Cagliari – Sardinien

Unter den vielen Möglichkeiten, in Cagliari festzumachen, haben wir uns für Portus Caralis entschieden. Warum ? Einerseits, weil diese Marina wirklich ganz nahe bei der Satdt ist und man in wenigen Minuten im Hafenviertel, voll mit kleinen und größeren Läden, Arkaden, Eisdielen und Cafes. Andererseits haben wir in der APP „Naviliy“ die Bewertungen gesehen, die fast ausnahmslos 5 Sterne und tolle Beschreibungen beinhielten.

Abends schlenderten wir noch durch die Gassen und fanden das Bistro „Rafe“, ein gemütlich etwas abschüssig gelegenes Lokal, in dem wir die verdiente Nachtjause zu uns nahmen, bevor wird den Abend vor dem Laptop bzw. Netflix ausklingen ließen.

Cagliari, ihres Zeichens Hauptstadt des autonomen Sardiniens hat was zu bieten. Sei es, der für uns Nautiker so wichtige Marineladen, seien es die Sehenswürdigkeiten wie die Bastion oder die vielen kleinen Gassen, in denen es so Manches zu entdecken gibt.

Unser Aufenthalt war jedoch ebenso von den alltäglichen Aufgaben geprägt, wie Wäsche waschen, Reparaturen vornehmen und die nächsten Schritte planen. Gegenüber von uns, am selben Steg hat die Alicia festgemacht, eine Bavaria 40 Vision mit ihrer überaus sympathischen Crew Anja und Volpert. Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut und begossen das auch Abends mit einem köstlichen, natürlich von Manuela gemixten Negroni.

Im laufe des Nachmittages erledigten wir unsere Einkäufe mit unserem supertollen roten Wagerl. Manu hat darauf bestanden, dass wir es auf die Reise mitnehmen und sie tat gut daran. Ich sträubte mich anfangs dagegen, weil es, auch in eingeklappten Zustand nicht gerade platzsparend ist. Es mag auch daran liegen, dass ich den Vorgänger in Kroatien geschrottet hatte und daher nicht unbedingt auf die Stabilität vertraute. Manu meint natürlich, die Zerstörung des ersten Wagerls sei rein meiner rüden Fahrweise zu verdanken, was nun dazu geführt hat, dass immer wenn ich das Wagerl ziehe, von hinten Anmerkungen zu meinem Fahrstil kommen, wie etwa „Nicht so schnell“ oder „Vooooooorsicht“ oder „denk an das letzte Wagerl, Gerhard“. Tatsächlich ist es ein Gewinn, denn die Schlepperei, sei es der Dieselkanister oder die 30 l Pet Flaschen, ist Geschichte. Zumindest, bis ich unbeobachtet wieder einen Geschwindigkeitsrekord aufstelle :-).

Nachdem wir die Einkäufe verstaut hatten, machten wir uns auf den Weg in Stadt. Wir wollten auf die Bastion steigen und die Aussicht genießen. Auf dem Weg dorthin fiel uns auf, dass sehr viele Kinder in Kostümen unterwegs waren. Was war hier los, der Fasching kommt doch erst? Nein, klar doch, heute ist Halloween und das wird in Cagliari offenbar zelebriert. Wir saßen später in einem Cafe, ein Straßenmusiker machte launige Musik mit Saxophon und Trompete und wir ergötzten uns an den hunderten verkleideten Kindern, manchmal mit ihren Freunden, manchmal mit den ebenfalls gruslig anzusehenden Eltern im Schlepptau unterwegs.

Jedes Geschäft in diesen Straßen, egal ob Boutique, Buchhändler oder Feinkostladen, hatte auf und die Kids führten dort ihr „Süsses oder Saures“ Ritual durch. Überall wurden sie mit Leckereien belohnt, ein Fest für die jungen Menschen mit toller Stimmung in all den Gassen. Einzig ob der Musiker zufrieden war, wissen wir nicht, denn sein Saxophonkasten hatte sich nicht mit Euros sondern mit Zuckerl gefüllt.

Blasphemie oder nicht, auch wenn an jeder Ecke die feinsten Lokale mit ihren köstlichen Speisen lockten, heute war es Zeit für einen Besuch beim Mäci! Köstlich war es und günstig obendrein.

Wenn ich einen Buchladen entdecke, kann ich nicht widerstehen, auch nicht im Ausland. Ich trat ein und erkundigte mich ob es auch Bücher in englischer Sprache gäbe. Dies Bejahend führte mich die Dame des Hauses in die Katakomben. In so einem Laden kann ich verloren gehen, so wie Manu zuletzt in dem Minimarkt. Neben den Regalen mit Literatur in englischer Sprache fand sich noch ein kleiner Aufsteller, ganz unscheinbar, dahinter, gefüllt mit einigen Werken auf Spanisch und Deutsch. Die Auswahl war nicht groß, dennoch exquisit. Denn ich hätte nicht erwartet, in einem Buchgeschäft in Cagliari auf den Autor Thomas Bernhard zu stoßen, was mich natürlich veranlasste, dieses Buch sofort zu erstehen. Großartig.

Ursprünglich wollten wir 2 Nächte/3 Tage in Cagliari verbringen, haben dann jedoch um eine Nacht verlängert. Am Tag zuvor sind Volpert und Anja aufgebrochen, wir wollten noch etwas bessere Windbedingungen für unseren nächsten Trip nach Menorca abwarten, sowie die Gewittersituation abschätzen. Ein Anruf bei unserem Freund Mike Burgstaller, der neben vielen anderen Talenten auch Meteorologe ist, gab uns Klarheit bezüglich Wetter und Routing (Die schnellste Route ist bei einem Segelboot nicht zwangsweise die kürzeste Strecke, sondern abhängig davon, wo der Wind gut und aus einer passenden Richtung weht). Mit diesem Wissen im Gepäck legten wir am nächsten Morgen unter der Hilfe des Marineros ab. Die Wassergasse war so eng, dass er meinem Bug beim Ablegen in die Fahrwassermitte drücken musste.

Der Service und die Freundlichkeit aller Mitarbeiter dieser Marina ist bemerkenswert. Die 5 Sterne, die so viele Gäste vergeben haben sind jedenfalls gerechtfertigt und auch wir werden uns anschließen. Danke !

Wie es uns auf der Überfahrt nach Menorca ergangen ist, lest ihr im nächsten Beitrag.

Alles Liebe !!!

Gerhard und Manuela

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