Marbella, die Perle des Mittelmeeres

Tja, euch die ihr schon lange und treu mitlest, kann ich nichts vormachen. Natürlich hat Manuela den Kaffee am Ende des letzten Beitrages zubereitet. Aus Kaffee und Kuchen wurde kurzerhand Kaffee und Jause, ebenso gut.

Die Genua gebläht von rechts hinten (Der Seemann/die Seemännin würde sagen „Steuerbord Achteraus), flogen wir für unsere Verhältnisse über das Wasser. Der gereinigte Rumpf machte Geschwindigkeiten von 7kn und mehr, bei 4 Bft Wind, möglich. Nachdem die Geschwindigkeit auf mehr als 8 kn stieg, war es Zeit zu reffen, also das Segel zu verkleinern. Dadurch beruhigte sich das Schaukeln des Bootes in den Wellen ein wenig, die Geschwindigkeit sank jedoch nur um 1 kn, sodaß wir immer noch sehr gut unterwegs waren. In der Nacht sollte der Wind auffrischen und uns dadurch dazu bewegen, die Genua nochmals auf ca. 30% ihrer vollen Größe zu schrumpfen. Und trotzdem hielten wir 5-6 kn Geschwindigkeit.

Die Größe der Segelfläche auf einer Segelyacht hat eben genau den Zweck, den Windbereich von Schwachwind bis Starkwind möglichst gut abzudecken. An Bord der Inspiration nutzen wir zum Beispiel die volle Fläche des Großsegels (das hintere der beiden Segel) nur bei sehr schwachen Winden. Sobald es auffrischt, verkleinern wir rasch. Denn haben wir viel Großsegel draussen, dann krängt das Boot sehr stark (es neigt sich stark zur Seite) Das sieht spektakulär aus, hat aber eigentlich 2 wesentliche Nachteile:

Unser Schiff wurde vor der Jahrtausendwende entworfen und gebaut. In dieser Zeit konstruierte man die Heckpartien von Yachten anders als man das heute tut. So haben wir ein zentrales Ruderblatt, dass mittig unter dem Steuerstand platziert ist. Das Ruder entfaltet die beste Wirkung, wenn es senkrecht nach unten ins Wasser steht, denn dann werden seine Bewegungen zu 100 Prozent in Fahrtrichtungsänderungen nach links und nach rechts umgesetzt. Legt sich die Yacht zur Seite, dann steht das Ruderblatt nicht mehr senkrecht, sondern schräg im Wasser, was zur Folge hat, dass ein Teil der Ruderbewegung nach oben und unten anstatt nach links und rechts wirkt. Dadurch sinkt der Wirkungsgrad des Ruders, was sich darin bemerkbar macht, dass man am Steuerstand größere Ausschläge benötigt. Neigt sich das Boot aufgrund zu großer Segelfläche nun stark zur Seite kann die Strömung am Ruder abreißen (das bedeutet, dass das Wasser das Ruder nicht mehr umströmt sondern sich verwirbelt), wodurch der Bug plötzlich in den Wind dreht. Dadurch entsteht an den Segeln eine Kraft nach unten. Die Yacht legt sich zur Seite. Für die Yacht ist das kein Problem, die richtet sich wieder auf, allein unter Deck wird es spannend. Denn Alles, wirklich Alles was nicht niet- und nagelfest ist, begibt sich auf einen Reise (die Gläser und Teller in der Spüle, die Kaffeekanne mitsamt Kaffee, die Messer, welche zum Wurfgeschoß werden und nachts auch Manuela, schlafend in der Koje, wenn ich Wache habe und es sollte passieren. Deshalb fahren wir das Großsegel sehr konservativ.

Der zweite Nachteil betrifft die Wasserlinie bzw. die Konstruktion des Unterwasserschiffes. Bis zu einem gewissen Krängungswinkel sind Yachten so konstruiert, dass möglichst wenig benetzte Fläche entsteht, das heißt möglichst wenig Boot ins Wasser eintaucht. Wenig Fläche bedeutet wenig Widerstand. Ist die Schräglage nun größer als in der Konstruktion vorgesehen, tauchen Bereiche des Rumpfes ins Wasser ein, die hydrodynamisch einen höheren Widerstand bieten und somit das Boot bremsen. Man kann das gut nachvollziehen, wenn man bei Schräglage die Segelfläche merklich verkleinert und das Boot, nachdem es sich aufgerichtet hat, trotz kleinerer Segelfläche die Geschwindigkeit hält (eben weil dann der konstruktiv dafür vorgesehene Bereich Kontakt mit dem Wasser hat).

