Curacao – Warten auf Godot!

Am darauffolgenden Morgen begrüßte uns Curacao mit Sonnenschein. Obwohl Sonntag, herrschte in der Werft rege Betriebsamkeit. Vor Allem an einem Ausflugsboot auf der anderen Seite des Beckens, wenige dutzend Meter hinter uns wurde fleißig geschraubt. Werkzeug und Mechaniker fanden den Weg an Bord, begaben sich sofort unter Deck und legten los. Plötzlich hörten wir die Maschine starten und sahen, dass kein Mann im Steuerhaus war, Sekunden später setzte sich das Stahlschiff in Bewegung, immer noch kein Mann am Steuer, die Maschine, dem Lärm nach zu urteilen nicht im Leerlauf, sondern da war Power drauf. Der Festmacher am Bug ächzte und löste sich in seine Bestandteile auf. Der Bug rammte eine kleines Dinghi und zerlegte die Abdeckung des Aussenbordmotors in seine Bestandteile. Mittlerweile ächzte auch die Festmacherleine am Heck. Das Schiff drehte sich in der gespannten Leine vom Pier Weg und hielt seinen Bug bedrohlich auf das Heck der Inspiration zu. Mittlerweile war ein Mechaniker im Steuerhaus angekommen, doch just in diesem Moment zerbarst die zweite Festmacherleine. Die immer noch hoch drehende Maschine setzte das Boot in Bewegung, schnurstracks auf uns zu. Wir konnten die weit aufgerissenen Augen des sichtlich überforderten Mechanikers sehen und kurz nach dem Manuela warnend ausrief „Achtung Festhalten“, rammte sich das Ausflugsboot schon in unser Heck, genauer gesagt in Mr. Breezzy. Obwohl der Mechaniker am Steuer noch zur Besinnung gekommen ist, das Gas rausgenommen und das Steuerrad voll gedreht hatte, ließ sich einen Kollision nicht mehr verhindern. Schock!

Manuela und ich wechselten Blicke um sicherzugehen, dass keiner von uns verletzt war, hatte es doch ziemlich gerumpelt. Anschließend ein kurzer Check des Bootes, scheinbar hatte es nur die Windsteuerung getroffen, sonst war alles intakt. Währenddessen hat die „Expertentruppe“ des Ausflugsbootes selbiges wieder an den Steg manövriert. In unserer Erwartung, dass nun jemand zu uns kommen würde, um zu sehen was passiert war, wurden wir enttäuscht. Einzig ein kurzes „Sorry Guys, the owner will pay“ schallte von dem Boot herüber. Neben anderen Yachties hat auch der Wachmann das Geschehene beobachtet. Als ich ihn bat, die Polizei zu verständigen, teilte mir dieser mit, dass er alles genau beobachtet und schon die Manager der Werft informiert hatte. Sie seinen schon auf dem Weg, teilte er uns mit. Wenig später trat Garret mit uns ins Gespräch, ließ sich alles berichten und meinte, es sei hier sinnlos die Polizei zu involvieren. Ich solle mir keine Sorgen machen, die Marina werde sich um die Reparatur und die Kosten kümmern. Das stellte uns vorerst zufrieden. Wenig später traf auch der Eigner des Ausflugsbootes ein. Er kam zu uns herüber, entschuldigte sich für seine Mitarbeiter und klagte uns sein Leid. Unser Entsetzen über den möglichen Schaden an unser einzigen Steuerhilfe wich der Erleichterung als wir einen Tag später feststellten, dass die Wucht des Aufpralles nur eine Schraube verbogen hatte. Auf dem später folgenden Schlag von Curacao nach Aruba sollte Mr. Breezzy nach dem Tausch dieser Schraube wieder perfekt funktionieren.

Der Schock über das am Vortag Erlebte saß uns noch in den Gliedern, als Andreas der Mechaniker des lokalen Volvo Penta Service Betriebes erschien. Die Inspiration war soeben aus dem Wasser gezogen worden und befand sich, auf Kiel und Stelzen gestellt, am Rande des Werftgeländes. Dankenswerterweise sprach Andreas deutsch. Die Nachrichten die er überbrachte, sollten noch für Ungemach sorgen, doch das konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen. Er teilte uns mit, dass die Ersatzteile, die sogenannten Wellendichtungen noch nicht geliefert wurden. Auf sein Anraten hin hatten wir uns vor Wochen entschlossen, diese aufgrund des Alters der Dichtungen tauschen zu lassen, was auch der einzige Grund war, die Inspiration an Land zu hieven. Eigentlich sollte die Inspiration nur 2 Tage an Land sein und dann mit neuen Dichtungen schon wieder im Wasser schwimmen. Da auch Andreas der Überzeugung war, dass die Ersatzteile an diesem Tag oder spätestens am Nächsten eintreffen sollten, ging er ans Werk, baute den Propeller ab und holte die Dichtungen heraus. Das war der „Point of no return“, denn die Dichtungen konnten nicht beschädigungsfrei entfernt werden. Einmal ausgebaut mussten sie durch neue ersetzt werden, erst dann konnte das Boot wieder ins Wasser.

Ihr könnt euch schon denken, was an diesem Tag und auch am Nächsten nicht eintraf? Die Ersatzteile!

Auf Nachfrage wo sie denn abgeblieben waren, erhielten wir von der Logistikabteilung die unerfreuliche Nachricht, dass in Miami, USA, was schiefgegangen sei und die Teile deswegen retour an den Absender geleitet wurden. Da in Amerika irgend ein Feiertag war, konnte niemand sagen, wo und wann die Teile nochmals versendet werden würden. Somit war die erste Woche, an Land, vorüber, ohne dass wir die Teile hatten. Der Logistiker verbreitete hingegen Hoffnung und Zuversicht, er war sich sicher, dass die Teile am Montag bereits unterwegs wären. Montag, nichts Neues, Dienstag, nichts Neues. Der Logistiker gab sich zerknirscht und meinte, er tue alles was in seiner Macht stünde, doch die Teile wären nicht so einfach aufzutreiben. Da wir es nicht gut leiden konnten zur Untätigkeit verdammt zu sein, ergriffen wir selbst die Initiative. Wir kontaktierten Volvo Penta Niederlassungen in Trinidad und auf St. Maarten. Beide hatten , im Gegensatz zu unserem Betrieb hier, die richtigen Teile auf Lager und würden diese auch per Luftfracht oder Schiff sofort schicken. Wirklich ungehalten darüber, dass das unserem Logistiker nicht eingefallen war, bzw. er sich, wissend um unsere Lage, nicht auf den anderen Inseln erkundigt hatte, wirbelte ich in dessen Büro und machte dort möglichst diplomatisch ein Fass auf. Ich schien entsprechend Eindruck gemacht zu haben, denn er orderte die gewünschten Teile sofort nochmal, rief in meinem Beisein den Logistikpartner in Panama an und siehe da, am Beginn der folgenden Woche waren die Teile da und flugs eingebaut, die Inspiration gekrant und ausgiebig getestet, wurde ja auch am Motor selbst ein umfassendes Service durchgeführt. Nachdem die „Fehler“ in der Endabrechnung beseitigt waren (Statt 8 Liter Motoröl wurden 8 Gallonen verrechnet) und wir einen Rabatt von 10 % für die wirklich lange und von dem Betrieb zu verantwortende Standzeit ausgehandelt hatten, bezahlten wir. Bei einem Sundowner ließen wir die Zeit hier nochmal Revue passieren. Wirklich Schlau wurden wir nicht daraus, doch hatte die Zeit hier auch sehr positive Seiten.

