Der letzte Monat, genauer gesagt die vergangenen 5 Wochen, war Besuchszeit bei der Crew der Inspiration. Zuerst trafen wir meine Eltern, Maria und Walter, Tante Sissi und Onkel Erich sowie Eva und Peter auf Guadeloupe. Wir verbachten wunderschöne Tage gemeinsam, ein Vergnügen, dass wir bei aller Abenteuerlust schon vermisst hatten. Darauf folgte ein legendärer Segeltörn mit meinen besten Freunden. Wir charterten einen 54 Fuß Katamaran auf Martinique und waren einen Woche in diesen wunderbaren karibischen Gewässern unterwegs, während Manuela „schöner Wohnen“ auf der Inspiration hatte, welche sicher vertäut in der Marina „Le Marin“ lag. Schließlich gab sich noch meine Cousine Christine die Ehre und kam für eine Woche an Bord der Inspiration. Wir hatten zu Dritt einen fantastischen Törn entlang der Westküste von Martinique, mit viel Spaß, sonnigen Stunden und auch einen Fisch an der Angel sowie dann in der Pfanne. Herrlich!!!
Schließlich war es Zeit, auch Christine wieder nach Hause zu verabschieden. Wir setzten sie in Fort du France, wo die Inspiration mittlerweile vor Anker lag ab und übergaben sie in die treusorgenden Hände meines lieben Freundes Armin, welcher an den Männertörn noch eine Woche mit der Familie angehängt hatte. Wir, nun wieder in der original Besetzung, machten uns auf den Weg in die Stadt, um unsere Vorräte aufzubessern. Der „Caribbe Price Supermarket“ entpuppte sich zu unserer Freude tatsächlich als ungewohnt günstig. So hörte man unser rotes Wagerl voll beladen durch die Gassen von Fort du France rattern. Vis a Vis vom Supermarkt befand sich der Shipchandler. Dort konnten wir unser Ausreisedokument kostenlos abstempeln lassen. Natürlich kann man einen Schiffsausrüster nicht verlassen ohne das eine oder andere wichtige Ersatzteil für das Boot zu erstehen. Bevor ich mich anschickte, den ganzen Laden aufzukaufen, bugsierte mich Manuela schon aus dem Geschäft. Doch nicht mit leeren Händen, hatten doch die Flaggen von St.Vincent/Grenadines und Grenada, eine Seilrolle und Putzschwämme, sowie ein super Halter für eben diese, der Marke 3M, den Weg in den Einkaufskorb gefunden. Ich hatte also doch fette Beute gemacht!
Unser Rückweg zum Dinghy Dock führte an einer Pizzeria vorbei. Da es schon von weitem so verführerisch duftete, bestellten wir 2 Pizzen „for takeaway“. Die Wartezeit versüßten wir uns mit einem gemütlichen Espresso. Mit den Pizzen im Gepäck kehrten wir auf die Inspiration zurück, dinierten, um im Anschluss den Aussenbordmotor sowie das Dinghy an Bord zu verzurren, denn am nächsten Morgen machten wir uns endlich wieder auf den Weg. Die französischen Übersee Inseln hatten wir nun doch sehr intensiv befahren und wir freuten uns auf neue Horizonte. Um 10.45 hoben wir den Anker, tuckerten aus der Bucht und setzten die Segel. Es sollte eine Mischung aus Segeln und Motoren werden, denn immer wieder kamen wir in Flauten, im Besonderen auf der Rückseite der beiden Inseln (St. Lucia und St. Vincent). Dennoch erreichten wir einen guten Geschwindigkeitsschnitt und hatten Freude, die Inspiration wieder einmal am Wind zu segeln. Da wir über St. Vincent unterschiedliche, vor allem negative Dinge in Bezug auf Kriminalität gehört hatten, ließen wir diese landschaftlich bezaubernde Insel im wahrsten Sinne des Wortes „links“ liegen und begaben uns direkt auf die Grenadineninsel „Bequia“.



