
Die letzten Tage hatten es wirklich in sich. Wir sind letzten Freitag mit Motorproblemen in die Marina „Real Club Nautico Torrevieja“ eingelaufen und haben schon vor dem Einlaufen mit Oscar von „Oscar Marine Engines“ (Link unten) Kontakt aufgenommen. Am Dienstag war es dann so weit, wir verlegten die Inspiration in die nebenan liegende Marina Salinas. An der Tankstelle kam Oscar gemeinsam mit David, einem seiner Techniker an Bord um gleich eine Testfahrt mit der Inspiration zu machen.
Anschließend steuerte Oscar die Inspiration zu ihrem Liegeplatz für die nächsten Tage, nahe seiner Werkstatt. Die Lücke, in die unsere Inspiration hinein sollte (längsseits, dass heißt mit der Bordwand an der Pier ) war knapp bemessen. Als ehemaliger Segellehrer machte ich mir im Kopf ein Bild, wie wir das jetzt machen würden, also klassisch mit dem Bug zur Pier, Vorspring (eine Leine vom Bug nach hinten an die Pier) ausbringen, eindampfen (man gibt nach vorne Schub dreht das Ruder von der Pier weg und das Boot dreht sich mit der Seite zur Pier) und Achterleine festmachen. So stehts im Lehrbuch.
Oscar, mit schier grenzenloser Erfahrung hatte mit Lehrbuchmanövern nichts am Hut. Er fuhr in die Gasse hinein, drehte das Boot um 180°, stoppte in der Lücke ab, legte den Rückwärtsgang ein, während David, sein Techniker überstieg, und ohne Hektik die Leinen festmachte. Da guckte der Segellehrer (Ich) aber ein bisserl blöd aus der Wäsche.


Anschließend besprachen wir, was zu tun sei. Ich erzählte Oscar von unseren Plänen und Oscar begann aufzuzählen, was wir alles machen müssten um für so ein Abenteuer gerüstet zu sein. In meinem Kopf überschlug ich bei jedem Punkt die Kosten. Manu sah meine Gesichtsfarbe von Rosa zu Blassrosa und schließlich zu Weiß übergehen. Ich sagte zu Oscar, dass ich keinen neuen Motor wolle, sondern nur das Nötigste, damit wir wieder aufbrechen könnten, denn mit generalüberholtem Motor, aber ohne Budget kommen wir auch nirgends hin. Oscar meinte hingegen, so kommt ihr auch nicht weit und dass muss gemacht werden. Schließlich einigten wir uns, am nächsten Tag die ersten Probleme (schlechtes Anstarten und Laden der Motorbatterie) anzugehen.


Über Nacht haben Manu und ich entschieden, den Vorschlägen von Oscar zu folgen . Als wir Oscar in seiner Werkstatt aufsuchten, meinte dieser, er habe einen Plan, sozusagen ein Minimum Abenteuer Paket, dass auch in ein kleineres Budget passen würde, und so gings ans Werk. David tauschte die Starterbatterie aus und ging den Startproblemen auf den Grund. Er wechselte die Dieselfilter und stellte fest, dass im Vorfilter Spuren der Dieselpest zu finden waren. Die Dieselpest ist eine etwas zähflüssige , schlammige Substanz, die sich im Dieseltank bildet, wenn das Boot länger steht und zum Beispiel aufgrund von Kälte auch Kondenswasser ins Spiel kommt. Problematisch ist diese Dieselpest deswegen, weil sie die Leitungen, Filter und im schlechtesten Fall die Einspritzdüsen verstopft.
Ein Test mit einem Dieselkanister, der anstatt unseres Tankes an den Motor angeschlossen wurde, zeigte, dass der Motor noch sauber war, was für ein Glück. Doch der Tank und die Zuleitungen zum Motor hatten es im wahrsten Sinne des Wortes „in sich“. Wir, Manuela und ich schnappten uns die Handpumpe und saugten damit den Diesel durch die Öffnung des Tankgebers (Durchmesser 5cm) ab, wobei das Hauptaugenmerk nicht auf dem bloßen Absaugen des Diesel lag, sondern vielmehr darauf, mit dem flexiblen Schlauch und der Stirnlampe die Patzen der Dieselpest zu erwischen. Immer wenn wir so ein paar Partikel erwischten, verstopfte das Sieb unserer Pumpe, worauf wir sie kurzum schnell zerlegten. Das heißt Schelle ab, Schlauch Ab, Minisieb mit Wattestäbchen und Zahnstocher (Ja, Profis haben professionelles Werkzeug) freilegen, Schlauch drann, Schelle drauf und ab gehts wieder in den Tank. Das Ganze findet, auf dem Tank kauernd, in der Backskiste,dort wo sonst Seil, Kabel, Schläuche, Rettungsinsel, etc ihr Dasein fristen, statt.