Freitagabend wurde von Melissa, der Sekräterin der Werft, immer ein Barbeque für die in der Werft befindlichen Yachties organisiert. Das war ein sehr nettes Zusammentreffen mit anderen Seglern, welche aus den unterschiedichsten Günden hierher gefunden hatten. Einige ließen ihre Yacht ins Landlager transportieren, um die Hurricane Saison in der Heimat zu verbringen. So lernten wir eine deutsches Paar kennen, welche eben dass mit ihrer Bavaria 46 im Sinn hatten. Abgesehen von der überaus netten Gesellschaft brachte uns das einige wichtige Vorräte ein, wie zum Beispiel Schokolade und Gummibärchen, welche vor dem Abflug noch an Segler wie uns abgegeben wurden. Auf unserem ersten Treffen lernten wir Paul kennen, der seine kürzlich erworbene Yacht, eine Gibsea 42 gerade überholte. Paul war Deutscher, lebte jedoch schon 10 Jahre auf Curacao und entpuppte sich als wirklich sympathischer Typ. Wir sollten in den nächsten Wochen viel Zeit zusammen verbringen, sei es bei Arbeiten auf unseren jeweiligen Booten, beim Einkaufen in Marina-, Einrichtungs- und Supermärkten oder auf Ausflügen in Stadt und Land.

Unser erster Weg führte uns neben dem Supermarkt zu einem aufgelassenen Salzgewinnungsbecken. Die Landschaft rund um das Becken war öd und karg, geprägt von erdigen Farbtönen und dem Grün der Kakteen. Der rosa Farbtupfer in dieser eintönigen Landschaft waren ein echtes Highlight: Flamingos in freier Wildbahn. Wenige Meter von der Straße entfernt stakten sie, den Kopf meist im Wasser versenkt, herum, immer auf der Suche nach kleinen Krebsen. Wie schon so oft auf unserer Reise wurden wir auch hier wieder Zeuge der wunderschönen unberührten Natur.

Auf Curacao nutzen wir die Gelegenheit, in der Hauptstadt „Willemstad“ zu flanieren. Diese Stadt vereint tropischen Flair mit europäischer Kolonialgeschichte. Schon beim einklarieren wurden wir von dem überaus netten Beamten im Customs mittels dreier „Post It“ über die wechselnde Zusammengehörigkeit von Aruba, Curacao und Bonaire aufgeklärt. Nicht, dass ich das hier wiedergeben könnte, war es doch etwas verworren. Auf dem Weg durch die Gassen bewunderten wir die wunderschönen Wandbemalungen erfuhren von „Dushi“ und hatten das Glück, ganz unvermittelt auf eine Harley Davidson Parade zu stoßen. Abends hatten wir das besondere Vergnügen, Sebastian und Verena in der Stadt zum Essen zu treffen. Die Besatzung der Waves hatte uns auf den Cap Verden verabschiedet und uns damals noch mit Waschlappen ausgestattet, einem Accessoire , dass wir nicht mehr missen mochten. Seither waren wir immer einmal in der Nähe des jeweils Anderen, doch hatte sich nie die Gelegenheit für ein Treffen ergeben. Umso schöner war es, sie jetzt wiederzusehen.

Gemeinsam mit Paul erkundeten wir eine Burg und deren Kanonen, ein früheres Quarantänehaus, dass der erste Aufenthalt für Neuankömmlinge war sowie wunderbare Strände.

Einer dieser Strände lud zum Schnorcheln ein und, ich muss sagen, dass war bisher der beste Spot auf dieser Reise. In wenigen Metern Tiefe wartete das Riff mit unzähligen, farbenfrohen Fischen sowie einer kleinen Meeresschildkröte auf. Der Strand hieß Kokomo, war mit Sanitäranlagen und einem Restaurant ausgestattet und ließ die Zeit in dieser wunderschönen Kulisse wie im Flug vergehen.

Nachdem uns Paul zeigte, wo er gewohnt hatte bevor er auf sein Boot gezogen war, besuchten wir noch einen nahegelegenen Strand, welcher, obwohl nicht derart touristisch erschlossen wie Kokomo Beach, dennoch seinen ganz eigenen Charme hatte. Das Highlight hier war zweifelsohne eine Wasser und Futterstation für kleine und mittelgroße Vögel. Alles ist hier in der Karibik bunter, auch die Vögel. Amselartige Vögel, entweder mit gelber oder roter Brust tummelten sich mit bunten Singvögeln um die kleinen Wassertröge. Mitten am Strand befand sich ein exotischer, natürlicher Schattenspender. Es handelte sich tatsächlich um den überaus giftigen Baum, welchen wir schon in einem vorherigen Artikel beschrieben hatten. Ein Schild wies auf die Gefährlichkeit des Baumes hin, ausgehend von den kleinen Äpfeln, aber auch dem herabtropfenden Wasser bei Regen. Diese kleinen hochgiftigen Früchte lagen unter dem Baum verstreut, doch was uns wirklich erstaunte, war, dass die Einheimischen und auch deren mitunter kleine Kinder darunter gemütlich Platz gefunden hatten. Bemerkenswert oder Verrückt? Wir konnten es nicht einschätzen. Es war davon auszugehen, dass die Einheimischen, welche mit diesen giftigen Bäumen aufgewachsen waren, wohl Experten im Umgang mit dieser floristischen Gefahr waren und wir uns als Zugereiste kein Urteil erlauben sollten.

