Es ist nun schon mehrere Wochen her, dass wir in unserem Blog geschrieben haben. Dies war der Tatsache geschuldet, dass wir Besuch von der Familie und von Freunden hatten. Hier lest ihr nun, wie wir nach Guadeloupe gelangten, wo wir schließlich unsere Familie trafen. Viel Vergnügen, Gerhard und Manuela!
Wiedereinmal haben wir von unseren Freunden Uli und Claudi Abschied genommen. Wir sollten mit ihnen auf Guadeloupe einige Wochen danach wieder vereint sein. Die Inspiration und natürlich auch ihre Crew waren fit für ein weiteres Abenteuer, der Überfahrt nach Guadeloupe. Wir lösten die Leine von der Boje 21 der Marina „Etang de Appricots“ und folgten unter Maschine den Fahrwegmarkierungen hinaus aus der Bucht von Fort du France, um so bald wie möglich unter Segel zu gehen. Dieses Mal hatten wir uns entschieden, entlang der Küsten zu segeln, auch wenn wir hier mit vereinzelten Flauten im Lee der Inseln rechnen mussten. Den Umweg, den ich uns durch meine Kurswahl von St. Lucia nach Martinique eingebrockt habe, wollte ich dieses Mal vermeiden und somit die Überfahrt möglichst effizient gestalten.
War der Wind die ersten Stunden entlang der Küste noch beständig, nahm er auf unserem Kurs nach Nordwesten dann doch rapide bis hin zur Flaute ab, worauf wir die Genua einholten, das Großsegel in der Schiffsmitte fixierten und mit dem Motor gemütlich dahin tuckerten. Vor uns entdeckten wir an der Wasseroberfläche vermehrt kleine Bojen, meist irgendwelche Flaschen oder Kanister, welche Fischernetze oder Fischreusen markierten. Diese improvisierten Bojen waren mitunter so klein, dass wir sie trotz erhöhter Aufmerksamkeit oft sehr spät erkennen konnten. Obwohl wir uns redlich bemühten, Allen weiträumig auszuweichen, passierte es dann doch, dass wir mit unserem Bug ein Netz „aufgabelten“. Die Markierungbojen glitten an der Inspiration vorbei und setzen sich knapp hinter uns in Bewegung. Glücklicherweise rutschte das vermeintliche Netz am Kiel nach unten und die Inspiration „hüpfte“ aus der Falle, bevor das Netz die Schraube oder das Ruder erreichen konnte.


Würde ein Netz in die Schraube geraten, hätte das zur Folge, dass diese sich im Netz verheddern und dadurch der Motor abgewürgt werden würde. Dann bliebe nur noch, mit einem Messer bewaffnet ins Wasser zu hüpfen, um das Netz wieder mühsam aus der Schraube schneiden. Während dieser Arbeit wäre das Schiff nichts anderes als Treibgut und somit in Gefahr, wenn man der Küste nahe ist. Doch unsere Schutzengel waren auf dem Posten und so setzten wir unsere Fahrt unter noch gewissenhafterem Ausguck fort.
Einige Zeit später erblickten wir vor uns wieder eine Reihe Plastikflaschen, welche sich wie auf einer Perlenschnur aufgereiht in Kursrichtung vor uns entfalteten. Es handelte sich definitiv wieder um ein Netz, welches parallel zur Küstenlinie ausgebracht war. Wie groß dieses Netz tatsächlich war, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen. Wir entschieden uns, diesem zwischen Küste und Netz in sicheren Abstand entlang zu fahren, eine suboptimale Entscheidung, wie sich wenig später zeigen sollte. Denn das Netz war über eine ganze Bucht ausgelegt, wobei das Ende in die Bucht hinein wies. Immer wieder tauchte vor uns eine weitere Markierungsboje auf, ein Ende war noch nicht abzusehen und allmählich wurden wir gewahr, dass die Tiefe abnahm. Irgendwann ging der Tiefenmesser unter 10 Meter, acht Meter, sechs Meter, fünf Meter, doch dieses Fischfanggeräte wollte kein Ende nehmen. Wir fassten uns ein Herz und legten das Steuer 90 Grad nach Backbord. Bange Sekunden, wird sich das Netz am Kiel verhängen? Wir beschleunigten kurz und schalteten in den Leerlauf, als wir vermutlich über dem Netz waren und Sekunden später atmeten wir erleichtert auf, denn wir waren dieser Falle abermals entkommen.
