Flucht vor dem Meastral

Obwohl es uns in der Cala Teulara (Cala steht wohl für Bucht) am Fuße der Festung von Isabella der 2. sehr gut gefallen hat, war es Zeit wieder aufzubrechen. Mittlerweile haben wir unseren Rückstand den Zeitplan betreffend wieder aufgeholt und liegen gut in der Zeit. Rund um den 2. Dezember möchten wir in Cadiz sein, um mit dem Segelmacher dort die Reparatur bzw. Neuanfertigung unserer Genua zu besprechen. Der Hauptgrund, zu diesem Zeitpunkt in Cadiz zu sein, ist der, dass wir dort einen sehr guten Freund, Gonzalo, treffen werden, um gemeinsam ein paar Tage zu verbringen.

Der tatsächliche Grund für unseren Aufbruch sind die Wettervorhersagen in Bezug auf den Maestral, einem von Norden aus den französischen Alpen her wehenden Wind, welcher im Golf von Lyon auf das Meer trifft, auszuweichen. Dieser Wind kann mitunter sehr unangenehm werden und die offiziellen Wetterdienste haben schon diesbezügliche Warnungen verlautbaren lassen.

Deshalb folgt das Kommando „Anker auf“. Wir gleiten sanft unter dem Schnurren und Gurgeln unseres Motors aus der Bucht und setzen bald darauf die Genua. Wie die buchstäbliche Ruhe vor dem Sturm weht nur ein laues Lüftchen, doch die große Fläche der Genua hilft uns schneller zu sein als nur unter Maschine alleine. Unser Kurs führt uns direkt an die Südküste Mallorcas. Dieser Kurs hat den Zweck, dass wir möglichst bald in die Windabdeckung der Insel kommen, falls der Maestral zu früh dran ist. Wie wir so in den Sonnenuntergang segeln, erscheint am Radar schon die erste Gewitterzelle. Diese werden uns die ganze Nacht begleiten und uns dazu veranlassen, gehörig von der Kurslinie abuzweichen, um eben diesen Gewittern auszuweichen.

Das gelingt uns auch ganz gut, bis ca. 10 nautische Meilen vor “ Cap de Ses Salines“ (Ich würde das mit meinem wiederum nicht vorhandenen Spanisch, „Si,no, Cerveza“ als Kap der sechs Salzseen übersetzen), wo sich die Regenwolken links und rechts von uns auf die Lauer gelegt haben, um sich genau dann zu vereinen, wenn wir mitten drin sind. Ein kurzer, jedoch wirklich heftiger Schauer spült jedes Salzkorn von unserem Deck.

Während der ganzen Überfahrt haben wir wenig anderen Verkehr, die Zeiten, wo wir Tanker und Kreuzfahrer umschiffen mussten, scheinen vorerst vorbei zu sein. Einzig, eine französische Segelyacht, die „Deiz Ebrel II“ begleitet uns wie ein Schatten. In einer Entfernung von 3 nautischen Meilen ist sie mit ähnlicher Geschwindigkeit und ähnlichem Kurs unterwegs. Wir sehen das Schiff auf dem AIS, aber haben keinen visuellen Kontakt. Spannend wird es, als auch der AIS Kontakt verschwindet. Wir überprüfen unser AIS System und stellen fest, dass bei uns alles in Ordnung ist. Zehn Minuten später haben wir wieder sein AIS Signal, so geht es eine ganze Weile dahin. Vielleicht hat es mit den Gewittern und Regenschauern zu tun.

Als mittlerweile kundige Leser fragt ihr euch natürlich jetzt, warum das ein Problem sei, denn wir haben ja noch das Radar. Prinzipiell habt ihr Recht und in einer anderen Situation hätte uns der Radarkontakt geholfen, auch wenn das AIS des Gegenübers nicht funktioniert hätte. Doch haben die Gewitter unser Radarbild vollends ausgefüllt und somit war es für uns nicht möglich, unter den ganzen Radarechos herauszufinden, was jetzt der französische Segler ist und was nicht.