Die Arbeiten an unseren Booten, abgesehen von den fehlenden Ersatzteilen, ging stetig vorn. An der Inspiration installierten wir ein Regenwassersammelsystem, also Regenrinnen mit Schläuchen in Kanister und Tank, wir verstärkten die Bimini (das Sonnendach) und bauten in der Nasszelle Regale ein. Zusammen mit Paul durchforsteten wir die Elektronik seiner Yacht, hauchtem dem Autopiloten neues Leben ein und begannen den Plotter zu verkabeln. Schließlich half ich ihm noch, das Antifouling (Bewuchsschutz unter Wasser) aufzutragen, während Manuela unser kulinarisches Wohl erfolgreich im Auge behielt. Die Tage vergingen und schon war wieder Freitag, das nächste Werftbarbeque und eine unterhaltsame Zeit mit neuen und „alten“ Freunden stand bevor. Als Yachtie hatte der Begriff „alte“ Freunde eine neue Bedeutung bekommen, denn zum Beispiel Ulli und Claudi, Verena und Sebastian und mittlerweile auch Paul zählen zu diesen, obwohl wir in absoluten Zahlen und im Vergleich mit den Freunden an Land wenig Zeit zusammen verbracht hatten. Doch hier, an Bord von Yachten, unterwegs auf den Ozeanen, intensivierten sich diese Kontakte und konzentrierten sich schon nach kurzer Zeit zu einer innigen Freundschaft. Dies hatte wohl auch mit dem allgegenwärtigem Bewusstsein zu tun, dass unsere gemeinsame Zeit endlich war und spätestens mit der Weiterreise vorbei sein würde. Oft Kurz, aber intensiv und schön, so waren diese Begegnung und dass sie in die Tiefe gingen merkten wir daran, dass wir, auch wenn wir tausende Kilometer zwischen uns gebracht hatten, doch über Whattsapp verbunden waren, genauso wie mit den „alten“ Freunden an Land.

Nachdem die Inspiration wieder im Wasser war, spannten wir das Rigg (Masten und Seile) nochmals nach Herstellerangaben nach. Aufgrund der Bedenken vom Masthersteller bezüglich unseres geliebten Genua-segelns, entschlossen wir uns, fortan mehr auf das Großsegel zu setzten, Die Zeit für den Abschied war gekommen, Paul brachte uns mit seinem Mietwagen zu den Behörden. Bei der Einreise sind wir die Strecke gelaufen, ein wahrer Gewaltmarsch in sengender Hitze. Die Behörden lagen hier auf Curcacao wirklich weit auseinander und passenderweise befanden sich die Taxipreise in lichten Höhen. Mit der Aussicht diesen Marathon nicht nochmal antreten zu müssen, freuten wir uns auf das Ausklarieren. Nach einem letzten gemeinsamen Abend mit Paul, vielen guten Wünschen, Freude, wieder auf See zu sein und ein wenig Wehmut ob der Trennung von dem liebgewonnenen Freunden funkten wir Nassau Port Control an und erbaten um Durchlass durch die imposante Schwenkbrücke. Bald darauf setzten wir das Großsegel, schalteten die Maschine ab und brausten in Wind und Strömung auf Aruba zu. Wir brausten diesmal wirklich, denn mit nur einem viertel Segel erreichten wir 7 Knoten und mehr. Die Überfahrt nach Aruba sollte tatsächlich die schnellste Passage auf unserer bisherigen Reise werden, doch davon mehr im nächsten Artikel.

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