Begleitet von der untergehenden Sonne näherten wir uns der Nordwestspitze von Martinique. Schon vor einer Stunden hatten wir das Lee der Insel überwunden und waren wieder unter Genua unterwegs. Der Düseneffekt zwischen Martinique und Dominica machte sich schon mit kleineren Böen und einer beträchtlichen Zunahme der Wellen bemerkbar. Da es schon Nacht wurde, entschieden wir uns nur mit der Genua zu fahren. Die Windgeschwindigkeit stieg an und pendelte sich bei 22 bis 24 Knoten ein. Somit refften wir die Genua auf ca. 60 Prozent ein, aktivierten das Radar und bereiteten uns auf die Nachtfahrt vor. Wir wollten, wie gewohnt, die Wachen in der Nacht aufteilen, doch dieses mal machte uns das Wetter eine Strich durch die Rechnung. Denn als wir vollends im Kanal zwischen Martinique und Domenica angekommen waren, präsentierte sich uns eine unangenehme 2 Meter Welle von der Seite (wir hatten Halbwindkurs) sowie Windböen bis 30 kn. Auch das Radar hatte keine guten Nachrichten für uns, bauten sich doch Squalls an der Südküste von Domenica auf.
Mit jeder Stunden wurden die Verhältnisse ungemütlicher, doch es erschien ein Silberstreif am Horizont. Die Lichter von Domenica waren zu sehen. Auch unser Navigationsplotter zeigte, mittlerweile war es schon 2 Uhr früh, dass wir mehr als die Hälfte des Kanals hinter uns gebracht hatten. Wir wollten schon den Wachwechsel durchführen, als ein Squall über uns aufzog. Das Radar zeigt deutliche gelbe Flecken, die sich zusehends zu einem dicken Knäuel verbanden. In Anbetracht dessen refften wir die Genua auf 30 %, die Inspiration hielt trotzdem knapp 5 Knoten, denn die Windgeschwindigkeit hatte einen jähen Sprung auf 30 Knoten gemacht und stieg weiter an. Schließlich pendelte sie sich bei 34 Knoten ein, wir hatten mittlerweile nur mehr ein Handtuch großes Stück Segel draußen. Das Meer tat seines zu dieser Situation in dem es Wellen von bis zu 3 Meter Höhe gegen die Inspiration knallen ließ. Böen mit bis zu 40 Knoten ließen das Rigg singen, doch die Inspiration fühlte sich in Ihrem Element. Einzig die Crew sprühte nicht vorn Begeisterung, denn mittlerweile hatten die Squalls ihre Schleusen geöffnet und wir fühlten uns wie mit dem Cabrio in der Waschanlage. 2 Mal hatte ich schon mein triefend nasses Gewand gewechselt und schließlich entschieden, dem Wetter in der Badeshort zu trotzen, denn es war nicht kalt, einfach nur naß, so richtig naß!
Auch unser Wachplan war dahin. Wir waren beide stets bereit Mr. Breezzy abzulösen, falls dieser von den Verhältnissen überfordert worden wäre, doch das war nicht der Fall. Nur kleine Korrekturen waren nötig. Irgendwann starteten wir den Motor, um mit mehr Geschwindigkeit dieser Waschküche zu entkommen, was uns bei Tagesanbruch auch gelang. Wir hatten die schirmenden Küste von Domenica erreicht. Da ich kein bisschen müde war, legte sich Manuela hin um die verdiente Ruhe zu genießen, während ich im Cockpit den beginnenden Tag begrüßte und die wilde Küste von Domenica bestaunte.

Manuela war gerade einmal eine halbe Stunde in der Koje verschwunden, als ich auf eine eigenartige Erscheinung, steuerbord voraus, aufmerksam wurde. Wasserdunst stieg plötzlich von der Wasseroberfläche auf. Ein, zwei Minuten später wiederholte sich das Phänomen und mir wurde klar, welches Wunder ich hier gerade bestaunte. Ich stürzte hinunter in die Koje und weckte die wohl gerade eben eingeschlafene Manuela. Bevor sie ob des etwas unsanften Wachrütteln etwas sagen konnte, rief ich freudestrahlend : „Wal voraus“. Wenige Sekunden später waren wir beiden an Deck. In vorsichtiger Fahrt näherten wir uns dem vermeintlich schlafenden Ozeanriesen. Dieser Koloss war noch im Wachstum, sozusagen ein Teenager und doch schon von stattlicher Größe. Wir hielten einen großen Sicherheitsabstand und doch hatten wir den Wal geweckt, den er setzte sich Luft und Wasser prustend in Bewegung. Schließlich hob er sein Kopf und Maul aus dem Wasser, um sogleich zu tauchen, doch zuvor präsentierte er uns noch seine Fluke in voller Pracht, bevor auch diese in der Tiefe verschwand. Ich hatte bei anderen Gelegenheiten schon Buckelwale gesehen und dieser hier war definitiv keiner dieser Art. Es handelte sich meines Erachtens um einen Pottwal. Durch dieses großartige Erlebnis war die vorangegangene, stürmische Nacht schon wieder vergessen und kaum mehr ein Thema beim Frühstück. Die Sonne ging auf und die Inspiration bahnte sich ihren Weg gen Guadeloupe.



Obwohl wir laut den Vorhersagen mit seitlichem Wind (Halbwind von Steuerbord) rechnen konnten, kam es wieder einmal anders. die Topografie der Inseln kanalisierte den Wind, sodass wir hart am Wind segeln musste. Schließlich hatten wir den Wind vollends von vorn, man sagt „auf der Nase“, was uns uns zwang, die letzten Meilen zu motoren. Am frühen Nachmittag erreichten wir die „Ilets des Saints“, eine wunderschöne, zuweilen abenteuerlich anmutende Inselgruppe südlich von Guadeloupe, politisch zu eben dieser gehörend. Unsere Herbergssuche führte uns zwischen den Inseln durch, um letztendlich auf der nordöstlich gelegenen Insel „Terre du Haut“ in der Bucht „Anse Galet“ unseren Anker zu setzen. („Anse“ bedeutet soviel wie Bucht oder Strand.)
Am Ankerplatz unserer Wahl betrug die Wassertiefe rund 10 Meter und so konnten wir erstmals unsere verlängerte Ankerkette ausnutzen. „Schnell“ waren 50 Meter Kette zu Wasser gelassen und der Anker eingefahren.
Das Ankermanöver folgt immer dem selben Ablauf. Zuerst schauen wir, mit welchem Ankergrund wir es zu tun haben. Sand oder Schlammboden sind super, Sand mit Seegrasbewuchs ist „so lala“ und Felsgrund mögen wir gar nicht. Hier, in der Anse Galet fanden wir Sand vor und ein schneller Check der Seekarten führte zur Erkenntnis, dass hier auch keine Unterwasserkabel lagen. Als nächstes fahren wir an den Spot der Wahl (in sicherer Entfernung zu anderen Yachten sowie zu Untiefen und dem Ufer), stellen das Boot in den Wind (also mit dem Bug gegen den Wind) und stoppen ab. Kurz bevor das Boot ganz steht, beginnen wir den Anker samt Kette abzulassen und gehen in de Rückwärtsgang. Durch die Rückwärtsfahrt des Schiffes legen wir die Kette aus, nachdem der Anker auf dem Grund zu liegen kam. Ist die gewünschte Kettenlänge erreicht, geht die Maschine in den Leerlauf und das Boot richtet sich wieder so aus, dass der Bug im Wind steht. Jetzt fahren wir wieder Rückwärts, wir „fahren“ den Anker ein und überprüfen dessen Halt mit 1500 bis 2000 Umdrehungen pro Minute, sowie Peilungen ans Ufer, ob das Schiff die Position hält. Wenn es die Wassertiefe und Sichtweite erlauben, schnorchle ich noch zum Anker und überprüfe ob er sich so richtig gut eingegraben hat.