Schon als wir in die Admirality Bay auf Bequia einbogen, wurden wir „vertraut“ empfangen, denn ein kleines Fischerboot näherte sich der Inspiration. Der schon etwas ältere Fischer fragte ob wir eine Boje wollen oder lieber vor Anker gehen würden. Obwohl wir uns erst für den Anker entschieden, winkten wir ihn wenige Minuten später nochmals herbei, denn das Ankerfeld war ziemlich voll. Sichtlich erfreut über den kommenden Verdienst lotste er uns zu einer Boje im 3,5 m tiefen Wasser unweit vom Dinghy Dock entfernt. „Barry“ begrüßte uns auf die erfrischende Art, wie wir sie hier oft erleben durfte und verwies auch auf sein Motte, das gleichzeitig der Name seiner kleinen Schaluppe war: „why worry?“. Wir genossen unsere Tage auf Bequia und waren entzückt über den bisher ungekannten Service am Wasser. Hier fuhr man nicht zur Tankstelle, sondern die Tankstelle kam zum Boot. Doch nicht nur das, diese „Mobilen Tankstellen“ waren Multi Service Plattformen. So wurden weitere Dienstleistungen angeboten, wie Wasserlieferung, Eiswürfel und ganz wichtig : Wäschereiservice. Das war auch das erste was wir in Anspruch nahmen. Am Vormittag nach der Ankunft übergaben wir die Wäsche um schon am Nachmittag diese an den Wäscheleinen am Ufer flattern zu sehen.




Als wir ankamen, war es ca.16:00 Uhr. Die Immigration hatte offizielle bis 17:00 Uhr offen und danach ist, wenn das Büro überhaupt besetzt sein würde, eine „Overtime Fee“ eine Strafgebühr für zu spätes Erscheinen fällig. Andererseits hatten wir gelesen, dass die lokalen Behörden das sofortige Einklarieren sehr ernst nahmen. Wir fragten Barry um Rat und seine Antwort war simpel, wie sein Motto: „Do it tomorrow, Just say, you arrived way after 6 PM, why worry mate ?“Dem war nichts hinzu zufügen. Wir setzten also die gelbe Quarantäneflagge und machten uns daran, den Sundowner zu schlürfen. Plötzlich bog ein schwarzer Zodiac (größeres, leistungsstarkes Schlauchboot) mit Getöse buchstäblich um die Ecke, besetzt mit drei grimmig dreinblickenden Zollbeamten. Das Boot stoppte unmittelbar an unserer Steuerbordseite ab und der Offizier am Bug des Zodiac fragte freundlich aber bestimmt, wo denn unsere Gastlandflagge sei. Mittlerweile stand die Uhr auf kurz vor 5 PM. Ich nahm die bereitliegende Gastlandflagge zur Hand und antwortete dem Officer, dass wir der Meinung waren, wir dürften diese Flagge erst setzten, wenn wir die Clearance gemacht hätten. Natürlich endete ich meine Antwort mit dem obligaten „Sir“! Darauf hin fragte dieser, wann wir den angekommen seien. Ich sah Manu an und wir dachten beide an Barrys Empfehlung. Schließlich gab ich zur Antwort, dass wir vor ca. 15 min angekommen waren, was nicht ganz den Tatsachen entsprach, aber nahe dran war. Der Offizier verlieh seinem Antlitz eine ernste Miene, blickte auf seine Uhr und sagte: „Immigration closes in 10 minutes, do it tomorrow, sir and put the flag up“ Diese Worte waren gesprochen und schon brauste das Zodiac unter Vollgas davon. Puh! Glück gehabt, denn die Strafen für eine Verletzung der Zoll//Immigrationsvorschriften konnten richtig teuer werden (1000-5000 USD). Jetzt mundete der Sundowner beziehungsweise dessen erneute Füllung umso besser.

Hatten wir uns schon gefreut, dass wir außerhalb der französischen Überseequartiere wieder etwas günstiger proviantieren könnten, wurden wir in mehrerer Hinsicht auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Einerseits war das Warenangebot deutlich geringer als auf Martinique und andererseits waren die Preise wohl geringer, doch in sehr überschaubarem Ausmaß. So deckten wir uns so ein, dass wir vier oder fünf Tage versorgt waren. Wir hatten ja schließlich noch Reserven in Konservenform in den Katakomben des Bootes gebunkert. Schließlich kam noch die nette Wäschedame mitsamt kleiner Tochter und füllte sowohl unseren Wasser-als auch unseren Dieseltank auf. Wir setzten unserer Reise fort, nächstes Ziel war die Insel Mystique.



