Schließlich war es soweit. Wir konnten erneut die Segel setzten und endlich wieder die unendlichen Weiten der See erkunden. Unser eigentliches Ziel war nach wie vor Panama, hatten wir doch schon den Termin für die Kanaldurchfahrt geplant. Unser Neffe Daniel und seine Freundin Sabine würden extra für dieses Event anreisen, um uns als „Linehandler“ bei der Durchquerung des Panama Kanals zu assistieren. Dennoch mussten wir einen „kurzen“ Zwischenstopp in Aruba machen, aus einem ganz banalen aber ebenso bedeutenden Grund. Es war auf Curacao unmöglich unsere „Camping Gaz“ Flaschen mit europäischen Anschlüssen füllen zu lassen. Auf der ganzen Insel gab es, obwohl in Foren vereinzelt anderes behauptet wurde, keine Gelegenheit hierfür. Im Gegensatz dazu auf Aruba schon. Das soll mal jemand verstehen, waren doch beide Inseln irgendwie mit den Niederlanden verbandelt.
Nachdem die Inspiration wieder im Wasser war, vollführten wir eine ausgedehnte Testfahrt mit Andreas, dem Techniker von Volvo. Alles schien bestens zu laufen. auch unser Rigg hatten wir gemäß der Trimmfibel von Selden (Rigghersteller) mittels der Zollstockmethode vermeintlich richtig gespannt. Wir verabschiedeten uns von Paul, welcher uns noch mit den Leinen half, kontaktierten „Nassau Harbour Control“ und erbaten die Öffnung der Brücke, während wir schon gemütlich der Ausfahrt entgegen schipperten. Nach einer kurzen Wartezeit, öffnete sich die Pontonbrücke unter dem schon vertrautem Ächzen und Knarren. Wenige Minuten später tauchte die Inspiration endlich wieder ihren Bug in die Wellen. Schnell waren Großsegel und Genua gerefft gesetzt. Die „Insi“ legte sich auf den Backbord Bug und zog genüsslich dahin. Mittlerweile war es schon spät am Nachmittag. Wir wählten unseren Aufbruch so, dass wir in den frühen Morgenstunden in Aruba ankommen würden.

Flott ging es dahin, der Wind blies mit15 bis 20 Knoten dahin und eine Strömung fast genau auf unserem Kurs tat das ihrige zu unserem flinken Fortkommen. Die Geschwindigkeitsanzeige stieg stetig, um zeitweise lichte Höhen von 9 kn zu erreichen, dass ist für ein 10,5 Meterboot schon sehr beachtlich. So ging es in rauschender Fahrt in die Nacht hinein. Wir verkleinerten die Segelfläche, wie wir es immer für die Nacht taten, doch wurden wir nur unmerklich langsamer, da der Wind unser Reff zum Anlaß nahm weiter aufzubrisen. So durchquerten wir die Wasser zwischen Curacao und Aruba im wahrsten Sinne des Wortes in „Windes Eile“. Nachts war es immer etwas surreal, mit so hohen Geschwindigkeiten zu segeln, denn der Mangel an Sicht lässt die Bootsgeschwindigkeit noch höher erscheinen. Zeitweise kam uns so der „fliegende Holländer“ in den Sinn.
