wo was zu finden sei.

Es ist unglaublich, was man auf so einer kleine Fläche alles unterbringen kann. Von der Zahnbürste bis zur Pasta, von der Salami bis zum Wischmopp, alles findet Platz . Die Gänge dazwischen sind , wie soll ich das sagen, eher Pfade. Dazwischen wurlen die Sizilianer und Sizilianerinnen mit ihren Wägelchen hin und her. Manu hat sich mit der Geschmeidigkeit, die sie ihr Eigen nennt, perfekt in den Verkehr eingefügt und tut es ihnen gleich.

Und was ist mit mir? In dem Clownsoutfit, ihr erinnert euch, und auch noch einem 60l Rucksack fühle ich mich hier etwas fehl am Platz. Dazu kommt, dass in meiner lichten Augenhöhe kaum Leute zu sehen sind, denn deren Köpfe reichen meist nur bis zu meiner Kinnlade. Irgendwie frage ich mich, ob ich nicht anstatt Gerhard Gulliver heißen würde und fange an, darüber nachzugrübeln, ob mich die klein gewachsenen Insulaner bald gefangen nehmen würden. Manu hat es leicht, mich zu finden, denn sie muss nur genau hinhören. Wo „Scusi!“, „Sorry“, „Beg your Pardon“, „OIDA!!!!“ durch die Gänge schallt, genau dort bin ich und versuche ohne größere Schäden voran zu kommen. Schließlich schaffe ich es, wohlgleich unter den missbilligenden Blicken der Einheimischen, den Weg zur Kasse zu finden, vor mir unser Einkaufswagen, der einen leichten Hügel an Waren aufweist. Nachdem alles gescannt ist, bekommen wir einen Bon, der in Sachen Länge der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung in nichts nachsteht.

Nachdem wir die Waren an Bord verstaut haben, nutzen wir das Wetter noch und flanieren der Uferpromenade entlang. Wellen brechen unter großem Getöse am Ufer und hüllen die Promenade stellenweise in feinen Nebel, der in der Abendsonne kristallgleich schimmert. Unser Weg führt uns weg vom Ufer zu einem Park in mitten eines Kreisverkehrs. Die Bäume dort müssen hunderte Vögel beherbergen, denn aus den Kronen der buschigen Riesen piepst und zwitschert es gewaltig.

Schließlich entdecken wir eine Gelateria, in der wir uns mit Kalorienbomben für unser nächstes, rituelles Event namens „Kaffee und Kuchen“ eindecken. Zurück an Bord begehen wir dieses geliebte Ritual und danach passiert nicht mehr viel.

Morgen geht es mittags los, unser Ziel ist der Stromboli!

Alles Liebe!

Gerhard und Manuela

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