Über Mystique war Unterschiedliches zu Erfahren. Viele Kommentare rieten von einem Besuch ab, denn Mystique war das erklärte Paradies so manchen Superstars und somit nicht uneingeschränkt zugänglich. Es war die Rede von bewachten Stränden und Securities, die verhinderten dass man den opulenten Villen zu nahe kam. Wir nahmen das in Kauf, wollten wir ohnehin nur in der Hauptbucht für einige Nächte vor Anker gehen. Nach einer wunderbaren Halbwind Überfahrt liefen wir am späten Nachmittag in die Brittania Bay ein. Wir sahen dass hier Bojen ausgelegt waren und versuchten mit dem Harbourteam über Funk in Verbindung zu treten, doch wir vernahmen nur das Hintergrundrauschen des Äthers. Manu erblickte ein Boot mit Kurs Inspiration. Es entpuppte sich als das Boot der Bojenverwaltung. Bernhard begrüßte uns herzlich im Paradies und fragte, wo wir denn liegen wollten. Da wir unentschlossen waren, empfahl er eine Boje nahe dem südlichen Ufer, wo wir sicher waren und ruhige Nächte verbringen sollten.
Bernhard informierte uns darüber, dass die Boje hier für Boote bis 70 ft (2 mal die Inspiration) 85 USD kosten würde, wir aber 3 Nächte liegen könnten. Weiters wurden wir über Restaurants , Einkaufsmöglichkeiten und Ausflüge informiert. Mit dem Hinweis, dass wir uns gerne melden sollten, wen wir was benötigen würden, verabschiedete er sich mit dem obligaten „Welcome in Paradise“.
Der Liegeplatz war wirklich fantastisch. Erstmals hatten wir dieses schöne hellblaue Wasser unter dem Kiel, die Aussicht war grandios und es war, was den Seegang anbelangte, tatsächlich relativ ruhig hier. Waren wir Anfangs noch von anderen Booten umringt, sollten wir einen Tag später fast alleine im Bojenfeld liegen. Schon bei der Ankunft durchforsteten wir diverse Webseiten, um zu erfahren, welche Berühmtheiten hier residieren könnten. Allen voran war Mick Jagger, von dem gesagt wurde, dass er des Öfteren in der unweit von unserem Liegeplatz gelegenen „Basils Bar“ anzutreffen war. Wir erfuhren, dass neben dem Rolling Stones Frontman auch Bryan Adams und Tommy Hilfigger Anwesen besaßen und dass auch die Royal Familiy hie und da auf der Insel zu Gast war. Doch das war nicht der Grund, die Insel zu besuchen und zumindest ich würde die Stars gar nicht erkennen, selbst wenn sie einen Meter neben mir stehen würden.




Scheinbar gingen unsere Trinkwasservorräte zur Neige. „Scheinbar“deswegen, denn nachdem wir im örtlichen Supermarkt für wirklich teures Geld Wasser in 5 Liter Gebinden erstanden hatten, fanden wir an Bord doch noch Vorräte im Ausmaß von ca. 20 Liter. Das Wasser, dass wir trinken oder zum kochen verwenden kommt ausschließlich aus steril verpackten Gebinden, also Wasserflaschen die wir im Supermarkt kaufen. Wir haben zwar auch einen 150 Liter Wassertank und weitere 70 Liter in Kanistern, doch dieses meist in der Marina gebunkerte Wasser verwenden wir nur zum Waschen oder abwaschen. Man könnte dieses Wasser auch trinken, doch wollen wir hier kein Risiko eingehen. Mittlerweile fangen wir auch an Regenwasser als „Brauchwasser“ zu sammeln, was ganz gut funktioniert. Das auch auf unserem kleinen Boot so manches verschwindet um später überraschend zum Vorschein zu kommen, ist schon mehrmals passiert. Das sich aber 20 l Wasser verstecken konnten, war uns neu. Möglicherweise war doch der Pumuckl (Klabautermann) bei uns eingezogen.