Als er immer näher und näher kommt, letztendlich nur noch 1 Meile entfernt, beginne ich die Yacht mittels Funk zu kontaktieren, mehrmals, ohne Erfolg. Mittlerweile ist die „Deiz Ebrel II“ genau vor uns, aber trotz intensiven Absuchen des Horizonts nicht zu sehen. Kurz bevor wir stoppen, vergrößert sich der Abstand. Die französische Yacht beschleunigt und erhöht die Distanz immer mehr. Möglicherweise hat der Skipper plötzlich unser AIS Signal wahrgenommen, zum Beispiel durch eine Alarmfunktion und hat das Weite gesucht. Wie auch immer, die Anspannung fällt ein wenig, wir setzen unsere Fahrt unter Maschine fort und runden das Kap. Manu hat Wache und dreht den Bug der Inspiration gen Norden.

Als ich von meiner Freiwache zurückkehre, haben wir ein gutes Stück an Strecke gemacht. Wir sind noch ca. 4 Stunden von Palma de Mallorca entfernt. Mittlerweile wurde meine Liegeplatzanfrage bestätigt, wir werden die Zeit in Palma im „Real Club Nautico Palma“ verbringen. Palma heißt uns freundlich willkommen, denn ein Regenbogen löst den nächsten ab. Es scheint fast, als würde sich die Insel über unseren Besuch freuen. Der Höhepunkt ist ein voller Bogen, auf den wir zufahren. Wir haben zwar guten Wind, aber leider direkt von vorne. Wir müßten dagegen aufkreuzen. Das macht zwar Spaß und ist voller Action, aber nicht sehr effektiv, besonders, wenn man nicht viel geschlafen hat und so fahren wir ein wenig zähneknirschend mit Motor direkt auf Palma zu.

Obwohl zwischendurch die Sonne ihr Antlitz durch die Wolken gekämpft hat, zieht es wieder zu, während wir die Hafeneinfahrt passieren. Über UKW Kanal 09 erreichen wir den Hafenmeister, der uns einen Marinero mittels Schlauchboot schickt. Wir folgen ihm in die Wassergassen dieser wirklich großen Marina. Es beginnt plötzlich wie aus Kübeln zu schütten, der arme Tropf ist dem Wetter in seinem offenen Boot voll ausgeliefert und wohl auch deswegen beschleunigt er. Am Liegeplatz angekommen, regnet es immer noch Schusterbuben. Der Marinero ist bemüht, sucht aber, nachdem wir so einigermaßen fest hängen, verständlicherweise das Weite.

Damit wir uns so positionieren können, dass es auch nach Etwas aussieht, denn momentan hängen wir irgendwie völlig schief da, hüpft Manuela kurzerhand auf die Pier und bedient die Leinen, während ich die Inspiration ausrichte. Dieses Manöver hat meine Freund Michael heute dazu veranlasst, ich zitiere: „@Gerhard: dein Einparkmanöver hat noch Potential :-)“ zu posten. Recht hat er.

Wir stehen hier direkt in der Auslage. Als wir im hinter uns liegenden Marinarestaurant mit Schnitzel und Burger unseren Hunger stillen, stellen wir fest, dass direkt hinter der Glasfront des Lokales das Cockpit der Inspiration zu sehen ist. Also Merke! Gerhard geht nicht nur mit Shorts bekleidet für die guten Morgen Zigarette ins Cockpit! Der Real Club Natico Palma (RNCP)ist wirklich gut ausgestattet, die Duschen und WC sind groß und sauber und nur einen Steinwurf vom Boot entfernt. Wie wir auf den Hafen zugefahren sind, kamen uns Regattaboote verschiedener Klassen entgegen, kleine wackelige „Laser“ genauso wie 40 Fuß Renner. In den Gängen des RNCP wird deutlich, dass man hier auf eine große Regatta Vergangenheit zurückblickt und diese Tradition auch pflegt. Gleich neben unserem Liegeplatz ist die Rampe, an der der Nachwuchs, Jugendliche, ihre „Laser“ an Land bringen. Irgendwie habe ich das Gefühl, zu Hause am Flugplatz LOLO zu sein, denn auch dort haben wir eine ähnliche Dynamik. Schön!

