


Vormittags, nach einem gutbürgerlichen Frühstück ging es los. Wir verließen unseren Sandwich Liegeplatz in Porto Deportivo de Marbella, um die Fahrt der Inspiration an der Tankstelle schon wieder zu stoppen. Der Automat an Selbiger sprach glücklicherweise deutsch, wobei es wiederum einiger Versuche bedurfte, das begehrte Nass aus der Zapfsäule zu bekommen. Doch mittlerweile sind wir diesbezüglich schon geübt. Mit einem sogenannten „Johnny Lässig“ (Leinen Los, Abstoßen, Gas geben) Manöver legten wir von der Tankstelle ab und verließen Marbella.


Unser Ziel war die Marina des Ortes La Linea, hinter dem britischen Bereich von Gibraltar gelegen. Es war etwas diesig, doch die Sonne hatte sich schon ihren Weg gebahnt und verlieh der Straße von Gibraltar einen goldenen Schimmer. Kein Lüftchen bewegte das Meer, wir schoben uns unter Maschine Kabellänge um Kabellänge der Halbinsel entgegen. In der Ferne waren schon die großen Jungs schemenhaft zu erkennen, eingehüllt in einen gelblichen Dunst, wohl das Produkt unzähliger Schornsteine, die tagaus tagein die Straße passieren.
Einige Zeit später hoben sich Umrisse aus dem golden Schein hervor, Afrika am Horizont. Die Inspiration drehte ihren Bug gen Westen. Mit dem Fernglas sah ich mir den Felsen von Gibraltar an, ich konnte mich kaum satt sehen. Die Hochhäuser an der Nordseite, der gewaltige Osthang, angelegt um Wasser zu sammeln, die Kanonen auf der Südspitze, Zeugen der kriegerischen Vergangenheit. Viel, viel mehr gab es noch zu sehen, doch ein Objekt fesselte meine gesamte Aufmerksamkeit, zumal es auch schon ohne Fernglas gut erkennbar war. „Point Europe“.


Point Europe! Mich überkam eine tiefe Freude, die mich fast zu Tränen rührte, denn wir hatten unser erstes Etappenziel erreicht. Manuela und ich sind unseren Träumen gefolgt und haben mit unserer Inspiration das Mittelmeer durchquert. Wenige Minuten bevor wir diesen Schicksalspunkt erreichten, stellte ich eine WhattsApp Videoverbindung zu meinen Eltern her. Gemeinsam mit uns erlebten sie hautnah die Einfahrt in die Straße von Gibraltar. Die Bucht von Gibraltar war mit einer Vielzahl auf Reede liegenden Tankern, Frachtern und Containerschiffen gespickt. Manu steuerte die Inspiration routiniert zwischen diesen sanften Riesen durch, ganz der Skipper, der sie auf den letzten 1500 Seemeilen geworden war.
Im Vorhafen der Marina Alcaidesa machten wir das Boot klar zum Anlegen. Die Angaben der via Kanal 9 mit mir in Verbindung stehenden Rezeption der Marina, verwirrten mich ein wenig, wodurch wir 2, 3 Kreise in der Einfahrt zogen, bis wir wussten, dass wir zur Anmeldung kurz am Pier der Rezeption festmachen mussten. Auf einer Bank vor dieser saßen zwei Jungs, die sich sofort anschickten unsere Leinen zu übernehmen. Während ich in der Rezeption die Formalitäten erledigte, unterhielt sich Manu mit ihnen und erfuhr, dass beide per Anhalter mit dem Segelboot über den Atlantik wollten und deswegen hier auf potentielle Yachten harrten.
Unser Boot war definitiv zu klein, oder mit zu viel Ausrüstung voll gestopft, um auf der Atlantikroute noch Passagiere mitzunehmen, aber wir luden die beiden auf einen Manöverschluck ein, sobald wir unser Boot am Liegeplatz befestigt hätten. Zu unserer Enttäuschung tauchten die beiden nicht auf. Wir beschlossen den Abend mit einem köstlichen, selbst zubereiteten Mahl und plauderten noch Lange über die fantastischen Eindrücke dieses besonderen Tages.




Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der Stadt Gibraltar. Wir wollten den Affenfelsen besichtigen, durch die Altstadt von Gibraltar schlendern und einige Besorgungen machen. Entsprechend enttäuscht waren wir, als vormittags der Fels in eine dicke Wolke gehüllt war. Da uns nichts trieb, blieben wir bis Mittag auf der Inspiration. Nach einem leckeren Süppchen machten wir uns „per Pedes“ auf den Weg. Denn in de Rezeption sagte man uns, es sei nur eine viertel Stunde Fußmarsch nach Gibraltar. So war es dann auch und dieser Fußmarsch war wohl einer der spektakulärsten, die wir jemals gemacht hatten, denn in Gibraltar quert man die Startbahn des örtlichen Flughafens. Was für ein Erlebnis. Nach einer kurzen Passkontrolle waren wir in „Very British“ Gibraltar.