Der Ausflug an Land zwecks Einkauf hatte sich gelohnt, denn auf Mystique wurde wirklich auf das Ortsbild geachtet. Die Häuser und Gärten waren liebevoll gestaltet, es war sauber und die kleine Wege zwischen den Gebäuden entzückten uns genauso, wie die Landschildkröten, die man an allen Ecken hier finden konnte. Weniger entzückend waren die Preise im Supermarkt, denn die schienen dem hier immer wieder wohnenden Promipublikum angepasst. Wir hatten auf unserer Reise noch nie so wenig für so viel Geld bekommen. Andererseits hatten wir auch noch nie so ein schönes Dinghy Dock gesehen. Meist machte man das Dinghy an einer mehr oder weniger verfallenen Pier fest, doch hier war dieses aus gutem Holz gezimmert und in perfektem Zustand. Es waren sogar Bretter an der Wasserlinie angebracht, damit das Dinghy nicht unter die Pier treiben konnte, was bei steigen Wasser oft Schäden an dem Boot verursachte.



Südlich von unserer Boje war ein schöner Palmenstrand gelegen. Diesem Strand lagerte ein großes Riff vor, welches ich schon mehrmals mit Schnorchel und Taucherbrille erkundet hatte. So meinte ich auch zu wissen, wo wir durch das Riff zum Strand gelangten. Wir schnappten unser Dinghy und machten uns auf den Weg, umfuhren das Riff großräumig um eine Furt auszumachen, welche wir für die Durchquerung zum Strand nutzen wollten. Ganz der Abenteurer, steuerte ich das Dinghy selbstbewusst durch das Riff, Manuelas Einwände ob dem Riff, dass sie mittlerweile sehr gut unter der Wasseroberfläche sehen konnte, mit einer Handbewegung abzutun, den ich wusste schließlich was ich tat. Was tat ich ? Ich drehte augenblichklich um als sich wenige Sekunden später ein Riff Felsen wenige Meter vor dem Dinghy aus dem Wasser empor hob. Da etwas Wind und Strömung eingesetzt hatte und das Dinghy durch meine Manöver völlig die Fahrt verlor, trieben wir aus der Furt hinaus und hörten wenig später wie die Schraube des Aussenborders sich anschickte, das Riffdach zu vertikutieren (oder das Riffdach die Schraube) Unter prustendem Protest stoppte der Motor und war insofern beleidigt, als er sich sofort wieder starten ließ. Nun sah ich auch das Riff, denn wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche war es gelegen. Willkommen auf dem Riffdach! Bis wir endlich die Ruder aus ihren Halterungen herausbekamen, bangten wir um unser gerade neu erstandenes Schlauchboot, denn die Erfahrung hatte gezeigt, dass sich Gummiboote und scharfe Riffkanten nicht gerade gut miteinander vertrugen. Schließlich bugsierten wir, venezianischen Gondollieren gleich, das Dinghy wieder in tieferes Wasser. Der Aussenborder ließ sich ein wenig bitten, erwachte jedoch wieder zum Leben und schob uns in die blauen Tiefen hinaus, zurück zur Inspiration. Alles gut gegangen, auch wenn mein Abenteurerego sowie der Boden des Dinghies ein paar Schrammen abbekommen hatten.


Für den letzten Abend schickten wir uns an, in der berühmten, seit einem halben Jahrhundert bestehenden Bar eine Cocktail zu schlürfen, heimlich Mick Jagger auflauernd natürlich. Da wir den Strand nicht wie echte Abenteurer erreichen konnten, entschlossen wir uns, vor den Cocktails noch einen Spaziergang dorthin zu machen, so wie es die Landratten – Touristen zu tun pflegten. Als wir an der am Dinghydock angebrachten Leiter hochkletterten, waren wir plötzlich in einen surrende Wolke eingehüllt. Manu wurde sofort von kleinen bissigen Fliegen attackiert, worauf wir fluchtartig das Dock Richtung Strand verließen. Doch auch diese kleinen Biester, glücklich und motiviert eine lohnende Beute gefunden zu haben, taten es uns gleich. sie begleiteten uns an den Strand, und alle Versuche sie loszuwerden schlugen fehl. Es handelte sich um „Sandflies“ Sandflöhe. Ich glaube, wenn man diese Tierchen unter dem Mikroskop vergrößert, sieht man eine Gebiss mit Flügeln. Dennoch schossen wir traumhafte Bilder und lenkten unseren Schritt im Lichte der untergehende Sonne in die berühmte Bar. Wir nahmen auf der Terrasse platz, immer noch eingehüllt von diesen lästigen Plagegeistern. Ich fragte unseren Ober, ob er denn eine Idee hätte, worauf dieser mit einem gezielten Handgriff eine Spraydose zum Vorschein brachte. Wir waren wohl nicht die ersten Gäste mit diesem Problem. Schnell waren Manu und ich in eine Wolke einer Chemikalie eingehüllt, welche sofort ihre Wirkung entfaltete. Wir wollten gar nicht so genau wissen, was wir da gerade versprüht hatten, doch das Ergebnis war beeindruckend, sogleich war es vorbei mit dem Jucken.