Neben uns lag ein Schiff der französischen Marine, welches uns jedoch in der darauffolgende Nacht verließ. Schnell war der köstliche „Cuba Libre“ von Manuela in professioneller Manier gemixt. Wir ließen die Erlebnisse der Überfahrt Revue passieren und genossen die warme Abendsonne.

Am nächsten Morgen ließen wir unser Beiboot zu Wasser, um in die gleichnamige Hauptstadt der Insel zu „düsen“. Wir wollten uns den Stempel auf unsere bereits Online ausgefüllte und mit unserem Bordrucker zu Papier gebrachte „Clearance“ im Harbour Captains Office holen. Seit Barbados neigte unser Dinghy, welches sein Dasein in den der Reise vorangegangen Jahren im Erdkeller gefristet hatte, Wasser aufzunehmen. Da es ein Schlauchboot mit 3 Kammern war, bestand nie die Gefahr des Sinkens und doch hatten wir mittlerweile eine beträchtliche Menge Wasser zu unseren Füßen. Schnellere Motorfahrt sorgte zwar dafür, dass das Wasser am Heck hinausgesaugt wurde, doch floss das Nass genau so schnell wieder nach, sobald wir die Geschwindigkeit verringerten. Kam das Wasser bisher nur an den aufgegangen Verklebungen bei der Motorhalterung herein, schickte sich unser Dinghy an, auch am Bug undicht zu werden. Irgendwie hatten wir das Gefühl , weniger mit einem Dinghy als mit einer mobilen Badewanne unterwegs zu sein. Dennoch schafften wir es nicht ganz trockenen Fusses ans Dinghydock.
In der App „NoForeignLand“ war zu erfahren, dass das Büro der Hafenverwaltung im Gebäude einer Bar gelegen war und so machten wir uns auf die Suche nach eben jener. Zu unserer Überraschung war das Captain’s Office nicht im Haus der Bar, nein, es war die Bar selbst. Die Wirtin holte ihre Stempel heraus und bestätigte hochoffiziell unsere Einreise, um sogleich ebenso „offiziell“ eine Bearbeitungsgebühr von 5 Euro in Rechnung zu stellen. Zufrieden mit der ungewöhnlichen, jedoch erfreulich unkomplizierten Abwicklung streiften wir weiter durch die Stadt und endeten nach der Erledigung der obligaten Lebensmitteleinkäufe in einer typischen Karibikbar bei Mojito und Cuba Libre.


Einige Tage später verlegten wir unseren Liegeplatz in eine, auf der Nordseite gelegene Ankerbucht, fernab vom Trubel rund um die Hauptstadt. Es sollte sich herausstellen, dass dies unser Lieblingsplatz werden sollte, an dem wir eine ganze Woche das karibische Inselfeeling genießen sollten. Am südlichen Ende der Bucht befand sich ein kleines , feines Restaurant, in dem wir im Schatten von Palmen feinen Fisch genossen. Täglich überflog uns eine Formation von französischen „Rafale“ Kampfjets, wobei wir beim ersten Überflug als einziges Boot in der Bucht durch „Flügelwackeln“ begrüßt wurden. Nach einigen Tagen gesellte sich eine kleine, französische Yacht zu uns, welche zwischenzeitlich immer wieder von 6 jungen Leuten bevölkert war.




Eines Nachmittages, der Wind hatte wie fast täglich auf Südost gedreht, schien sich das vor Anker liegende Boot der Franzosen zu bewegen, obwohl niemand an Bord war. Nach längerer Beobachtung erkannten wir, dass der Anker der kleinen Yacht wohl nicht mehr hielt und langsam über den Grund rutschte. Dies hatte zur Folge, dass das Boot auf einen alten Anleger zutrieb. Wir nahmen mit der Coast Guard Kontakt auf, worauf diese mich ersuchte, die Daten des Bootes (Name, Registrierungsnummer, Typ) zu erfassen. Kurzum ruderte ich hinüber und sammelte die gewünschten Daten. Die Yacht lag mittlerweile längsseits an dem verfallenen Pier. Glücklicherweise befand sich genau dort ein Haufen alter, aufgegebener Fischernetze, welche verhinderten, dass sich das Boot in der aufkommenden Dünung selbst beschädigte. Zurück an Bord gab ich die Daten der Küstenwache durch worauf wenig später die Eigner zu ihrem Vagabunden gerudert kamen und den Schaden begutachteten. Abgesehen von ein paar oberflächlichen Schrammen wurde die Schraube des Motors ramponiert. Dennoch schafften es die Jungs, den Anker erneut zu setzen und den Propeller wieder fit zu machen. Glück gehabt!