Unser erster Weg führte uns zur Shepards Chandlery, dem Schiffsausrüster in Gibraltar schlecht hin, um einen „Nautical Almanach 2025“, das jährlich erscheinende nautische Jahrbuch für die Astronavigation zu erstehen. Ein schon etwas in die Jahre gekommener Mitarbeiter erklärte uns in astreinem Oxford Englisch, dass wir Pech hätten, denn die beiden letzten Exemplare waren vor kurzem über den Ladentisch gegangen. Auf Nachfrage, wo es in Gibraltar noch eine Möglichkeit gäbe, setzt er einen sehr skeptische Miene auf und meinte dass ganz am Ender der Insel ein Laden wäre, wo es vielleicht noch einen Almanach gäbe, die Wahrscheinlichkeit sei aber äußerst gering. Dass verblüffte mich dann doch einigermaßen, denn hier ging es ja nicht um eine vergriffenen Erstausgabe von Shakespeare´s Sommernachtstraum, sondern um ein Standardwerk der Navigation.
Da der andere Händler für uns zu Fuß völlig außer Reichweite war, gaben wir unser Vorhaben auf. Wir entschieden uns, die Altstadt auf dem Weg zur Seilbahn zu durchstreifen. Es war erstaunlich, wieviel zu dieser Jahreszeit hier los war. Die Straße war voll von Geschäften für Luxusartikel, Tabakwaren, Weine und stärkere Sachen. Cafe um Cafe säumte die Straßen und Restaurants für jeden Geschmack vervollständigten das Bild. Wie auch schon zuvor Marbella, hatte Gibraltar schon das Weihnachtskleid angelegt, wie an den Häusern, den Weihnachtsbäumen auf den Plätzen und den Dekorationen der Geschäfte unschwer erkennbar war.
Mittlerweile waren wir schon die eine oder andere Landmeile gelaufen. Ich hatte mich für die „Ballerinas“ entschieden, was angesichts der harten, gepflasterten Straßen wohl nicht die schlaueste Entscheidung war. Die Seilbahn war zwar langsam zu sehen, doch die Füße sehnten sich nach einer Pause. Just in diesem Moment kam ein Mann auf uns zu und überschüttete uns mit einem Redeschwall. Nach und nach wurde klar, er wolle uns eine Tour auf den Affenfelsen anpreisen, doch nicht mit der Seilbahn, sondern mit seinem Taxi. Er hörte gar nicht mehr auf, die Besonderheiten seiner Tour und die Vorteile gegenüber einer Fahrt mit der Seilbahn zu betonen. Das hätte es nicht gebraucht, denn meine Füße hatten schon längst entschieden. Wir gesellten uns zu den andern 6 Reisenden, ein Pärchen aus Holland und 2 deutschen Pärchen in den komfortablen Mercedes Vito Bus. Los ging die wilde Fahrt.

Adrian, in Gibraltar geboren und aufgewachsen, entpuppte sich als wahrer Glücksgriff, denn er strotzte nur so vor geschichtlichen Fakten und interessanten, mitunter witzigen Anekdoten.

So brausten wir den Berg auf engen Straßen hoch. Die erste Station war eine der vielen Höhlen des Felsen. Diese war eine Tropfsteinhöhle mit Stalagmiten und Stalaktiten enormen Ausmaßes. eine Lichtshow ließ diese wundersamen Gebilde noch eindrucksvoller wirken. Man hatte das Gefühl mit Gandalf dem Zauberer durch Minas Thirit zu streifen und fragte sich ob wohl hinter der nächsten Ecke der Drache Smaug lauern oder man auf König Laurins Gold stoßen würde. Es war wirklich sehr beeindruckend und den Besuch auf jeden Fall wert. Am Ausgang der Höhle befand sich ein kleines Restaurant, dass auch von den Affen frequentiert wurde. Das Glück war uns hold und die ersten Aufnahmen gelangen uns. Natürlich hat uns Adrian zuvor in die Do´s and Dont´s in Bezug auf diese Makaken eingewiesen. Vor allem : Direkten Augenkontakt vermeiden!