Ein wirklich ausgezeichneter Cocktail folgte dem Nächsten und ob der vorgerückten Stunde entschieden wir uns, auch etwas zu uns zu nehmen. Huhn bei Manu, Burger bei mir. Beides mundete vorzüglich, auch wenn die Portionen ausbaufähig waren. Über die Rechnung in der weltberühmten Bar wollen wir hier keine weiteren Worte verlieren, denn es war wunderschön dort und wir genossen den Abend in vollen Zügen. Am nächsten Morgen besorgten wir noch dieses und jenes, bevor wir uns auf die Überfahrt ins Paradies im Paradies, den Tobago Cays machten.


Früh morgens nach einem kleinen aber feinen Frühstück legten wir von der Boje ab, um wenig später unter Segel auf die Tobago Cays zuzuhalten. Die Überfahrt war recht angenehm, da wir den Wind von der Seite hatten und so gemütlich unter mäßigem Geschaukel dahinzogen. Rund um die Cays befanden sich sogenannte Saumriffe. Daher mussten wir bei der Navigation gewissenhaften Ausguck halten. Steht die Sonne hoch am Himmel, kann man die Riffe gut an der brauen Färbung vom Blauen Wasser unterscheiden. Um das erste Riff weiträumig zu umgehen, folgten wir der Empfehlung des Revierführers und näherten uns aus nördlicher Richtung. Zum Zeitpunkt der Einfahrt in das Riffsystem hatten wir die Angel draußen und prompt biss eine Makrele in den Tintenfischköder. Schnell holten wir sie an Deck, denn wir befanden uns schon ein Stück weit im Nationalpark, wo das Fischen untersagt war. Nachdem das Schlachtfeld beseitigt und der Fisch in der Pfanne war, begaben wir uns zu dem Ankerplatz, welcher an der Durchfahrt der Inseln Petit Bateau und Petit Rameau lag.. In feinstem weißem Sandgrund grub sich der Anker fest. Beim Manöver sahen wir sowohl eine riesige Schildkröte als auch den ersten Stachelrochen, beides Tiere für die die Tobago Cays bekannt waren.
Wie üblich wurden wir freundlich begrüßt von einem lokalen Fischer oder Boatboy, wobei „Boy“ dem fortgeschrittenen Alter des Mannes nicht annähernd gerecht wurde. Es folgte eine Einladung zu einem Beachbarbecue . Diese „Geste“ der Gastfreundschaft beinhaltete Essen (Fisch oder Huhn) zu einem Preis von 60 US$ pro Person zuzüglich der Kosten für Getränke. Gelinde gesagt, waren diese astronomischen Preise so gar nicht nach unserem Geschmack und wir vertrösteten ihn auf Sonntag, wobei wir auch da angesichts der Preise und des mangelnden Verhandlungsspielraumes darauf verzichteten. Statt dessen verlegten wir die Inspiration ein Stück weiter an eine Boje unmittelbar hinter dem Horseshoe Riff. Es machte hier keinen Unterschied, ob wir ankerten oder an der Boje lagen, die Nationalparkgebühr war so oder so fällig.


