Nun ist ja schon ungewöhnlich viel Zeit seit dem letzten Beitrag vergangen. Das lag daran, dass die Überfahrt von Cadiz nach Lanzarote einerseits schön und andererseits abenteuerlich (tendenziell im positiven Sinn) war. Diese abenteuerlichen Facetten, die ich in den kommenden Beiträgen näher beleuchten werde, machten es mir nicht möglich oder sagen wir nicht sehr komfortabel, unter Deck zu schreiben. Ich hoffe, das wird auf der Atlantiküberquerung, die immer näher rückt, besser.
Seit unserem Start im Oktober haben wir auf unserem Weg von Pula, Kroatien nach Porto Sherry, Cadiz, Spanien, die Anforderung an uns immer höher geschraubt. Es hat mit einer Nachtfahrt begonnen und daraus wurden entlang unserer Route immer längere Schläge. Auch hat sich so mache Herausforderung ohne unseren ausdrücklichen Wunsch aufgetan, wie die unangenehmen Wellen auf dem Weg von Palma de Mallorca Richtung Gibraltar, oder die ebenso auf diesem Schlag aufgetretenen Probleme mit der Maschine. Stück für Stück sind unsere Seemanns- bzw. Seefrausbeine (das Wort gibt es sicher nicht)angewachsen. Gerade gestern hatten wir über einen Schlag von Lanzarote nach Gran Canaria gesprochen. Die Distanz von hundert Seemeilen, am Beginn unseres Abenteuers noch die große Weite wurde mit einem Lächeln und „Pfff- Kinderjause“ abgetan. So ändert sich die Sicht wenn man, wie wir gerade in die 4. Nachtwache geht und schon 400 Seemeilen im Kielwasser haben. Doch dazu später mehr, inzwischen ist ja Einiges geschehen, deswegen wieder zurück nach Porto Sherry,
Es hatte sich ergeben, dass Manu für einige persönliche Termine kurzfristig nach Hause fliegen musste. Den Flug hatten wir bereits auf der Anfahrt nach Cadiz gebucht. Der Flughafen „Jerez de la Frontera“ lag ca. 50 km von Porto Sherry weg. Porto Sherry ist ein wenig, ich sag mal, abgelegen was die Anbindung an die städtische Infrastruktur anbelangt. Das bedeutet, dass hier die Taxis nicht in einer Schlange stehend auf Fahrgäste harren, so wie wir das vom Linzer Hauptplatz gewohnt waren.
Daher nahmen wir den „Hatscher“ zur Rezeption der Marina in Angriff. Mit dem Schlauchboot wären wir in 2 Minuten dort gewesen, doch da der Skipper einen super Grund hatte, es nicht ins Wasser zu lassen, mussten wir jedesmal einen Fußmarsch von 20 Minuten in Kauf nehmen. Der Skipper hatte nämlich vor, die Scheuerleisten endlich wieder ans Dinghi zu kleben. Damit der 2 Komponenten Kleber jedoch gut abbinden kann, benötigt es eine Temperatur von 15- 20 °, was in diesen Tagen wenn überhaupt nur sporadisch bei Sonne erreicht wurde. Böse Zungen wagen zu behaupten, dass der Skipper einfach zu bequem war, doch das scheint mir doch eher ein „Gschichtl“ zu sein.
In der Rezeption gab uns die junge Dame die obskure Auskunft, dass man hier ein Taxi nicht im Voraus bestellen könne. Wir sollten einfach um 7 Uhr in der Früh das Taxiunternehmen kontaktieren, die würden dann schon eines schicken. Eigenartig, fanden wir. Mit der Nummer machten wir uns auf den Rückweg, erledigten notwendige Einkäufe in dem der Marina eigenen Supermarkt und ließen uns schließlich in einem Restaurant zu Kaffee und Snack nieder.
Ein Anruf bei einem Taxiunternehmer der Region war nicht nur nicht erfolgreich , es kam nicht einmal zur Geschäftsanbahnung. Die tiefe Männerstimme am anderen Ende der Leitung begrüßte mich naturgemäß auf Spanisch. Auf die Frage, ob er denn Englisch sprechen würde, beantworte er mit einem vehementen „No!!!!!“. Um seiner Verneinung noch Nachdruck zu verleihen legte er auf, ich vermute, er hat den Hörer mit Wucht auf das Telefon geschmissen.

Glücklicherweise sprach die Dame des Hauses (Restaurants) sowohl Spanisch als auch Englisch und unternahm sogleich einen weiteren Versuch. Es war interessant, mit anzuhören, wievieler Sätze es wohl auf spanisch bedurfte, um “ Wir brauchen für morgen Früh um sieben ein Taxi zum Flughafen“ zu sagen. Scheinbar ist das Deutsche eine sehr effiziente Sprache. Aus dem Gespräch konnte ich nur einige Worte, wie Manjana oder Aeroporto verstehen, doch schließlich gab mir Madame das Handy zurück und versicherte uns, das Taxi würde morgen um ca. 7 Uhr vor der Marina stehen. Glücklicherweise war das auch dann so. Ein Schelm, der daran gezweifelt hätte.
Tja, jetzt war ich Strohwitwer. Natürlich gab ich mich nicht dem Müßiggang hin, sondern erledigte anstehende Arbeiten am Boot. Gonzalo, ein guter Freund und Fliegerkamerad, der in Sevilla lebt, kam mit seiner Frau Carmen, seinem 4 Monate alten Sohn Oliver und dem Hund Kiwi auf einen Besuch vorbei. Seine Familie hatte in der Nähe ein Strandhaus, welches sie bei Gelegenheit aufsuchten und verbanden den Besuch bei uns, um dort nach dem Rechten zu sehen.