Normalerweise freut sich ein Segler über eine schnelle Fahrt und auch wir taten dies, bis wir bemerkten, dass wir viel zu bald in Aruba ankamen. Früher als erwartet, noch mitten in der Nacht erblickten wir die Lichter der Insel. Ein Blick auf die Seekarte verriet uns, dass es keine gute Idee war, Aruba bei Nacht anzusteuern, waren die Einfahrten in die Ankerplätze doch von Riffen und Untiefen gesäumt. Da die Uhr erst drei Uhr morgens zeigte, mussten wir Wohl oder Übel die Zeit bis zur Öffnung der Behörden hier draußen im Ankerfeld der großen Pötte absitzen. Bei Wachübernahme wies mich Manu auf ein vermeintlich großes Schiff, wohl ein Tanker, hin, dass einige Meilen vor uns vor Anker zu liegen schien. Während Manu sich im unter Deck zur Ruhe bettete, übernahm ich das Steuer und segelte die Inspiration auf dieses Ungetüm zu, denn in dessen Nähe würden wir auf den Morgen warten. Das Radarsignal war irgendwie schwierig zu deuten, machte es doch gar nicht das, was Schiffe normalerweise tun. So beschloss ich, einfach Sichtkontakt zu halten, war ich mir doch nicht mehr sicher, ob dieser Riese vor Anker war oder in langsamer Fahrt dahintuckerte. Auch das AIS trug nichts zur Klärung der Situation bei. Eine gute Stunde später waren wir dem USO (Unbekanntes Schwimm Objekt) erheblich näher gekommen, doch machte die Silhouette des USO die Situation auch nicht einfacher. Ich hatte noch nie ein so eigenartiges „Schiff“ gesehen. Der morgendliche Dunst im fahlen Dämmerlicht kam erschwerend dazu. Schließlich entschied ich mich unseren Kurs um 60 Grad zu ändern. Die Seitenansicht des USO ließ es mir wie Schuppen von den Augen fallen. Das „Rießending“ war weder eine Tanker noch ein Alienraumschiff, es war schlicht und ergreifend eine mächtige Bohrinsel. Überrascht und erleichtert begannen wir , in der Nähe dieses Ungetüms langsam unsere Kreise zu ziehen. Mittlerweile war Manuela aufgewacht und ebenso verwundert wie ich über diesen seltsamen „Verkehr“. Wenige Minuten später war die Inspiration vom wunderbaren Duft frischen Kaffees erfüllt. Die Sonne stieg langsam über den Horizont und wir konnten unser Fahrt auf Aruba zu fortsetzten.


Der Duft des Kaffees wurde durch einen mir wohlbekannten Geruch gestört. Irgendwie lag das Odeur von faulen Eiern in der Luft. Da es sich nicht um selbige handelte, überprüften wir sofort unsere Batterien. Schon Jahre zuvor hatte uns eine kochende Verbraucherbatterie die Schweiß auf die Stirn getrieben, ist ein so mächtiger Energiespeicher doch in der Lage, erheblichen Schaden anzurichten. Doch die Überprüfung der Temperatur unserer Verrbaucher-Batteriebank ergab, dass diese im normalen Betriebsbereich lag. Blieb nur noch die Kontrolle der Starterbatterie. Schon als ich mit der Hand in die Nähe dieses Energiespeichers kam, war der Übeltäter entlarvt. Die Batterie hatte schon erheblich an Temperatur gewonnen, weit über dem im Betrieb normalen Maß. Doch warum? Die Batterie war im November getauscht und immer konstant auf einem guten Ladeniveau gehalten worden. Als nächstes überprüften wir die Spannung der Batterie. 18 Volt! Damit war der Fehler gefunden. Aus irgend einem Grund erhielt die Starterbatterie von der Lichtmaschine eine viel zu hohe (14,4 V sind das Maximum) Ladespannung. Im Gegensatz zur Verbraucherbatteriebank, diese wurde seitens der Lichtmaschine gar nicht mehr geladen und da lag auch der Hund begraben.

Die Lichtmaschine lädt im Motorlauf normalerweise sowohl die Starter- als auch die Verbaucherbatterie. Der Strom wird dabei über eine sogenannte Diodenschaltung verteilt. Dioden sind elektronische Bauelemente, welche den Strom nur in eine Richtung durchlassen, so ähnlich wie ein Rückschlagventil im Wasserkreislauf. Dies hat den Zweck, dass eine nicht voll geladenen Verbraucherbatterie nicht die Möglichkeit bekommt, Energie aus der meistes vollen Starterbatterie zu beziehen und umgekehrt. Nun war in unserem Fall dieses Diodenbauteil in Richtung der Verbraucherbatterie defekt und ließ gar keinen Strom mehr durch. Die Verbraucherbatteriebank wurde gar nicht mehr geladen.
Was hatte das nun mit der viel zu hohen Ladespannung der Starterbatterie zu tun ? Nun im elektrischen Ladesystem der Inspiration verhält es sich so, dass die Starterbatterie, sei es durch den motorseitig angetriebenen Generator oder durch eine kleines, speziell für diesen Zweck montiertes Solarpanel an Deck, immer einen guten Ladezustand aufweist. Das ist wichtig, denn diese Batterie hat einzig und allein den Zweck den Motor in Gang zu bringen. Die Regelung der Lichtmaschine, also wieviel Strom jetzt tatsächlich produziert wird, hängt vom Ladezustand der Verbraucherbatterien ab und wird auch in diesem Stromkreis gemessen. Da jedoch in unserem Fall der Ladestrom aufgrund der „durchgebrannten“ Diode Null war, versuchte der Regler der Lichtmaschine den Ladestrom immer weiter zu erhöhen, was zu einer völligen Überladung und den dadurch entstehenden Geruch der Starterbatterie führte. Dank der Zeitverschiebung konnte ich unseren Elektroexperten Thomas Palmetshofer zu einer angenehmen österreichischen Nachmittagszeit erreichen. Nach seinen Vorschlägen schloss ich die Verbraucherbatterien direkt an die Lichtmaschine an und siehe da, der Normalbetrieb war flugs wieder hergestellt.
