
Die Freiheit, die wir unter Anderem mit unserem Abenteuer suchten, haben wir im Ansatz schon jetzt gefunden. Doch sie hat, wie Alles im Leben Ecken und Kanten. So auch dieses entzückende kleine Dorf Ustica. Ich muss erwähnen, dass wir sehr erfreut waren, als uns die örtliche Hafenverwaltung mitteilte, dass uns keine Liegegebühr für die 2 Nächte verrechnet werde, da es ohnehin schon Saisonende sei.
Ecken und Kanten bedeutet nun in diesem Zusammenhang, dass es auch keine Infrastruktur mehr gab. Somit fanden wir keinen Landstrom vor, dass ist für uns seit dem Aufbau der Photovoltaik kein Thema mehr. Des Weiteren gab es kein Wasser, was wir mit Hilfe von Roberto, dem Besitzer der Tauchschule, in den Griff bekamen. Schade war, dass es auch weder WC noch Dusche gab. Vor Allem auf Letztere hätten wir uns wirklich gefreut.
Dennoch war der Aufenthalt wunderschön. Wir bekamen einen Nachbarn an der Pier, ein sizilianische Familie auf ihrem wirklich sehr schön restauriertem Yachtklassiker aus den 80 Jahren. Der Skipper und ich kamen natürlich über dies und das ins Gespräch und irgendwann sprachen wir über Wind und Wetter. Er berichtete mir, dass ihn die Insulaner bezüglich einer zu erwartenden, ungemütlichen Welle und Strömung in der kommenden Nacht vorgewarnt hätten und er wohl rund um Mitternacht das Weite suchen werde.
Auf das hin machten auch wir die Inspiration klar, obwohl wir nicht vor hatten, Ustica früher als geplant zu verlassen, doch da wollte die See wohl auch noch ein Wörtchen mitreden. Denn in der Nacht kam es wirklich dick. Wir musste einmal den Motor starten, da der Anker aufgrund der meterhohen Wellen im Hafen rutschte. Nur mit der Maschine konnte Manuela verhindern, dass unser Heck mit dem Kai kollidierte, während ich vorne den Anker nachsetzte und sicherte. Mittlerweile hatte die sizilianische Familie den Hafen verlassen. Damit wir sofort reagieren konnten, verlegte ich meinen Schlafplatz ins Cockpit, in der stillen Erwartung, die Wellen würden abnehmen. Doch das Meer hatte in dieser Nacht kein Einsehen und so lichteten wir um 04:30 Uhr in den Anker und brachen nach Sardinien auf.
Im Morgengrauen, wir waren auf dem Weg nach Sardinien, kreuzte so manch Sonderbares den Kurs der Inspiration.

Was genau das war konnte ich nicht herausfinden, denn ich war alleine im Cockpit, am Ende meiner Wache, doch ich vermute, dass wir es hier mit High Tech zu tun haben. Es scheint ein Prototyp einer neuartigen Paketzustellung zu sein. Flaschenpost war gestern, der Trend geht heute zum schwimmenden Paket.
Im Laude des Tages, wir waren mangels Wind wieder unter Motor unterwegs, bildeten sich dunkle Wolken am Horizont.


Um diese genauer einschätzen zu können, schalteten wir das Radar auf größte Reichweite und sahen diese Gewitterzelle natürlich, wie soll es auch anders sein, genau auf unserer Kurslinie. Radarechos von Gewittern sehen auf den schnellen Blick so aus wie Landmassen oder Inseln, doch an den blauen Ausfransungen sind sie als Wetterphänomene erkennbar. Da dieser „Squall“, so nennen es die Amerikaner, noch weit genug weg war, hatten wir Zeit und Raum, den Kurs so zu legen, dass wir am Gewitter unbehelligt vorbei kamen.




Während das Gewitter näher kam, fanden immer mehr Seevögel den Weg zur Inspiration. Schließlich hatten wir 7 Vögel an Bord, die wohl auf unserer Yacht Schutz suchten. Sie blieben auch über Nacht und vor Allem die Seeschwalben ließen, am ersten Tag noch etwas scheu, am nächsten Morgen ihrer Neugier freien Lauf. Wir fanden das anfangs noch richtig toll und auch witzig, dass die Seeschwalben den Salon erkundeten. Das änderte sich allerdings, als eine Schwalbe meinte, das schwarze Gehäuse des Radarschirmes bedürfe eines weißen Akzentes, künstlerisch angebracht in Form eines …,! Ihr könnt es euch denken.
Natürlich haben wir die Vögel nicht verjagt, sondern haben uns mit ihnen geeinigt, dass der Salon und alles darin befindliche Tabu sei. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat das ganz gut funktioniert.


Zum Frühstück gab es leckere Pancakes und endlich fanden wir den schon heiß ersehnten Wind. Wir setzten die Segel, stoppten den Motor und genossen es, wie die Inspiration lautlos Fahrt aufnahm. Schließlich konnten wir bis Sardinien vor dem Wind kreuzen. Es ist also doch eine Segelreise! Auch die Vögel verließen uns wieder, wobei der Eine oder Andere immer wieder mal vorbei kam.
Land in Sicht ! Vor uns liegt die Südspitze von Sardinien. Da der Wind von der Richtung her nicht ganz optimal ist, fahren wir die letzten Meilen mit zusätzlicher Motorunterstützung und erfreuen uns an der wilden Landschaft.



Wir umrunden das Kap und lassen den Anker in der Bucht bei Villasimius in den weißen Sandgrund fallen. Fallen, das tun wir auch, nämlich in die Kojen. Am nächsten Tag geht es weiter zu unserem Ziel, der Metropole Cagliari, wo wir auch nach kurzer Überfahrt im Portus Karalis festmachen. Wir werden von den Marineros sehr freundlich empfangen, sie holen uns bei der Hafeneinfahrt mit dem Schlauchboot ab und geleiten uns zum Liegeplatz. Und dann stehen wir vor ihr, mit glitzernden Augen wie Kinder vor dem Christbaum: Eine Dusche! Heureka!
Seebären wie wir haben, man glaubt es kaum, auch eine sanfte Seite. Beim Thema Duschgel verwendete der Skipper zu Hause ein spezielles, gut verträgliches, PH-neutrales Produkt, welches seiner feinen Haut zuträglich ist. Da es einer der Umstände in so einem Abenteuer ist, dass man nicht alles überall auf der Welt bekommt, hat der Skipper (Gerhard) kurzerhand von Seebär auf Kapitän Mimose umgestellt, sobald er die Dusche betritt und verwendet seither nur mehr:

Ich möchte anmerken, dass da auf der Flasche nur „ab 1 Jahr“ steht und kein Höchstalter angegeben ist. Das Shampoo macht auch super viel Schaum und Bläschen, was dem Spaß beim Duschen nur zuträglich ist. In diesem Sinne!
Alles Liebe!
Gerhard und Manuela