In der Bucht war es herrlich zu Schnorcheln. Die verfallene Pier bot vielen bunten Riff Fischen ein Heim, ich meinte auch einen Schlangenaal gesehen zu haben. Nahe unserem Liegeplatz befand sich ein Metallkasten am Grund, welcher als Verankerung für eine Boje gedacht war. Der Kasten beherbegrte einige Langusten, leider zu klein für den Verzehr. Weiter hinten in der bucht lagen 2 Schiffswracks, oder das, was die Gezeiten davon übrig gelassen hatten. Dennoch waren sie mit Schnorchel und Taucherbrille ganz gut zu erkunden. Eine Schildkröte graste auf den Wiesen neben dem tiefer gelegenen Wrack. Auf der Rückfahrt vom Restaurant entdeckten wir einen sich sonnenden Leguan auf einem unter einem rießigen Kaktus gelegenen Felsbrocken. Fantastisch! So, als ob man eine Naturdoku nicht nur schaut, sondern mitten drin ist.
Nach einer erholsamen und entspannten Woche war es an der Zeit aufzubrechen, den die nächste exotische Insel wartete schon, Guadeloupe. Wir segelten mit gutem Wind auf die, wegen ihrerer besonderen Form so genannten Schmetterlingsinsel und fanden Quartier in der Marina „Rivere de Sense“, weit südlich an der Westküste gelegen. Die letzten Meilen hatten es in sich. War der Wind bisher mit moderater Stärke von Südosten gekommen, hatte er nun auf Ost gedreht und ordentlich aufgebrist. Die hohen, steil abfallenden Berge sandten uns eine Böe nach der anderen. Mit stark gerefften Segeln kämpften wir uns vor die Marina, um durch eine winzige Einfahrt in den Schutz der Wellenbrecher zu gelangen. Der uns anfangs zugewiesene Liegeplatz entpuppte sich für mich nicht befahrbar, da es in der Gasse eng und auch nicht besonders tief war. Kurzerhand bekamen wir einen besser gelegenen Platz an der Hauptpier, gleich gegenüber der Einfahrt, sowie der Tankstelle.

Als wir gemütlich am Sundowner (meist ein Cuba Libre oder Gin Tonic) schlurften, hörten wir plötzlich ein kräftiges Platschen, genau so als ob jemand von den Nachbarbooten ins Wasser gefallen wäre. In Baywatch Manier a’la Mich Buchanan (David Hasselhoff) und C.J. Parker (Pamela Anderson) machten wir uns zum Sprung bereit, als wir feststellen mussten, dass der Urheber des Platschens wohl kaum einer Rettung bedurfte. Denn während wir die Oberfläche der Marina Einfahrt absuchten, erschall schon das nächste Platschen, gefolgt von einem noch Lauteren. Tatsächlich handelte es sich um Pelikane, welche sich aus zehn bis zwanzig Meter waghalsig auf ihre Beute stürzte, die dann meist im Kehlsack der Pelikane verschwand. Immer wieder konnten wir in den Tagen auf Guadeloupe dieses Naturschauspiel beobachten.
Ein Thema, dass alle Fahrten- und Weltumsegler beschäftigt, ist das des Mülls. Die Platzkapazitäten an Bord sind beschränkt und der Unrat wird auch nicht wie zu Hause von der Müllabfuhr abgeholt. So beschäftigen wir (meist Manuela) uns oft damit, den Plastikmüll klein zu schneiden um mehr davon in die Säcke zu bekommen. Reste von Gemüse oder dem übrig geblieben Essen (was beim Mähdrescher „Gerhard“ nicht all zu viel war) wandern über Bord, wenn wir Offshore unterwegs sind. Dennoch sammelt sich im Laufe der Tage und Wochen einiges an und will natürlich entsorgt werden. Marinas bieten zu diesem Zweck meist Müllinseln an, welche oft allein durch den Geruch auffindbar sind. Auch das Thema Mülltrennung stößt bisweilen an seine Grenzen, manchmal gibt es verschieden Sammeltonnen, oft gibt es aber einfach nur eine Art Müllbehälter. Wir bemühen uns trotzdem so gut wie möglich zu trennen. Sind wir vor Anker, so „verteilen“ wir unsere Abfallsäcke an die öffentlichen Mülltonnen, möglichst dezent, denn das ist ja nicht der eigentliche Zweck dieser Abfallkübel.