Der Wind hatte merklich aufgefrischt. Als wir „Aruba Port Control“ über unser baldiges Eintreffen informierten, wies uns der Officer darauf hin, dass wir aufgrund des stärker werdenden Windes darauf verzichten sollten, am Pier vor dem Zoll anzulegen. Wir wurden angewiesen, in der Nähe zu ankern und den Zoll bzw. die Immigration mit dem Beiboot aufzusuchen. Grundsätzlich war es in Aruba erforderlich, dass die gesamte Crew bei der Immigration persönlich erschien. Da es am Ankerplatz sehr windig war holte ich mir von Port Control die Erlaubnis ein, Manuela als Ankerwache zurück zu lassen. Schnell hatten wir das Dinghi zu Wasser gelassen und den Motor montiert. Mit Pässen und Schiffspapieren im Gepäck machte ich mich in Schleichfahrt auf den Weg zum Pier, wollte ich doch möglichst trockenen Fußes bei den Behörden vorstellig werden. Der Pier war bald erreicht und das Dinghi vertäut. Das Erklimmen der Pier gestaltete sich ob der Höhe herausfordernd, denn es war niemals als Dinghidock gedacht gewesen. Mit österreichischer Gemseneleganz hiefte ich mich empor. Der Blick zurück offenbarte, dass der Wiedereinstieg in das Beiboot eine ganz andere Nummer werden würde, doch jetzt ging es erstmal zu den Behörden.

Ich hatte nur wenige Schritte getan, wurde ich schon von einem Fahrzeug des Zolls gestoppt. Freundlich aber bestimmend fragte mich der Beamte, ob ich gerade mit dem Dinghi angekommen sein. Nachdem ich dies bejahte meinte eben jener, dass dies nicht gut sei, denn der Zoll müsste schließlich das Boot inspizieren. Ich erzählte von den Anweisungen von „Aruba Port Control“. Etwas missmutig schien sich der Beamte dann doch damit zufrieden zu geben und schickte mich zur Immigration, bevor ich anschließend zum Zoll gehen sollte. Bei der Immigration war man angesichts der Tatsache meines alleinigen Erscheinens und dem Bericht über die Kommunikation mit Port Control ganz entspannt, bestätigte die Einreise und sandte mich weiter zum Zollbüro. Der dortige Beamte war ebenso karibisch entspannt, begrüßte mich freundlich auf Aruba und fertigte die entsprechenden Papiere aus. Auch meine Harpune, welche in Aruba „verboten“ war, nahm er zu Verwahrung entgegen. Ich würde sie bei er Ausreise wieder erhalten. Zurück beim Dock tat ich einen beherzten Sprung aufs Dinghi und war positiv überrascht, dass wir (das Dinghy und ich) nicht sofort auf den Meeresgrund versanken.
Zurück an Bord befestigten wir das Beiboot mittels einer Leine am Heck, hoben den Anker und machten uns innerhalb der Lagune auf den Weg zum Ankerplatz. Diesen Weg nahmen wir in sehr vorsichtiger Fahrt in Angriff, war die Lagune zwar breit, aber nur in einem kleinen Bereich tief genug für die Inspiration. Wir hatten geplant, innerhalb dem vorgelagerten Riff in der Nähe einer Marina zu Ankern, da dieser Hafen in einer gewissen Nähe zur Gasfüllstation gelegen war. Die Einfahrt zum Hafen war durch kleine Bojen markiert. Manuela nahm ihren Beobachterplatz am Bug ein und ich steuerte die Inspiration aus der Fahrrinne auf die Marina zu. Schnell meldete Manuela, dass sie den Grund sehen konnte und dieser nicht sehr weit entfernt erschien. Der Blick auf den Tiefenmesser bestätigte diese Beobachtung, sank die Tiefe doch sehr schnell ab und betrug nur mehr 2m, 1,9m, 1,8m und schon heulte unser Motor im rasch eingelegten Rückwärtsgang auf.