Der von uns gewählte Platz unweit einer richtig kleinen, unbewohnten Insel kam dem, was wir uns unter der paradiesischen Karibik vorstellten schon sehr nahe. Unter uns war blütenweißer Sandgrund, die Inspiration schien bei ruhigem Wasser zu schweben. Einige Bootslängen vor uns hob sich der Untergrund auf ca. 2m Tiefe, nach links und rechts, parallel zum Horseshoe Riff. Beim Schnorcheln begegneten wir auf dieser Sandfläche immer wieder unterschiedlichen Stachelrochen. Wir konnten sie von der Wasseroberfläche wunderbar und ohne Zeitdruck bestaunen, ein Vergnügen das sonst nur Tauchern vorbehalten ist. Neben kleineren Stachelrochen, entdeckten mir große „Kuhnasen Rochen“ und hie und da erhaschten wir einen Blick auf die majestätisch gleitenden Adlerrochen mit ihrem imposanten, den gefährlichen Stachel beherbergenden, langen Schwanz. Schildkröten vielfältiger Größe gaben sich Tag aus, Tag ein die Ehre und auch sonst konnte man so manchen Fisch. sei es Flunder oder Kofferfisch beobachten.
Das Wasser war so warm, dass eine gänzlich ungewohntes Verhalten bei Manuela zu beobachten war. Sie hüpfte ins Wasser und blieb auch dort. Bisher hatte es ja immer ein wenig gedauert, wenn Manuela ins Wasser „sprang“, doch hier verhielt es sich gänzlich anders, denn es war nur noch ein „Platsch“ zu hören und weg war sie. Scheinbar hatten wir nun die „Manu ist eine Wasserratte“ -Wassertemperatur gefunden. Recht so.
Ausserhalb des Hufeisenriffs war eine kleine Insel gelegen, an der ein Teil des Films „Fluch der Karibik“ gedreht wurde. Es war eben jene Szene an der Miss Swan den Rumvorrat von Captain Jack Sparrow verbrannte. Obwohl wir darauf verzichteten, die Insel zu besuchen, denn es wäre ein großer Umweg gewesen und wir hätten einen möglicherweise unsicheren Ankerplatz nutzen müssen, war es faszinierend, diesem Platz nahe zu sein. Diese Faszination wurde dadurch verstärkt, dass eine Superyacht hinter uns den Anker fallen ließ. Dies war nicht irgend eine beliebige Superyacht, sondern ein Drehort der Reality Doku „Below Deck“. In dieser Reality Doku wird das Leben von Yachties und deren exclusiven Gästen gezeigt und erfreut sich auch bei uns großer Beliebtheit. Tastsächlich beobachteten wir, neugierig, wie wir waren, mit dem Fernglas, wie sich Gäste, Crew und Filmteams auf der naheliegenden, kleinen Insel einfanden und ein Insel Picknick veranstalteten. Sehr Cool. Wir freuen uns schon, wenn die Staffel ausgestrahlt wird, denn vielleicht ist auch die Inspiration für einen Sekundenbruchteil zu sehen.





Auch wir besuchten die kleine, unbewohnte Insel, fanden nistende Seevögel, die Flucht ergreifende Leguane, Palmen, weißen Sand und felsige Klippen. Ein wunderbarer Ort, dem es nur an einem wirklich mangelte: Schatten. Nur drei winzige Palmen waren nahe der felsigen Klippe so gelegen, dass sie kaum Schatten spenden konnten. Aus diesem Grund traten wir auch wieder den Rückweg an, denn zu dieser Jahreszeit hat hier die Nachmittagssonne ungeahnte Kraft.
Wir genossen die Tage in den Tobago Cays in vollen Zügen und doch war es irgendwann an der Zeit weiter zu ziehen. Union Island war unser nächste Ziel, den dort konnte man, so hatte ich gelesen unkompliziert Ausklarieren. Wir hatten mittlerweile schon mit einer Werkstätte auf Curacaou Kontakt aufgenommen, um unseren Motor und den Antrieb für den Pazifik fit zu machen. Der Plan war, einige Tage auf Union Island zu verbringen und dann weiter nach Curacao zu segeln, denn wir hatten schon einen fixen Termin für den Bootskran.




Union Island ist jene Insel, welche vom Hurrikane Beryll im Juni 2024 mit am härtesten erwischt wurde. So waren wir auch darauf gefasst, noch Spuren der Verwüstung vorzufinden, doch das Ausmaß, immerhin fast ein Jahr danach“ überraschte uns dann doch sehr. Der Wiederaufbau ist zwar im Gange, doch war Clifton Harbor, dort wo wir an einer Boje lagen, immer noch schwer gezeichnet. Teilweise gab es auf der Insel noch kein fließendes Wasser, täglich sahen wir Pickups mit Wassercontainern aus der Fähre rollen. Manche Einwohner, welche durch den Sturm ihre Häuser verloren hatten, lebten immer noch in Zelten nahe dem Strand. Was mag wohl in diesen Menschen vorgehen, angesichts der Tatsache, dass die nächste Hurrikane Saision in wenigen Wochen beginnen würde?
Wir hatten hier natürlich wieder einen Boatboy, welcher uns ständig mit „MAMA und PAPA“ ansprach. „Welcome in Paradise, Mama ! Everything allright, Papa?“ schall es uns entgegen, wenn er mit seinem Boot an uns vorbei düste. Er geleitete uns an die Boje, war uns beim Anlegen am Dinghi Dock behilflich und bot seine Dienste in Bezug auf einen spätere Betankung an. Ein vermeintlicher Fischer kam vorbei und pries den hausgemachten Bananenkuchen seiner Frau an. Da wir das für eine passende Weise hielten, den Menschen hier ein wenig zu helfen, sagten wir nicht nein, auch wenn der Preis, für den wirklich köstlichen Kuchen herausfordernd war. In der Folge sollten wir noch lernen, dass hier alles wesentlich teurer ist als anderswo, ja sogar kostspieliger als auf der Promi Insel Mystique.
Die Menschen hingegen begegneten uns offen, überraus freundlich und hilfsbereit. So stand uns ein älterer Herr bei, als wir versuchten, den Müllplatz zu finden. Auf der Veranda sitzend beobachtete er uns wie wir immer wieder bei dem vermeintlichen Müllgebäude suchend vorbeihuschten, erhob sich und rief uns zu, dass wir schon richtig seien und den Müll einfach durch die nicht mehr vorhandenen Fenster werfen sollen. Weiters informierte er uns, dass früher mal ein Schild den Zweck des Gebäudes auswies, diese aber durch den Sturm fortgeblasen wurde. Der Einkauf im örtlich Supermakrt gab wenig Anlass zur Freude. Das wir hier nicht das riesen Sortiment finden würden, war uns von vornherein klar, denn wir wussten schon wo wir waren. Dass der Liter abgefüllte Trinkwasser aber 2 US$ kostete, ließ uns mal durchatmen, zumal wir keine Wahl hatten, den unsere Trinkwasserreserven waren erschöpft. Wenig war im Einkaufskorb gelandet und doch bezahlten wir mehr als 200 US$.
Das sich Manuela am Straßenmarkt noch auf die Suche nach Eiern begab, beschloss ich, vollbepackt mit Tüten und Wasser, beim örtlichen Park auf sie zu warten. Manuela verschwand zu meinem Entsetzen am Horizont, ich musste erkennen, dass würde hier länger Dauern und zündete mir eine Zigarette an. Ich stand nicht lange dort, als ein einheimischer mit traurigem Blick an mich herantrat und sprach: „Give me something, give me Money“. Während ich ein Gespräch mit ihm anfing, griff ich den Hosensack und förderte eine paar Dollar zu tage, die ich ihm überreichte. Er erzählte mir von seiner Familie, welche den Sturm nicht überlebt hatte und von seinem zerstörten Haus, dass er sich für das Geld Ziegel kaufen wollte um sein Heim wieder zu errichten und von den Härten dieser Zeiten. Irgendwann fragte er mich, woher ich den kommen würde. Als ich von Österreich und Linz zu erzählen begann, änderte sich seine Ausstrahlung komplett. Stand er vorher eingefallen und mit müdem Blick vor mir, begann er nun zu strahlen. Mit einem breiten Lächeln rief er plötzlich „Attersee, Traunsee, Gmunden“. Es sprudelte aus ihm heraus, dass er auf Einladung von Freunden in unserem Heimatland war, Salzburg und das Salzkammergut kennengelernt hatte und sogar bis an die kroatische Küste mit seinen österreichischen Bekannten gelangte. Er wollte gar nicht mehr aufhören davon zu erzählen. doch irgendwann kam Manuela vergnügt mit Eiern die Straße entlang und wir verabschiedeten uns freundlich von dem Herren, nachdem ich ihm noch den Rest der Dollars aus meinem Hosensack gespendet hatte. Doch das interessierte ihn gar nicht so sehr, denn er war immer noch bester Laune, jemanden aus Österreich getroffen zu haben. Wunderbar.