Mit kleiner Segelfläche und unter dem Kommando von Mr. Breeezzzy ging es in die Nacht hinein. Es schien, als würden es ruhige Nachtwachen werden. Ruhig bedeutet für uns, dass die Yacht durch die Selbststeueranlage auf Kurs gehalten wird und wir diese lediglich überwachen oder beizeiten eine wenig nachjustieren müssen. Ansonsten läuft das Radar im „Guard“ Modus, gibt also Alarm, wenn uns jemand nahe kommt. Wenn es so läuft sitzen wir meist im Cockpit, lesen oder spielen am Handy oder genießen einfach den fantastischen Sternenhimmel.

Dergestalt war auch die erste Wache. Am Ende dieser wurden wir gewahr, dass unser Kurs einen deutlichen Südanteil hatte. Wir fuhren zwar immer noch gut Richtung Marbella, doch nicht direkt, wie man dass unter Maschine tun würde, sondern etwas schräg, was dem Windeinfallswinkel geschuldet war. Nach einigen Stunden sahen wir auf dem AIS eine Flotte von Schiffen auf unserer Backbordseite, doch nicht nur am AIS Bildschirm sondern auch draußen, am Horizont. Das AIS gab Aufschluss darüber, dass es sich um lauter große Pötte handelte, Tanker mit 180m Länge, riesige Frachter und Kreuzfahrer in der Größe von 300m und mehr. Wir hatten den Anfahrtsweg von Gibraltar erreicht.

Da wir nicht jetzt schon durch die Straße von Gibraltar wollten, sondern unser Ziel Marbella war, änderten wir den Kurs. Wir brachten die Genua auf die andere, die Backbordseite und segelten Richtung Küste. Die Windgeschwindigkeit war mittlerweile gestiegen, was auch eine größere Welle mit sich brachte. Die Inspiration begann wieder, in den größeren Wellen, gehörig hin und her zu wanken. Hut ab vor der Windsteuerung, welche diese Schiffsbewegungen hervorragend aussteuerte. Mit „gemütlich“ war es jedoch vorbei. Wie die Windprognose erwarten ließ, verringerte sich die Windstärke, je näher wir der Küste kamen. Es kam der Punkt, wo es keinen Sinn mehr machte zu segeln und so erweckten wird die Maschine zum Leben, welche uns auf direktem Wege rasch näher an Marbella heranführte.

Im Gegensatz zu Manuela, die nachts unter Maschine Kurse wie mit dem Lineal gezeichnet steuert, sieht dass bei mir immer so aus, als ob ich betrunken wäre. Ich bin natürlich nicht betrunken, ganz im Gegenteil, wenn wir draußen sind, gibt es keinen Alkohol. Ich glaube es liegt einfach daran, dass ich 3 Sachen gleichzeitig mache, wie immer wieder die richtige Musik auswählen und so weiter. In dieser Nacht war mein Zick Zack Kurs einem Kreuzfahrtschiff geschuldet, dass uns unangenehm nah kam. Der Nachteil an Kreuzfahrtschiffen ist meines Erachtens der, dass sie leuchten wie ein Christbaum am heiligen Abend. Das macht sie zwar gut und bald sichtbar, jedoch die kleinen Positionslampen werden durch diese Wucht an Lichtern überdeckt. Ein Schiff leuchtet an der rechten Seite immer Grün und an der linken Seite immer rot. Gemeinsam mit den weißen Dampferlichtern kann man sehr gut einschätzen, in welche Richtung das Schiff fährt. Das funktioniert bei Frachtern und Tankern ausgezeichnet, denn bei denen sieht man fast ausschließlich diese Positionsleuchten, bei Kreuzfahrern kann man das vergessen.

Dieses Kreuzfahrtschiff fuhr auch ungewöhnlich langsam, mit nur 11kn. Da wir jetzt relativ schnell unterwegs waren (6,4kn) begleitete mich dieses riesen Ding eine voll Stunde lang. Bis ich herausgefunden hatte, wo dieser nun wirklich hinfährt, war mein Kurs der eines Feldhasen auf der Flucht vor dem Fuchs. Ich nehme an, der Offizier auf der Brücke des Kreuzfahrers dachte, ich sei betrunken.

Just, als das schwimmende Hotel an uns vorübergezogen war, endete meine Wache und Manuela übernahm. Jetzt gereichte uns das Kreuzfahrtschiff zum Vorteil, denn ich beantwortete Manuelas Frage nach dem Kurs mit : “ Einfach dem Christbaum nach, der Fährt unseren Kurs“. Manuela sollte in dieser Nacht ebenfalls noch gehörig zu Tun bekommen. Einige Zeit nach Wachübernahme gab sich ein Schiff der Marine ein „Stelldichein“ mit der Inspiration. Manuela hatte das Schiff schon eine Zeit vorher bemerkt und hat in der Annahme, es würde, wie die ganzen anderen Riesen, Kurs Gibraltar laufen, ihm keine weitere Beachtung geschenkt. Erst als die Stille der Nacht jäh durch das Gekrächze des Funkgeräts mit „Inspiration, Inspiration, Inspiration, this is … “ unterbrochen wurde, stellte Manu fest, dass dieser Riese schnell näher kam. Unser AIS Monitor ist unter Deck, ebenso wie das Radar. Zweiteres ist gut sichtbar vom Steuerstand, doch um nähere Informationen vom AIS abzulesen, muss man unter Deck. Das ist jedoch schwierig, beizeiten unmöglich, wenn das Boot unter Maschine fährt, ohne Autopilot. Daher ist man auf dass angewiesen, was das Radar zeigt und was man selber sieht.

Die vermeintliche Nähe zu diesem Marinekreuzer bewog Manu nach mir zu rufen. Vergeblich. Denn ich hatte in den Schlafmodus „Stein“ geschaltet und schlummerte tief und fest im Vorschiff. Obwohl unsere Inspiration nur 10,65m lang ist, gelingt es nicht, jemanden, speziell mich, durch Zurufe zu wecken, denn zwischen Steuerstand und Koje wummert noch der Schiffsdiesel. Eigentlich haben wir zu diesem Zweck die Walkie – Talkies, doch wir hatten sie, warum auch immer, nicht dabei. Das wird uns nicht nochmal passieren. Manu war auf sich gestellt und manövrierte den Kreuzer mit Ringerl und Kurven derart aus, dass dieser vollends von unserer Absicht verwirrt war. Schließlich gab Manuela Fersengeld und brachte die Maschine auf Touren. Der Kreuzer funkte nicht mehr und wir entschwanden im Dunkel der Nacht.

Tagsüber folgten wir dem direkten Pfad nach Marbella. Manu hatte sich nach ihrer zweiten Schicht noch mal in das Vorschiff zum Ausschlafen begeben. Es war ein wenig Wind aufgekommen, von der Richtung her nicht zum Segeln geeignet , aber dennoch genug, Mr. Breeezzy in Gang zu setzten. Da ich vom Steuern befreit war, nutzte ich die Gelegenheit, die Sonne mit dem Sextanten zu vermessen. Einenhalb Stunden später war es Mittag, die Sonne stand im Zenit und bot die Chance, eine sogenannte Mittagsbreite (ebenfalls mit dem Sextanten) zu vermessen. Mit diesen beiden Messungen, ein wenig Rechenaufwand und den entsprechenden Tabellen, bestimmte ich unsere Position relativ genau. Ich finde es faszinierend, zur Bestimmung meiner Position das Selbe zu tun wie Christoph Kolumbus, James Cook und all die anderen Seefahrer der Vergangenheit und Gegenwart. Außerdem macht es mich zufrieden, dass ich abseits von aller Technik wie GPS, etc. in der Lage bin uns um die Welt zu navigieren. Dazu ist es allerdings notwendig, es auch regelmäßig zu machen, frei nach dem Motto „Use it or loose it“.