Als wir weite rund weiter den Berg hinauf fuhren, begegneten wir immer wieder Wanderern, deren rote Gesichter von der Mühsal des Aufstiegs zeugten. Adrian klärte uns auf, dass Die Seilbahn nur ungefähr die Hälfte des Berges überwand und man den Weiteren Weg zu Fuß in Angriff nehmen mußte. Bei ihm wäre es doch viel komfortabler und dass zu einem unwesentlichen höheren Preis, als es mit der Seilbahn gekostet hätte. Wir konnten das nicht nachprüfen und doch waren wir angesichts der erschöpft wirkenden Wanderer froh hier bequem im Taxi zu sitzen.



Ganz oben am Berg, an dessen Südwestseite, organisierte unser Guide noch ein Gruppenbild mit Affe. Die Pistazien in seiner Faust motivierten die Affen zu Höchstleistungen, was das Posieren anbelangte. Schließlich besichtigten wir noch eine beeindruckende, in den Berg gehauene Verteidigungsanlage, nebst den zugehörigen Kanonen, bevor uns Adrien netterweise in der Nähe des Flughafens absetzte. Er bot uns an, über die Piste zu fahren und uns nach La Linea zu bringen, doch wir wollten noch einmal das Vergnügen eines Spazierganges über die mittlerweile in der Abendsonne liegenden Landebahn haben. Die Tour mit Adrien ist wirklich weiter zu empfehlen. Sie ist kurzweilig und auch der historisch Interessierte kommt auf seine Kosten. Toll gemacht.




Als wir zu unserer Pier zurückkamen, saßen dort die zwei Jungs vom Vortag. Wir luden sie zu uns aufs Boot auf einen Sundowner ein. Begeistert folgten sie der Einladung. Bei einer halben Flasche 15 Jahre altem Rum, die Manu aus ihrer geheimen Reserve hervorholte, lernten wir uns näher kennen. Die Beiden waren Marcel aus der Steiermark und Stefan aus Stuttgart. Beide hatten sich hier in La Linea auf der Suche nach einem Boot, welches sie nach Südamerika mitnehmen sollte, kennengelernt. Mittlerweile waren sie schon einige Wochen hier. Sie campierten mit Gleichgesinnten in einem kleine Wäldchen unweit von der Marina, in die sie immer durch ein Loch im Zaun gelangten, um die Boote abzupassen.


Obwohl es dafür keinen Anlass gab, boten wir ihnen an, mit unseren Keycards die Duschen zu benutzen, was sie dankend annahmen. Der Bericht über ihr Leben im Zeltlager und ihren wenig abwechslungsreichen „Menüplan“ bewegte Manuela und mich dazu, die beiden für den Abend zum Essen einzuladen. Der in kulinarischen Dingen unschlagbare „Skipper Alex“ hatte uns auf Facebook das Restaurant „La Chacra“ empfohlen. Wir dinierten dort vorzüglich mit den Beiden, die Steaks waren günstig und schmeckten ausgezeichnet. Mann sah Marcel und Stefan die Freude über dieses köstliche Mahl an. Das war ja auch der Sinn der Sache. Wir spazierten mit vollen Bäuchen und gut gelaunt zur Marina zurück. Die beiden verabschiedeten sich in Richtung Wald Camp.
Zurück an Bord sinnierten wir noch ein wenig über diese ungewöhnliche Art zu Reisen und stellten sie der unseren gegenüber. Obwohl ich schon von Leuten gehört habe, die als Passagier auf großen Frachtschiffen für kleines Geld um die Welt reisten, scheint uns die Art, wie diese beiden Jungs es tun, doch Etwas zu sein, dass man in sehr jungen Jahren tut. Wir sind froh über unser schwimmendes Zuhause und den Komfort, den es uns bietet.

Was sind nun die Säulen des Herkules? An der ersten Station unserer „The Rock“ Tour hielten wir an einem Denkmal. Dies beschrieb die Säulen des Herkules. Das sind einerseits der Felsen von Gibraltar und andererseits der Berg „Dschebel Musa“, in Marokko gelegen. Zwischen diesen beiden Bergen befindet sich, ebenda, die Straße von Gibraltar. Auf der Inschrift des Monumentes findet sich der Passus „Non plus Ultra“, was so viel wie „nicht mehr weiter“ bedeutet. Damit sollte das Ende der Welt markiert werden. Ein Irrtum, wie sich später herausstellen sollte.
Hier soll für heute Schluss sein. Morgen brechen wir auf eine dreitägige Reise auf, deren Ziel der „Porto Sherry“ in der Bucht von Cadiz ist, denn dort bekommen wir vom ansässigen Segelmacher unsere neue Genua.
Bis Bald und alles Liebe!
Gerhard und Manuela
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