Nachdem wir die 50 l Diesel aus dem Tank inklusive Dieselpestpartikel entfernt hatten, filterten wir diesen Diesel und gossen ihn erneut in den Tank. Die Prozedur wiederholte sich jetzt, um die verbliebenen Partikel aus dem Tank zu entfernen. Nach der zweiten Runde kam Davy, ein Techniker von Oscar an Bord und tupfte mit einem langen Greifer und Papier die restlichen Nester der Dieselpest durch diese Miniöffnung heraus, das dauerte natürlich eine Weile. Anschließend kam der wiederum nochmals gefilterte Diesel in den Tank. Starten, Warten, alles läuft super !
Heute um 10:00 Uhr hatten wir unseren Termin am Travellift in der hiesigen Werft „Varadero Marina Salinas“ (Link unten). Dazu mussten wir das Boot vom Pier in die Werft (gleich um die Ecke) verholen. Um aus der knappen Lücke auszuparken gibt es natürlich auch ein Lehrbuchmanöver, „Eindampfen in die Achterspring“, und ich habe mich gestern Abend nochmal damit vertraut gemacht. Der Motor lief wie am Schnürchen, alles war bereit zum Ablegen, wir warteten noch auf Oscar, denn ich hatte ihn gebeten, mitzukommen. Ich bin erst einmal vor vielen Jahren in die Box eines Travelliftes gefahren und wollte ihn daher an meiner Seite wissen. Natürlich hatten wir schon Fender am Heck installiert, um nach Lehrbuch abzulegen.
Dann kam Oscar um die Ecke, mit dem Lolli zwischen den Lippen, hüpfte an Bord und meinte zu mir mit seinem holländischen Akzent, der mich ein wenig an Rudi Carell erinnert (Ich hoffe, Oscar ist mir nicht böse) : „Gerhard, stoass uns ein weynig ab“. Ich tat wie geheißen, drückte die Inspiration, nachdem allen Leinen gelöst waren, von der Pier ab und, ja was tat Oscar? Nix Lehrbuchmanöver, er legte das Ruder gab kräftig Schub nach vorne und bugsierte die Inspiration, Manu würde sagen „a la Johnny Lässig“, aus der Lücke heraus. Tja, was soll man da sagen?


Die Inspiration wurde in der Folge aus dem Wasser gehoben und mittels Hochdruck gewaschen, sodass der Großteil des Bewuchses, der sich mittlerweile am Rumpf festgesetzt hatte, abging. Anschließend bewaffnete ich mich mit einer Spachtel und entfernte die Reste von kleinen Muscheln (sogenannte Seepocken) von Rumpf, Kiel und Ruderblatt. Dadurch vermindert sich natürlich der Wasserwiderstand, was das Boot schneller macht.


Währenddessen wechselte das Team von Oscar das Öl im Saildrive ( spezieller Antrieb bei Segelbooten), baute die Schraube ab, wartete Selbige und machte noch Vieles mehr. Dies war die Magie von „Oscar Marine Engines“, denn Oscar hatte sich offensichtlich entschlossen, uns nur auf große Fahrt gehen zu lassen, wenn er sich sicher sein konnte , dass wirklich alles in Ordnung sei. „Tippi Toppi“ würde er sagen.


Die Inspiration wurde schließlich wieder zu Wasser gelassen und von Oscar und Manu, ohne mich, denn ich schaffte es nach dem Lösen der Leinen nicht mehr an Bord, wieder zurück an den Liegeplatz gebracht. Natürlich wieder mit dem Johnny Lässig Anlegemanöver. Davy kam an Bord und wechselte, als letzten Akt, die Lichtmaschine aus. Nach dem Motorstart war klar, alles funktioniert wieder, Hurra!!!!


Ein großes Lob geht an die Crew der Werft „Varadero Marina Salinas“. Alle waren sehr hilfsbereit und behandelten unsere geliebte Inspiration, so, als wäre es ihr eigenes Boot. Überhaupt war es großartig, dass sie uns so kurzfristig eingeschoben hatten, denn die Auftragsbücher waren voll. Danke dafür, liebes Varadero Team!!!



Die nächsten Stunden verbachten wir damit, das Boot ein wenig zu säubern. Eigentlich harrten wir dem Moment entgegen, an dem wir die Rechnung präsentiert bekommen würden, denn ich hatte keine Ahnung, was das Alles kosten würde. Schließlich ging ich, wie vereinbart, kurz vor 18:00 Uhr zu Oscar ins Büro. Er gab mir die Rechnung, und begann zu erklären, was da alles aufgeführt war, doch ich hörte ihn gar nicht, sondern mein Blick glitt sofort nach unten auf die fett gedruckte Zahl. Ich traute meinen Augen nicht, bat Oscar hinter der Theke hervorzukommen und umarmte ihn.
Oscar und sein tolles Team haben so viel bei uns an Bord gemacht, wodurch die Inspiration jetzt wirklich fit für die Atlantiküberquerung ist, was Motor, etc. anbelangt. Dennoch hat er unser schmales Budget nicht aus den Augen verloren und bewiesen, dass er ein Herz für Abenteurer, wie wir es sind, hat. Danke lieber Oscar, Vielen, vielen Dank!
Danken möchten wir heute auch Euch da draußen. Es gibt uns so viel, zu sehen und erleben zu dürfen, wie viele Menschen, Familie, Freunde und Weggefährten unseren Weg verfolgen und wahrlich mitfiebern. Danke dafür, vielen vielen Dank!
Morgen werden die Vorräte aufgestockt und dann geht es wieder raus auf das Mittelmeer, weiter Richtung Gibraltar. Wir freuen uns schon sehr, wieder segeln zu dürfen.
Bis Bald und alles Liebe!
Gerhard und Manuela
Wir hoffen, euch gefällt unser Blog. Wenn Ihr mögt, lasst uns ein kleines Trinkgeld da, wir investieren es in den nächsten Sundowner oder in unser Boot. (Einfach auf diesen Text klicken)
Vielen Dank!
Gerhard und Manuela!
Einmalig spenden
Monatlich spenden
Wähle einen Betrag
Oder gib einen anderen Betrag ein
Vielen Dank für deine Spende!
Vielen Dank für deine Spende!
SpendenMonatlich spendenLinkliste: