Im Wind – Geschwind

Im letzten Blogartikel hatte ich euch einige Bilder von unserer Besichtigung von Palma de Mallorca versprochen. Wir haben, wie ihr wisst, unsere Abreise um einen Tag verschoben, da die verschiedenen Wetterdienste Unwetter vorhersagten. Diese kamen dann auch, nicht so heftig als gedacht, aber doch ungemütlich. Leider so ungemütlich, dass wir uns nicht überwinden konnten, in die Stadt auf Sightseeing Tour zu gehen. Es war einfach nur nass, kalt und trübe da draußen.

Wie wir angekommen sind, haben wir uns gefreut, denn die Marina verfügte über einen eigenen Do it yourself – Waschsalon. Manu machte sich kurz nach unserer Ankunft mit dem viel gepriesenen roten Wagerl auf den Weg. Und kam nicht wieder. Irgendwann tauchte sie dann doch auf und hatte zu berichten, dass die Waschmaschine zwar bereitwillig das Geld schluckte, jedoch nur 15 Minuten wusch und das ohne Wasser (Wie auch immer das funktioniert). Es brauchte mehrere Anläufe um die Waschung in Gang zu bringen. Ähnlich erging es uns mit dem Trockner, der zwar Geld nahm und die erste Ladung trocknete, was sonst, aber bei den weiteren Ladungen offensichtlich Siesta machten. Kurzum nahmen wir die noch feuchte Wäsche mit an Bord, ich spannte quer durch den Salon Wäscheleinen und der Heizlüfter tat das seinige um die Wäsche zu trocknen.

Drinnen war es jetzt wohlig warm, draußen düster und kalt, deswegen schwenkten wir von Stadtbesichtigung kurzerhand um auf „Höhlentag“. Ein „Höhlentag“ ist so ein Tag, an dem es draußen einfach ekelhaft ist und zufälligerweise gerade Samstag oder Sonntag ist, man also frei hat. Dann igelt man sich zuhause ein, startet Netflix oder Amazon Prime, macht die Jalousien zu (Höhle) und lässt den Tag vergehen. Ein Weltumsegler hat sein Buch einmal „365 Tage Samstag“ genannt. Irgendwie ist bei uns auch immer Samstag und deswegen wurde es ein Höhlentag.

Während Manuela gestern Vormittag auf die Jagd nach Vorräten ging, machte ich mich daran das Setting und die Prozedur zur Verwendung unseres Spinakerbaumes zu optimieren und zu testen. Der „Spibaum“ ist eine ca. 4 Meter lange Stange, mit der in unserem Fall die Genua ausgestreckt wird. Das braucht man dann, wenn man vor dem Wind fährt. Ohne die Stange würde dass Segel immer wieder einfallen, sobald man minimal vom Kurs abweicht. Diese Kursabweichungen sind bei Wellengang unvermeidlich, deshalb wird eben dieses Segel gestützt, man sagt „ausgebaumt“. Dazu sind mehrere Leinen nötig, was organisiert gehört. Auch sollte die Prozedur des Setzens und Bergens durchgeübt werden, denn im Hafen, wo sich das Boot nicht bewegt ist es eine Sache, das Setting anzubringen, auf See bei Wind und Wellen eine ganz Andere. Als Manu zurückkam, war ich mit dem Setzen fertig, wir bauten alles wieder zurück und machten die Inspiration klar zum Ablegen.

Es war Mittag geworden also höchste Zeit für den Aufbruch. Unser erster Weg führte uns zur Tankstelle. Unser Tank war noch mehr als halb voll und wir erwarteten gute Winde, aber wenn sich die Gelegenheit bietet tanken wir immer voll. Diesmal jedoch nicht, denn die Tankstelle hatte keinen Strom, wie der Tankwart und ich gemeinsam feststellten. Uns wurde angeboten, hier zu warten, die Techniker seien schon am Werken. Wir nutzten die Zeit, um uns die wunderschönen Segelyachten anzusehen die hier geparkt waren.

Nach einer dreiviertel Stunde Wartezeit informierte mich der Tankwart höflichst, dass das Heute nichts mehr werden wird, wir es aber auf der anderen Seite des Hafens probieren könnten. Ein Blick hinüber offenbarte, dass diese Tankstelle eher für Superyachten gedacht war und auf uns nicht sehr einladend wirkte. Wir legten ab und richteten den Bug gen Hafenausfahrt, der Tank war ja eh noch halbvoll. Eine kurzer Abstecher zur Kathedrale war noch drin. Zusammen mit den Bildern von Manu´s Einkaufstour gibt es also doch noch ein paar Eindrücke von Palma.

Endlich konnten wir die Wäsche rausholen, nein, nicht die, welche vorgestern im Salon hing, sondern die Segel ! Super Wind von der Seite, „Halbwind“ sagen die Segler dazu, ein schneller Kurs. Die Inspiration hüpfte vor Freude und begann Fahrt aufzunehmen. Mr. Breeezzy war schnell justiert und wir zogen auf Formenterra zu. Als sich die Sonne schön langsam dem Horizont zuneigte, verkleinerten wir die Segelfläche für die Nacht. Mittlerweile waren wir aus der Windabdeckung von Mallorca herausgesegelt. Dies hatte zur Folge, dass uns die Wellen der freien Meeresströmung erreichten, 2 -2,5m , da war ordentlich was los.

Plötzlich der Ruf von Manu : „Delfine“ und wirklich da waren Delfine ganz nah am Boot. Doch sie schwammen nicht nur einfach neben uns her, sie sprangen aus dem Wasser und zwar vor dem Boot, von links nach rechts und wieder zurück. Was für ein Erlebnis! Großartig!

Die Nacht hatte eine besondere Stimmung für uns parat. Es war sehr klar und der Mond schon fast ein Vollmond. So glitten wir im Mondschein dahin, die Welt rund um uns in ein weißes Licht getaucht, wunderschön.

Jutta, eine Fliegerkameradin, Seglerin und ihres Zeichens mehrmalige Atlantiküberquererin gab uns den Tipp mit dem Ausbaumen der Genua. Vor einigen Stunden haben wir genau das gemacht und seither läuft die Inspiration unter der Fuchtel von Mr. Breeezzzy ausgezeichnet auf Kurs.

Jetzt wo ich hier sitze und schreibe, macht der Wind das, was angesagt war. Er nimmt an Stärke zu und ändert etwas die Richtung. Deswegen ist hier Schluss mit dem heutigen Artikel, denn wir müssen an Deck und die Segel etwas verkleinern.

Somit bis Bald!

Alles Liebe !

Gerhard und Manuela

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