Vor den Sandbänken in dieser Lagune wurde in der Literatur gewarnt und offensichtlich versperrte uns eine eben solche den Weg zum Ankerplatz. Wieder zurück in der Fahrrinne entschieden wir uns den Ankerplatz am Surfer´s Beach anzufahren, welcher am Ausgang der Lagune gelegen war. Dieser war wesentlich schlechter gegen Wind und Wellen geschützt, doch unsere beste Option unter diesen Bedingungen. Bevor wir zu dem Ausgang der Lagune gelangten, war noch einmal Konzentration gefordert. Die Fahrrinne wurde erheblich schmaler und die Sandbänke wechselten sich mit harten Korallenriffen ab. Um das Bild abzurunden, befand sich der Anflug auf den Flughafen von Aruba genau vor uns, Auf einem der Riffe waren Kontrollleuchten für landende Flugzeuge angebracht and wenige zehn Meter dahinter begann die Landebahn. Immer wieder sahen wir Verkehrsflugzeuge sehr tief über den Ausgang der Lagune auf die Landebahn zugleiten. Würde sich der Strahl der Triebwerke auf uns auswirken ?
Obwohl genau zu dem Zeitpunkt, an dem wir das Riff mit der Beleuchtung passierten ein Passagierflugzeug im Anflug war, wurden wir nicht „weggeblasen“ und erreichten den Ankerplatz. Wir hielten nach der „Waves“ dem Boot von Sebastian und Verena Ausschau und sollten es kurze Zeit später erspähen. In ihrer Nähe schien es noch Platz für die Inspiration zu geben, doch nicht all zu viel, da ein weitere Yacht, eine polnische, auch an diesem Spot gelegen war. Aufgrund des auffrischenden Windes und der relativen Enge war das Ankermanöver ein wenig herausfordernd. Beim ersten Versuch hielt der Anker sofort, doch mussten wir nach dem Auslegen der Kette feststellen, dass wir gefühlt zu Nahe an der polnischen Yacht lagen. Der zweite Versuch schlug fehl, da der Anker nicht auf der ebene Sandfläche zur Ruhe kam, sondern an dem dahinter liegenden Abhang und daher ins Rutschen kam. Beim dritten Versuch entschieden wir uns für einen vermeintlich gut aussehenden Platz auf der Steuerbordseite der Waves, doch aus irgend einem Grund wollte der Anker nicht halten. Zudem hatte der Wind noch weiter an Fahrt aufgenommen und fegte in Böen über die Bucht. Eine dieser Böen erfasste das Dinghy, dass wir hinter uns an einer Leine nachschleppten. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie es sich durch den Wind vom Wasser hob, kurzerhand ein halbe Drehung um die Längsachse vollführte, um Kopfüber wieder auf die Wasseroberfläche zu knallen. Da sich der Motor noch auf dem Dinghi befand, war dieser jetzt mit dem Block unter Wasser und der Propeller ragte empor. Eine kleine Katastrophe, lief nun doch Salzwasser in den Motor, ein Umstand, der oft zum Totalschaden bei einem Aussenborder führte. Um den Schaden möglichste klein zu halten, zählte jede Minute, denn je mehr Seewasser eindrang, ums unwahrscheinlicher war es , dass wir diesen Motor jemals wieder zum Laufen brachten.
Doch hatten wir noch ein bedeutenderes Problem. Die Inspiration war noch nicht sicher verankert. Das hatte absolute Priorität. Deswegen fuhren wir nochmals einen großen Bogen, den Aussenborder „upside down“ hinter uns nachziehend. Wir steuerten nochmals den Spot vom ersten Versuch an, liefen weiter in die Bucht hinein, ließen den Anker fallen und Voila, der Anker grub sich ein und die Inspiration kam nach dem Auslegen von 40 m Kette perfekt zwischen der Waves und der polnischen Yacht zum liegen. Schnell war der Aussenborder an den dafür vorgesehenen „Kran“ befestigt und an Bord gehievt. Sofort begannen wir damit, den Motor mit Süßwasser abzuspülen, Öl und Benzin abzulassen und den Motor zu trocknen. Die Befürchtungen hatten sich bewahrheitet, fanden wir doch sowohl im Benzin, als auch in den Öltanks für Motor und Getriebeschmierung erhebliche Mengen an Seewasser. Wir bauten den Vergaser ab, und ließen den gut mit Süßwasser gespülten Motor in der mittlerweile hoch stehenden Sonne trocknen.