Was braucht man alles dafür? Grundsätzlich einmal jemanden, der einem dieses Feld der Navigation näher bringt. Alfred, mein früherer Miteigner und ich haben in Walter Sonnberger, Inhaber der Seefahrtsschule „Sonnsail.at“ (Link unten) glücklicherweise diesen „Jemand“ gefunden. Walter hat ein profundes Fachwissen, doch was noch viel wichtiger ist, er hat das Talent, es so zu erklären, dass man es von der Pike auf lernt und vor Allem auch versteht. Der FB4 Kurs (Fahrtenbereich 4 : Weltweite Fahrt mit Astronavigation) mit ihm war sensationell. Er brachte mir die Astronavigation in einer Weise näher, die zum Ergebniss hatte, dass ich auch über Grundlagen Bescheid weiß. Danke, lieber Walter !

Dieses Foto zeigt, was man in der Praxis benötigt: Das jährliche Tabellenbuch „Nautical Almanach“, die „Sight Reduction Tables“ in drei Bänden, einen guten Sextanten, eine genaue, digitale Uhr, eine Seekarte, sowie einen Taschenrechner, um die Schwächen im Kopfrechnen auszugleichen.

Schließlich war Marbella am Horizont zu sehen. Wir hatten in der, für so eine große Stadt wie Marbella klein wirkenden Marina „Porto Deportivo de Marbella“ einen Platz reserviert. Bei der Ankunft legt man hier an einem kleinen Steg an, erledigt die Formalitäten und bekommt dann einen Platz zugewiesen. Dieser war wieder mal eine so enge Kiste, dass ich erst beim zweiten Versuch gut in die Lücke kam (Manu verwandelte sich kurzerhand in einen achtarmigen Oktopus und stopfte, einem Wirbelwind gleich, links und rechts Fender dazwischen. Das Gute an dem engen Platz war, dass wir, einmal drin, keinen Stress mit dem Festmachen hatten, denn wir waren im Sandwich zwischen einer Motor- und einer Segelyacht gut eingequetscht.

Als wir fertig waren mit dem Vertäuen des Bootes stand schon Reinhard auf der Pier. Er war der Grund, warum wir Marbella angesteuert hatten. Reinhard stammt ebenso wie ich aus Steyregg und ist ein Freund von mir. Mit Beginn seiner Pension vor einem Jahr ist er nach Spanien gezogen, der Liebe und des Klimas wegen. Wir verbrachten einen unterhaltsamen Abend mit ihm, der, genauso ein Abenteurer wie wir, viel zu erzählen hatte. Sei es von seiner Besegelung der Antarktis oder den Abenteuern in England und dem Atlantik.

Er gab sich die Ehre, uns durch das weihnachtlich dekorierte Marbella zu führen und zeigte uns die Geheimtipps in der Altstadt, sowie einen von Salvador Dali gestalteten Skulpturenpark. Da Reinhard am nächsten Tag zu einer Reise aufbrach, machten wir es nicht all zu lange. Um 21:00 Uhr waren wir zurück an Bord. Die Strapazen der letzten Tage forderten ihren Tribut. Wir sanken in die Kojen und träumten von der Weite der See.

Heute Morgen, um 10:30 erwachten wir. Da es nach Gibraltar ca. 35 Seemeilen sind und wir diese Meerenge unbedingt bei Tageslicht durchfahren wollen, entschlossen wir uns noch einen Tag in Marbella zu bleiben. Dem Budget schadet das nur wenig, denn der Liegeplatz hier hat pro Tag den unschlagbaren Preis von 18,62 € inklusive Strom und Wasser. Nachdem ich hier zum Ende komme machen wir uns auf zum örtlichen Sandstrand und dann weiter zu Tapas und Paeilla (ich glaub das schreibt man so). Morgen geht es dann „early morning“ an die „Self Service“ Tankstelle, das nächste Abenteuer, und dann nach Gibraltar.

Bis Bald ihr Lieben!

Liebe Grüße!

Gerhard und Manuela

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