Zurück an Bord diskutierten wir den ganzen Abend über die Situation dieser Menschen hier, es ließ uns einfach nicht mehr los und so war schnell die Idee geboren, einen Spendenaufruf über unsere Whattsapp Gruppe zu tätigen. Es kam eine Summe zusammen, welche wir dem örtliche Hilfsfond übergeben wollten. Zu diesem Zweck begaben wir uns zu der NGO Nemo, um die Modalitäten herauszufinden. Die Menschen dort waren über Initiative zuerst überrascht und dann sehr erfreut, doch sagten sie uns, damit es vor Ort verwendet werden könne, sollten wir es in Bar übergeben. Es gäbe die Möglichkeit, das Geld an der immer noch improvisierten Bank abzuheben. So schlenderten wir die Straße entlang bis wir zu einem bewachten Container kamen, vor dem sich schon eine im Schatten eines Partyzeltes wartenden Menschengruppe eingefunden hatte. Nachdem alle ihr Geschäft mit der Bank abgewickelt hatten, betraten Manu und ich den klimatisierten Bankcontainer. Mittels Reisepass wies ich nach das ich auch ich war. Obwohl das Gesicht auf dem Passfoto weder langes, wallendes Haar, noch einen Ziegenbart hatte, identifizierte mich der junge Mann am Schalter sofort als authentisch. Beachtliche Leistung.


Mit dem Spendengeld in der Tasche traten wir den Rückweg zur NGO „Nemo“ an, traten erneut ein und wurden prompt gebeten doch Platz zu nehmen und zu warten. Einer Sachbearbeiterin dürfte aufgefallen sein, dass wir ein wenig, sagen wir, irritiert waren, und informierte uns, dass es eine kleine Verzögerung gab, denn die Vorsteherin des Ortes oder der NGO wollte es sich nicht nehmen lassen, persönlich anwesend zu sein. Ich erklärte der netten Dame, dass es sich nicht um eine umfangreiche Summe handelte und dies nicht notwendig sei, doch sie winkte ab und meinte, dass es eine derart nette Geste sei und sie sich sehr freuten. Wenig später arrangierten wir uns für ein Gruppenbild der Übergabe, mit mehreren Handys wurden viele Aufnahmen geschossen.






Nach diesen gelungen Tag gingen wir abends aus. Eigentlich fuhren wir aus, denn wir steuerten unser Dinghy auf eine winzige Insel zu, welche als einziges Gebäude ein Restaurant aufwies. Thompson Island Bar and Grill war unser Ziel, Obwohl wir guter Dinge waren, die Insel trotz der vielen vorgelagerten Riffe zu erreichen, bedurfte es vieler winkender Hände am Steg des Restaurants, damit wir aus dem Labyrinth der Riffe wieder herausfanden. Am Steg angekommen wurden wir freundlichst begrüßt. Nach einem kleine Rundgang auf der Insel nahmen wir auf der Sonnenterrasse platz und genossen die Aussicht. Wir waren die einzigen Gäste, scheinbar sogar die einzigen an diesem Tag. Die Speisen ließen wein wenig auf sich warten, doch gab es wahrlich schlechtere Plätze seinem Nachtmahl zu harren. Wir genossen unsere Cocktails und den schönen Sonnenuntergang. Nachdem uns der sichere Rückweg nahegebracht wurde, machten wir uns auf den Weg zur Inspiration. Was für eine schöne Zeit!

Schließlich nahmen wir Abschied von Union Island und somit auch von den Grenadinen. Nochmals bissen wir in den sauren Apfel und füllten unsere Tanks und Vorräte mit den erheblich überteuerten Gütern vor Ort auf. Die Clearance war schnell erledigt und bald fanden wir uns auf der offenen See wieder. Wir freuten uns auf einige Tage segeln. Unser Kurs war West/Süd/West, unser Ziel die Insel Curacao, denn dort hatten wir bereits einen Termin zum Kranen der Inspiration vereinbart. Dass diese Reise einige Überraschungen bereithielt und nicht ohne Turbulenzen verlief, lest ihr im nächsten Artikel!
Alles Liebe, Manuela und Gerhard!