Da es nun nicht viel zu tun gab, genossen wir das Wiedersehen mit Sebastian und Verena von der „Waves“. Unser letztes Treffen auf Curacao war nun auch schon wieder mehrere Wochen her und es war immer ein schönes Vergnügen, bekannte Segler und Seglerinnen wieder zu sehen. Da es ein schöner Abend zu werden schien, holten uns beide mit ihrem wunderbar großen und mit laufendem Aussenborder ausgestattetem Dinghy ab und wir begaben uns an den Dinghysteg der nahgelegenen Pizzeria, die es den Yachties, von einem Restaurantbesuch unabhängig, gestatteten, eben diesen zu benutzen.







Die Strandbar des Surfer´s Beach war genau so wie man sich eine karibische Bar vorstellte. Wir fühlten uns fast wie im Urlaub (böse Zungen behaupten ja, wir wären schon die ganze Zeit im Urlaub), denn wir waren von gut gelaunten Menschen umringt, Hawaihemden, wohin man schaute. Chillige Musik dröhnte aus den Lautsprechern, hinter der Bar waren die Rasta´s und wirbelten die Flaschen rund um den Cocktailshaker. Auch wir starteten mit einem tropischen Cocktail, gut gemixt mit reichlich Alkohol, passend für die Happy Hour. Nach einer Pizza wollten wir keine kleinen Brötchen backen und so bestellten Sebastian und ich kurzerhand gleich ein Sechserpack auf Eis gekühlter Coronas, welche wir, ohne mit den Damen zu teilen, auch eines nach dem Anderem in unsere durstigen Kehlen gossen. Ein weitere Cocktail sowie ein Shot fanden den Weg zu uns bevor wir uns, schon etwas belustigt, wieder an Bord begaben. Dieser wunderschöne Abend mit unseren Freunden sollte nicht der letzte auf Aruba sein, doch keiner hallte bei uns Männern am nächsten Tag derart nach. Hangover!



Obwohl am nächsten Morgen ein unstillbarer Durst die Kehle plagte und in der Gedächtnishalle die Meisterschaften im Hammerwerfen ausgetragen wurden, widmete ich mich dem Aussenbordmotor. Der Vergaser wurde zerlegt und gut mit Benzin durchgespült, Öl wurde sowohl im Motor als auch im Getriebe nachgefüllt und auch der Zündkerze wurde eine Begutachtung zuteil. Schließlich war der Jockel wieder zusammengebaut, neuer Benzin eingefüllt and mittels Nachhilfe durch eine Starthilfespray wieder zum leben erweckt. Wir waren so begeistert, dass der Patient wieder ansprang, dass wir den Motor sofort am Dinghy montierten. Testfahrten waren angesagt. Wieder sprang der Motor nach drei Zügen an der Startleine an und brabbelte so mehr oder weniger rund vor sich hin. Ein Kreis um das Boot folgte dem nächsten, immer größerer Runden um das Boot. Wie gesagt hörte sich der Motorlauf nicht so ganz richtig rund an, doch immerhin lief das Ding. Ich war überzeugt, dass es sich vielleicht um den einen oder anderen Tropfen Wasser vom Spülvorgang handelte, welcher diesen unrunden Lauf verursachte und begab mich deswegen auf einen längere Testfahrt. Mit nahezu Vollgas preschte (alle die unser Dinghy und unsern 3,5 PS Motor kennen, werden bei dieser Wortwahl in schallendes Gelächter ausbrechen) auf den Strand zu. Allzu lange „preschte“ ich nicht, denn aus dem unruhigen Lauf wurde ein Abgesang aus Spucken und Sprotzen, welcher in ein jähes Absterben des Motors mündete. Das wars dann auch. Obwohl ich gefühlt 100 mal in unterschiedlichen Konfigurationen (ohne Joker- ohne Gas, ohne Joker-mit Gas, mit Joker – ohne Gas, usw.) die Startleine zog, der Motor konnte sich nicht einmal zu einem Huster durchringen. Wie hieß es im Lied „Motorboot, Motorboot, rudern tu ich nur zur Not“, die „Not war gekommen und ich trat rudernd ( erfreulicherweise mit Rückenwind) den Rückweg zur Inspiration an. Tatsächlich hatte sich das Motoröl in eine milchige Brühe verwandelt, was auf Wasser im Schmierkreislauf schließen ließ. Doch das konnte nicht die Ursache dafür sein, dass der Motor nicht mehr startete. Wir vermuteten, dass mit der Zündkerze was nicht in Ordnung sein musste und bauten diese nochmals aus. Tatsächlich war diese enorm verkohlt. Es musste eine Neue her.