So machte ich mich auch in der Marina „Rivere de sense“ mit den Müllbeuteln auf die Suche. Doch trotz ehrlichem Bemühen gelang es mitnichten, einen Sammelplatz ausfindig zu machen. Ratlos blickte ich in der Marina umher. Meine Freude war groß, als ich zwei einsame schwarze Tonnen entdeckte, interessanterweise vor der örtlichen Tauchschule, welche um diese Morgenstunde noch geschlossen war. Schnurstracks hielt ich darauf zu, während ich mich schon ein wenig wunderte, dass für ca. 50 Yachten nur 2 relativ kleine Tonnen zur Verfügung standen. Bei der Tonne angekommen, öffnete ich diese und stellte beeindruckt fest, dass das wohl die saubesten Mülltonne war, die ich bisher gesehen hatte. Überdies war die Tonne halb mit Wasser gefüllt? Seltsam, es regnete hier zwar am laufenden Band (deswegen Regenwald) aber das so viel Wasser durch den geschlossenen Deckel eindrang? Eigenartig. Während ich noch zögerte, meine Beutel hier zu versenken, kam mein wohl noch schlafendes Gehirn endlich auf Touren. A‘ la Nick Knatterton (Comicdetektiv aus meiner Kindheit) begann ich zu kombinieren: Sauber Tonne + Sauberes Wasser + Tauchschule…. . „Kombiniere! Das sind die Behälter, in denen das Tauchequipment nach den Tauchgängen vom Salzwasser gereinigt wird.“ Na die hätten sich gewundert, wenn da plötzlich mein Müll herum geschwommen wäre. Kichernd kam Manu, welche die Szene von Weitem beobachtet hatte, auf mich zu, um mir mitzuteilen, dass sie natürlich schon wisse wo die Müllinsel gelegen waren (Streber!).
Nach einigen schönen, windigen Tagen brachen wir am Vormittag auf, um die Westküste Guadeloupes zu erforschen. Wir hatten uns für eine Bucht entschieden die sich vielleicht 15 oder 20 Seemeilen nordwestlich von der Marina „Rivere des Sense“ befand. Selbige versprach ruhiges Ankern vor tropischer Kulisse. Eben jene fanden wir auch vor, doch waren wir nicht alleine hier. Mehrer Boote hatten schon ihren Anker gesetzt und so war im Innersten der Bucht, jenem Bereich, der gut vor Wind und Wellen geschützt war, kein Platz mehr für uns. Der Versuch am äusseren Rand der Bucht zu Ankern schlug fehl, da das Grundeisen nicht greifen wollte. Es schien Vorsehung zu sein, denn irgendwie gefiel es uns hier nicht besonders. Die „Navily APP“ wies in der nächsten, unmittelbar angrenzenden Bucht ebenfalls einen Ankerplatz aus, welcher links und rechts von teils aus dem Wasser ragenden Riffen gesäumt war und für uns deshalb nicht sonderlich attraktiv war. Wir setzten unsere Fahrt gen Nordwesten fort, um wenige Meilen weiter wieder eine Bucht zu finden. Atemberaubende Dschungellandschaft, angenehme Wassertiefe mit abfallendem Sandgrund und guter Schutz vor dem Wind lockten uns. Der Blick in die Apps offenbarte uns, dass das nicht als Ankerplatz ausgewiesen war. Doch in diesem Fall vertrauten wir unserm Instinkt, rangierten an den ausgelegtem Fischreusen geschickt vorbei und ließen unseren Anker mitten in der kleine Bucht in sechs Meter Wassertiefe fallen. Gleich beim ersten Versuch grub sich eben jener tief in den Sand. Mit ausreichend Kette (fast 40 m) hingen wir fest und sicher und vorallem ganz allein. Wiedereinmal machten wir wie schon so oft in Kroatien die Erfahrung, dass es abseits der bekannten Plätze am Schönsten sein kann.


