Abwettern auf Sizilien

Nun sind wir schon einige Tage hier. Wir haben uns ausgeschlafen und sind wieder voller Tatendrang, doch sitzen wir ein wenig fest. Das Wetter hat sich rund um Sizilien eingekesselt und versorgt uns mit Gewittern und Sturmböen. Bisher haben wir das nur aus dem Fernsehen gekannt, dass sich die Palmen im Sturmwind biegen. Wenn man mittendrin ist, dann ist durchaus entrisch, obgleich wir fest und sicher in der Marina Riposto liegen.

Gott sei Dank ist es nicht die ganze Zeit so, meist nieselt es so dahin. Das gibt uns die Möglichkeit, Ausflüge in die Stadt zu unternehmen oder mal an den Strand zu gehen. Am Freitag hatte Manuela Geburtstag. Das Wetter war bedeckt, aber wir konnten raus und so haben wir eben einen schönen Ausflug an den vermeintlichen örtlichen Sandstrand unternommen. Was für eine Überraschung als wir feststellten, dass es ein feiner Kiesel ist der sich hier an den Gestaden findet. Das einzige sandähnlich ist der schwarze Vulkanstaub, der wirklich überall ist.

Das Wasser hat eine angenehme Temperatur um darin zu waten, einzig der feine Kiesel ist zuweilen tückisch, denn man sinkt unvermittelt bis zu den Knöcheln ein und was kommt dann brausend und rauschend daher ? Natrürlich die Welle, welche die ohnehin kurze Hose dunkler färbt. Trotz des ausbaufähigen Wetters hatte das Geburtstagskind Spaß am Strand.

Langsam begann es wieder zu nieseln und wir begaben uns auf den Rückweg. Riposto ist eine Stadt mit ca. 14.000 Einwohner und hat den so typischen Charakter für diese Region. Es gibt viele schöne historische Gebäude, manche benötigen ein wenig Liebe und dennoch leuchtet ihr Glanz aus längst vergangenen Tagen unter der Patina des Verfalls hervor.

Auf dem Rückweg vom Geburtstagsausflug teilte mir Manu mit, dass sie durstig sei. Da die Badesaison auch hier in Sizilien schon zu Ende gegangen war , hatten die Strandbars und Cafes natürlich geschlossen. Auf dem Weg kamen wir an einen vermeintlich kleinen Laden vorbei. Manu meinte nur, sie würde kurz reinschauen um ein Getränk zu besorgen. Ich entschied mich die „kurze“ Wartezeit mit einer Zigarette zu verbringen.

Die Zeit verging und Manu war noch nicht wieder zurückgekehrt. Um Manu bei der Auswahl eines Getränks zu unterstützen, begab ich mich in das Lädchen. Die Dame an der Kassa begrüßte mich freundlich und ich blickte mich um, doch Manu war nirgends zusehen. Ein verhaltener Ruf ihres Namens führte zu keinem Erfolg. Mit jedem Schritt, den ich weiter in das Geschäft vordrang offenbarte sich immer mehr, dass das hier alles andere als klein sein würde, denn es verzweigten sich Gänge in allen Richtungen, fast wie in einem Labyrinth. Überall war Ware, von Dingen des Haushalts über Reinigungsmittel für Auto, Katze, Pferd und sicher auch für ein Space Shuttle. Wieder ließ ich den Namen meiner Liebsten durch die Gänge hallen, doch keine Reaktion. Nachdem ich die Katakomben der Damenunterwäsche überwunden hatte, kam ich Manuela auf die Spur und schließlich hatte ich sie gefunden. Sie sah auf und sagte nur (gefühlt waren wir schon Stunden in dem Laden): „Hey, hier gibt es Schuhe“.

Um bei der Wahrheit zu bleiben, ging es Manuele um Schuhe für mich. Seit wir unterwegs sind trage ich eigentlich nur Crocs oder Gummistiefel. Die Crocs sind mir um 2 Nummern zu groß und da ich mit Schuhgröße 45/46 ohnehin nicht in der kleinen Liga unterwegs bin haben die Crocs etwas von Clownschuhen. Mein verdrückter Strohhut unterstütz das Outfit natürlich ungemein. Eigentlich würde nur noch die rote Nase fehlen und ich könnte als Straßenkünstler auftreten. Daher sind wir (Manuela) auf der Suche nach adäquatem Schuhwerk.

In diesem Laden, der, für die Insider, so ist wie Hermines Tasche, findet man wirklich Alles, ähh fast Alles, den zum Trinken gab es nichts und so haben wir meinen 60l Rucksack, den ich für allfällige Einkäufe bei mir hatte, mit einem Nadelset für Näharbeiten gefüllt.

An einem Geburtstag darf natürlich das köstliche Mahl nicht fehlen. Nachdem wir, obwohl schon mehr als eine Woche in Italien, noch keine Pizza genießen konnten, holten wir uns kurzum beim örtlichen Pizzabäcker eine Riesenpizza, die wir dann im Cockpit genüsslich verzehrten. Den Tag beschlossen wir unter Deck mit Netflix. Draußen zuckten mittlerweile wieder Blitze und Donner grollte über das Schiff hinweg. Drin war es wohlig warum. Viel haben wir nicht mehr gesehen und sind bald ins Land der Träume entschlummert.

Liebe Grüße!

Gerhard und Manuela

4 Kommentare

  1. Uh, Manu, du hast ja Geburtstag gehabt!! Alles Gute nachträglich! In dem Fall hättest du dir ruhig selber ein paar Schuhe gönnen sollen (und nicht nur fürn Gerhard schauen!) !

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