Wir nutzen den Aufenthalt, kleinere Reparaturen vorzunehmen, Wäsche zu waschen und natürlich Einkäufe zu tätigen. Unser erster Weg führt uns zu dem örtlichen Schiffsausstatter. Den es gilt die Spuren von Gerhard zu beseitigen. Spuren ? Naja beizeiten bin ich ein wenig patschert, dürfte in der Familie liegen. So habe ich ja schon geschrieben, dass ich durch einen Sturz ins Cockpit die Scharniere eines Ausklappflügels des Tisches geschrottet habe. Genau diese konnten wir in diesem Laden erstehen und so haben wir jetzt wieder einen vollwertigen Tisch, an dem mehrere Gerhards und Manus sitzen können.

Auf der Überfahrt hierher hat sich Sonderbares zugetragen. Ihr müsst wissen, dass wir, wenn wir auf See sind 2 Fender an der Innenseite der hinteren Cockpitbegrenzung anbringen. Dadurch ergibt sich ein komfortabler Sitz an dem sich auch längere Nachtwachen gut verbringen lassen. Dieser „Sitz“ befindet sich Backbords, also links, weil rechts die Leinen der Windsteuerung verlegt sind.

Bei Dunkelheit ist es leichter, den Kurs zu halten, wenn man zum Beispiel auf ein Leuchtfeuer zufährt. Jetzt war es in dieser Nacht so, dass kursbedingt die Küste auf der Steuerbordseite lag, die Leuchtfeuer ebenso. Aufgrund der Aufbauten der Inspiration waren Diese aber vom „Komfortsitz“ nicht zu sehen und daher verlegte ich meinen Platz nach Steuerbord, wo sich jedoch kein Fender zum Anlehnen befand. Ich bat Manu, mir Einen zu bringen und natürlich meinte Manu, dass wir ihn befestigen sollten. Der Skipper in seiner unendlichen Weisheit meinte bloß, dies sei nicht nötig, denn der Fender sei eh so groß, was sollte denn da schon passieren und ausserdem und überhaupt würde er schon darauf aufpassen. Gefühlte 10 Minuten später saß ich also da auf meinem Platz, im Rücken den Fender, wirklich gemütlich, als plötzlich das Schiff aus dem Ruder lief. Da ich irgendwie eigenartig dalümmelte, erreichte ich das Steuerrad nicht, darum erhob ich mich und brachte die Inspiration wieder zurück auf Kurs. Wie ich mich gerade aufrichte, höre ich hinter mir ein leises Quietschen gefolgt von einem Poltern, gefolgt von einem Platschen. Der Blick zurück offenbart, da schwimmt ein Fender im Kielwasser und entfernt sich mit jeder Sekunde weiter aus dem Lichtkegel des Hecklichtes bis ihn die Nacht gänzlich verschlingt.

Tja! Mir wird klar dass die Phrase „Ich hab es dir doch gesagt“ im Raum steht, doch ich kann hier definitiv nichts dafür. Das so was passiert, war physikalisch nicht vorhersehbar, da Reibung und Klemmwinkel, …. und überhaupt, das war der Klabautermann, Ich muss ein lebendiges Huhn besorgen! (Hilft angeblich gegen diesen Klabautermann).

Unsere Einkäufe beschließen wir mit einem Kaffee in einem wirklich netten Lokal in Mitten des Parks nahe der Marina. Urspünglich wollten wir Heute, Dienstag wieder fahren, aber das Wetter für die nächsten 24 Stunden lässt nichts Gutes erahnen. Daher verbringen wir noch eine weitere Nacht hier. Ihr könnt euch also noch auf einige Bilder von der anstehenden Stadtbesichtigung freuen.

Alles Liebe!

Gerhard und Manuela

Hinterlasse einen Kommentar