Wir hatten uns schon viele Jahre, ich denk sieben oder acht, nicht mehr getroffen, haben unsere Freundschaft aber immer wieder über Whattsapp, etc. gepflegt. Umso mehr freute es mich, Gonzalo persönlich wieder zu sehen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Im Vorfeld hatten wir schon Pläne gemacht, was wir Alles tun würden, zum Beispiel wieder miteinander in die Luft zu steigen. Doch die Wirren des Alltags haben das verhindert. Dennoch war es wunderbar, gemeinsam am Strand zu sein, zu speisen, zu reden und vorallem viel zu lachen. Tags darauf, fuhren wir, vor Manuelas Rückkehr, noch gemeinsam mit der Inspiration in die Bucht von Cadiz hinaus. Es war gemütliches Nachmittagssegeln angesagt, natürlich waren Carmen und der kleine Oliver auch mit dabei, nur Kiwi blieb an Land, nicht weil er nicht an Bord durfte, denn die Inspiration ist an Hunde gewöhnt, sondern Kiwi machte klar, dass er weder Segler war, noch Seemannspfoten hatte.



Gonzala hatte, genauso wie ich, die größte Freude. Man sah im an, dass er auch ein Abenteurer war. Der vier Monate junge Oliver fühlte sich vorerst sichtlich wohl, um dann ganz unvermittelt seine gerade eben aufgenommene Nahrung im Cockpit zu verteilen. Doch nicht, dass jemand jetzt meine würde, er hätte dabei eine Miene verzogen oder gar geschrien. Oliver setzt nach vollbrachtem Werk wieder ein Lächeln auf. Ganz der Papa, auch ein Seefahrer und ich bin mir ziemlich sicher, auch ein zukünftiger Flieger.

Da Manuelas sehnlichst erwartetes Eintreffen näher rückte, nahmen wir Kurs auf den Hafen und legten an. Oliver hatte sich inzwischen dem Schlaf des Gerechten hingegeben. Schließlich ist so eine Schiffstaufe mit persönlicher Note in diesem zarten Alter wohl ein enormer Kraftakt. Vollzählig, mit Manu an Bord verbrachten wir noch eine lustige Zeit. Abends dinierten wir im Restaurant der hilfreichen Dame (Taxibestellung). Wie sich herausstellte, war dieses „Michelin“ prämiert, nicht zu unrecht, wie mein Gaumen zu wissen glaubte. Ein gelungener Tag neigte sich seinem Ende zu. Mit vielen guten Wünschen und einigen leckeren Geschenken für Weihnachten (oder davor) verabschiedeten wir uns herzlichst und kehrten an Bord zurück.





Wir verbachten noch einen Tag in Porto Sherry, ließen die Seele baumeln und füllten die Vorräte für die kommenden 6 Tage Überfahrt auf. Ich hatte am ersten Abend des Besuches von Gonzalo und Carmen von unseren weiteren Plänen erzählt. Im Zuge dessen kamen wir auch auf den Supermarkt in der Marina zu sprechen, der zwar gut sortiert , dennoch etwas teuer war. Vorallem was das Wasser in großen Gebinden anbelangte. Im weiteren Verlauf des Abends haben wir diese Thema nicht mehr vertieft. So war ich doch einigermaßen überrascht, als um ca. 21:00 Uhr, wir hatten uns schon von einander verabschiedet und ich war bereits wieder an Bord zurück, mein Telefon leutete und Gonzalo fragte, wieviel Wasser ich den benötigen würde. Er war doch tatsächlich auf dem Rückweg ins Strandhaus noch in einem Großmarkt gefahren, lud 160 Liter Wasser in 8 L Kanistern zwischen Carmen, Oliver und Kiwi in seinen Wagen und lieferte am nächsten Tag an den Steg. Was für eine freundschaftliche Geste, was für ein toller Typ. Danke Gonzalo!
Es wird in den nächsten Wochen einen Beitrag über unsere Landcrew geben, denn unglaublich viele Menschen haben uns in der Vorbereitung unterstützt und tun es auch jetzt noch. Einen dieser Supporter, den Mike Burgstaller, seines Zeichens Meteorologe, kontaktierten wir um die Wettersituation zu besprechen. Nach dem Telefonat war klar, wir starten los nach Lanzerote, Juhu! endlich wieder raus auf See. Wie es uns dabei ergangen ist, lest ihr im nächsten Beitrag.
Alles Liebe Gerhard und Manuela
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Kurzweilig, informativ, einfach toll.
Freue mich schon auf den nächsten
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