Wir blieben mehrere Tage und auch wenn immer wieder Yachten und Katamarane in unsere Nähe kamen, ließ sich keiner hier nieder. Das war wohl der Tatsache geschuldet, dass diese bezuabernde Bucht relativ klein und die Inspiration genau in der Mitte platziert war. Wir taten dies nicht mit der Absicht, möglichst viel Platz zu verbrauchen, sondern eben wegen der nicht sehr üppigen Distanz zu den felsigen Uferbereichen. Den Nebeneffekt, dass somit kein Anderer mehr wirklich sicher liegen konnte, nahmen wir aber doch mit der Aussicht auf einsame Tage genüßlich hin. Hier hatte ich die Gelegenhit, meine neu erworbene Harpune auszuprobieren. Diese haben wir im Marinashop erstanden, da das Fischen mit der Schleppangel seit Barbados keinen Erfolg mehr gebracht hatte. Gleich wie im ersten Buch des berühmten österreichischen Meeresbiologen Hans Hass „3 Jäger auf dem Meeresgrund“ machte ich mich mit der Harpune bewaffnet auf den Weg in das Riff. Das Spannen der Harpune hinterließ auf meiner Brust einige Blessuren, weswegen ich fortan nur noch mit Neoprenanzug auf die Jagd ging. Das war auch aus einen weiteren Grund von Vorteil. Schnorchelnd jagte ich meist in geringer Wassertiefe, was gleichbeutend war mit einer gewissen Nähe zum Ufer. In der mitunter heftigen Brandung kam ich schon mal in Kontakt mit den Rifffelsen, welche in diesen geringen Tiefen oft die Heimat von Seeiglen waren. So gesehen konnte ein zusätzlicher Schutz nicht schaden.
Anfangs fiel es mr schwer, etwas zu treffen, doch schließlich waren meine Bemühungen von Erfolg gekrönt, auch wenn das „Schuss zu Treffer – Verhältnis“ keine weitereErwähnung verdient hatte. Zwei Riff Fische mittlerer Größe konnte ich erlegen. Zurück an Bord nahm sich Manuela sofort in professioneller Manier der Beute an und beförderte sie flugs in die Pfanne. Ein gar köstliches Mal sollte diesen Tag beschließen. Man muss hier etwas vorsichtig zu Werke gehen, denn in der Karibik häufen die Riff Fische durch das Abnagen einer Alge ein Nervengift an, welches die Krankheit „Ciguaterra“ auslösen kann. Das ist eine mitunter schmerzhafte Nervenerkrankung für die es eigentlich keine Therapie gibt, man kann die Symptome nur aussitzen und hoffen dass sie bald vorübergehen. Daher empfiehlt es sich, nur kleine Fische zu fangen/jagen, sowie auf die größeren Räuber wie zum Beispiel den Baracuda am Riff zu verzichten. diese Raubfische häufen im Laufe ihres Lebens größere Mengen dieser giftigen Substanz in ihrem Muskelfleisch an. Die lokalen Fischerei-und Gesundheitsbehörden informieren darüber, welche Fische in welcher Größe und welche Fische gar nicht zum Verzehr geeignet sind.
Schließlich war die Zeit gekommen, von diesem schönen Fleckchen Erde Abschied zu nehmen, denn am Horizont lag ein besonderes Eatppenziel. „Deshaies“. Für uns persönlich ganz besonders, denn hier wurde die englische Krimiserie „Death in Paradise“ gedreht, welche auf der fiktiven Insel Saint Marie spielte. Als große Fans dieser Serie war „Deshaies“ der Ort in der Karibik vom dem wir träumten und welcher in unserer Vision der Weltumsegelung der erste „Place to be“, das erste Etappenziel war. (Die Etappenziele unserer weiteren Reise sind : der Panama Kanal, Französisch Polynesien, Australien, Cocos Island, Seychellen, Kapstadt, Azoren, Gibraltar Kroatien).