Prinzipiell hatten wir Ersatzzündkerzen an Bord, waren wir doch auf alle Eventualitäen vorbereitet. Der Hund lag jedoch im Detail, was in diesem Fall bedeutete, dass die beiden vorhandenen Ersatzkerzen für den alten, schon entsorgten Aussenborder passten, doch unser „neuer“ Jockel gänzlich Andere benötigte. Der örtliche Marinashop hatte eine überwältigende Auswahl an Zündfunkenproduzenten, doch scheinbar haben wir ein Aussenborderunikat, dass genau die spezielle Form von Zündkerze benötigte, die in diesem Sammelsurium nicht zu finden war. Ich stellte mich schon auf lange, romantische Ruderfahrten mit der Liebesten ein, doch war uns das Glück bei einem Einkaufsausflug mit Verena von der „Waves“ hold. Wir stießen auf ein Geschäft für Autoersaztteile und prompt konnten wir auch die begehrten Zündkerzen ergattern. Zurück an Bord wurde jenes heiß ersehnte Teil natürlich sofort eingebaut und nach einigen Zügen am Starterseil polterte der Aussenborder munter drauf los. Wieder montierten wir die Rudervermeidungsmaschine am Heck unseres Dinghys und und absolvierten die obligatorischen Testfahrten. Alles lief perfekt.
Am nächsten Morgen wurde ich ob des nun vollständig einsatzbereiten Schlauchbootes von Manuela in die Stadt entsannt, um Ingredienzien fürs Frühstück sowie anderwertige, unverzichtbare Dinge zu besorgen und natürlich den Müll an Land zu bringen. Der Wind kam von hinten, die Wellen waren moderat und so knatterte ich gemächlich in die Stadt. Die Einkäufe waren schnell erledigt, das Dinghy bestiegen und mit einem Riss lief der Aussenborder erwartungsgemäß. War das Wasser im Hafen noch ruhig und glatt, sollte sich dies nach Umrundung der Mole völlig ändern, denn nun ging es gegen den auffrischenden Wind, welcher auch schon eine gewisse Welle aufgebaut hatte. Zusammengefasst: Die Überfahrt war nass, sehr nass. Manu filmte des Schauspiel meiner Bootsfahrt, ein kleines auf den Wellen tanzendes Schlauchboot mit einem für das kleine Boot skurril großen Fahrer, der von der überkommenden Gischt im Minutentakt geduscht wurde. Als Reel, mit der Musik von Bud Spencers „Banana Joe“ hinterlegt, fand es auf Facebook und Instagram rege Aufmerksamkeit. Ein amerikanischer Follower fragte in den Kommentaren bezugnehmende auf die das Größenverhältnis Gerhard vs. Dinghy: „Is this a Pooltoy?????“
Schließlich erreichte ich triefend nass die Inspiration. Obwohl der Seegang die Betriebsgrenzen unseres Dinghies aufgezeigt hatte, war ich dennoch guter Stimmung, denn der Motor hatte bis auf wenige Sprotzer ausgezeichnet funktioniert. So ein motorisiertes Dinghy erleichtert einfach den Alltag wesentlich, denn oft ankert man in sicherer Wassertiefe fernab vom Ufer und das Rudern ist auch nur in den ersten 5 Minuten romantisch. Danach ist es einfach nur anstrengend und bei schlechten Bedingungen, wie Wind und Welle von vorne, auch schlicht unmöglich mit diesem platt auf dem Wasser liegenden Gefährt gegenan zu fahren. Es ist noch hinzuzufügen, dass wir aufgrund der Freundschaft und Hilfsbereitschaft unserer Nachbarn eigentlich immer ein Dinghy zur Verfügung hatten, sei es seitens Sebastian und Verena von der Waves oder von unseren neu gewonnen Freunden des polnischen Bootes hinter uns. Unter Seglern hilft man sich einfach.


Im nächsten Beitrag lest ihr über unseren Versuch, Aruba zu verlassen. seit gespannt.
Liebe Grüße!
Gerhard und M;anuela
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