Wir kamen mit großen Erwartungen hierher und wurden nicht entäuscht. Schon das Einlaufen in diesen Naturhafen mit dem Blick auf „Honore“ , eigentlich Deshaies, ließ unsere Herzen höher Schlagen. Wir fanden einen guten Ankerplatz in 10m Meter Wassertiefe, machten das Dinghy klar und brausten ans Ufer. Der Dinghysteg, an dem die Hauptprotagonisten oft ein Feierabend Bier genossen, „Catherines Bar“ in welcher die Komissare oft dinierten oder dass zum Filmset umgestaltete, frührere Polizeirevier versprühten das Feeling und den Charme der geliebten Fernsehserie. Zu einem späteren Zeitpunkt besuchten wir diesen Ort nochmals mit unserer zu Besuch gekommen Familie und wieder spürten wir die gleiche Faszination. Es ist wunderbar, wenn sich Erwartung so einzigartig erfüllen.
Unsere Reise führte die Inspiration noch einige Meilen nordwärts, nachdem wir einige wunderbare Tage in Deshaies verbracht hatten. Der Strand vor dem wir die Yacht auf sieben Meter Wassertiefe verankerten war atemberaubend schön und wild. Tosend brachen die Wellen auf das relativ steil abfallende Sandufer. So faszinierend das vom Schiff aus zu beobachten war, so tückisch war es, mit dem Dinghi durch diese Brandung zu manövrieren. In weiser Voraussicht hatten wir nur die Badesachen an, den wir rechneten nicht damit, trockene Fusses an Land zu kommen. Trockenen Fusses sowie so nicht, da unser Dinghy wie schon erwähnt eher eine schwimmende Badewanne als ein trockenes Beiboot war. Wir suchten uns eine Stelle am Strand, an der die Wellen sanfter anzukommen schienen und es sah so aus als kämen wir perfekt zum Strand. Beide hüpften wir wenige Meter vor dem Ufer ins knöcheltiefe Wasser, um das Beiboot an seinen seitlichen Leinen ins trockene zu Befördern. Wie aus dem nichts baute sich 30 Meter hinter uns eine Welle auf. Der hinterlistige Ozean hat scheinbar nur darauf gewartet, dass wir in seine Falle tappten und diese schnappte jetzt zu. Eine ca, 1,2 Meter hohe Welle brauch unmittelbar hintern er uns . wir standen da wie begossene Pudel, unfähig an Land zu gehen, da der Rückstrom einen derartigen Sog erzeugte, dass wir Mühe hatten auf den Beinen zu bleiben . Und schon kam die nächste Welle. Schließlich schafften wir es doch an den Strand, platzierten das Dinghy weit genug entfernt vom Wasser und verbachten wundervolle Stunden an diese herrlichen, kaum frequentierten Strand. Für den Rückweg warteten wir auf eine passende Gelegenheit. Mit laufendem Motor schob ich das Beiboot samt Manu in hüfthohes Wasser, bugsierte mich so elegant wie es mir möglich war, walrossähnlich ins Boot, legte den Gang ein und sauste aus der Brandung hinaus. Geschafft!


Wir verbrachten noch einige Tage und Nächete hier, bevor wir unseren Bug wieder gen Südosten richteten. Die Familie war auf dem Weg nach Guadeloupe. wir freuten uns schon und sollten einige tolle Wochen mit unseren Lieben verbringen. Auf dem Weg konnte ich beim Schnorcheln noch einen majestätischen Adlerrochen entdecken. Schließlich trafen wir in der in der Hauptstadt gelegenen Marina „Bass du Fort“ ein, wo die Inspiration die nächsten Wochen liegen sollte. Wir hatten eine unfassbar schöne Zeit mit der Familie und konnten gemeinsam die Insel erkunden. Wie die Wochen mit Familie und Freunden gewesen sind, lest ihr in einem später folgenden „Sonderbeitrag“ Hier geht es bald weiter mit unserer Abreise aus Martinique und unserer wunderbaren Zeit in den Grenandinen, wo wir uns aktuell befinden.









Bis Bald ihr Lieben!
Gerhard und Manuela!
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