Vulkan in Sicht – Stromboli

Nachdem wir die Straße von Messina so erfolgreich hinter uns gebracht hatten, dürstete uns nach mehr. Deswegen verwarfen wir unseren Plan, nach der Straße eine Ankerbucht anzulaufen und richteten unseren Bug gen Norden aus. Obwohl wir fix eingeteilte Nachtwachen haben, bleiben wir beide auf, wenn etwas Besonderes oder Anspruchsvolles ansteht. So haben wir in bewährter Manier die Straße von Messina passiert, Manuele akkurat am Steuerrad und ich als Navigator teils unter Deck vor den Monitoren und auch als Ausguck an Deck. Als es dann am Ende 23:30 Uhr war, legte ich mich bis ca. 02:00 Uhr nieder, also eine Stunde länger als sonst.

Dem einschlafenden Wind geschuldet hat Manu auf Motorbetrieb umgestellt, bis ich die Wache übernahm und wieder etwas Wind aufkam. Während mir Manuela die Wache übergab (man bespricht, welchen Verkehr es da draußen gibt, welchen Kurs wir anliegen haben und wo wir sind) zupfte ich schon die Genua raus. Es war nicht sehr viel Wind, wir liefen etwa 2 – 2,5 kn, doch es ist erheblich ruhiger im Boot, wenn auch das Meer mitspielt. So segelten wir langsam aber stetig nach Norden, Meile um Meile ließen wir im Kielwasser zurück.

Irgendwann um ca. 04:00 Uhr früh war der Wind dann ganz eingeschlafen, was auch sonst um diese Uhrzeit. Ich startete den Motor und übernahm das Steuer von Mr. Breeezzzy. Da ich nicht viel geschlafen hatte, war mein Steuerkurs wieder mehr Slalom als gerade. Langsam kroch die Kälte ins Cockpit, was meiner Konzentration auch nicht förderlich war. Endlich änderte sich die Farbe am östliche Horizont. Aus Schwarz wurde allmählich grau, mit jedem Wimpernschlag ein wenig heller. Manuela erwachte, wuselte unter Deck eifrig herum und kam schließlich mit dampfendem, frisch gebrühtem Kaffee an Deck. Großartig! Sie brachte auch den Wind mit, die Genau füllte sich und begann das Boot zu ziehen.

Und da waren sie ! Die ersten zaghaften Strahlen der Morgensonne ließen den Osten aufleuchten. Schließlich präsentierte uns der Morgenhimmel einen prächtigen Sonnenaufgang. Da ich schon etwas durch den Wind war, viel mir erst jetzt auf, was sich schon sicher eine Stunde hinter dem Segel verbarg. Majestätisch ragte der Stromboli aus dem weiten Meer. Herrlich!

Am Fuße des Stromboli, an dessen Ostseite waren Ankerplätze in der Karte verzeichnet und es war auch unser Plan, dort den Tag zu verbringen. Wir haben mittlerweile gelernt, nicht zu konkret zu Planen, den oft haben die Umstände andere Pläne. So auch hier, denn es hatte sich in der Nacht ein sogenannter Schwell aufgebaut. Als Schwell bezeichnet man Wellen, die nicht unbedingt zur aktuellen Windrichtung passen. Der Ursprung des Schwells liegt oft mehrere hundert Kilometer weit weg und bildet sich aufgrund starker Wind oder Gewittern an diesem fernen Ort. Dieser Schwell ließ die bereits vor Anker liegenden Boote am Wasser wild herumtanzen, es sah alles andere als gemütlich aus.

Manuela hatte mittlerweile herausgefunden, dass die Nordseite des Stromboli die Interessantere war, denn dort habe man bessere Sicht auf die Krater. So legten wir den richtigen Kurs an und umrundeten den Stromboli teilweise. Manu hatte nicht zuviel versprochen, denn der Anblick war atemberaubend. Das im 8 bis 15 Minutentakt auftretende Grollen ließ keinen Zweifel auf, dass dieser Vulkan aktiv war. Was für eine Pracht!

Ein Videocall mit meinen Eltern ließ auch diese aktiv am Geschehen teil haben. Schon super was Starlink alles möglich macht. Nachdem wir uns sattgesehen hatten, setzten wir unseren Weg gen Westen fort. Während ich die Inspiration steuerte verschwand Manuela in der Kombüse. Was würde sie wohl heute Leckeres auf die Teller zaubern ?

Manu ließ sich heute wohl von dem großartigen Stromboli inspirieren. Der Nudelauflauf türmte sich, dem Stromboli gleich, auf dem Teller und an seinen Flanken floss Lawa in Form von köstlichem Faschiertem herab. Dampf stieg von der Spitze empor. Schnell aufessen, bevor dieser Nudelvulkan noch explodiert!!!

Obwohl in diesen Tagen unser großes Ziel Sardinien ist, entschieden wir uns, eine Ankerbucht für eine ruhige Nacht zu suchen. Denn wir sind auf einer langen Reise und nicht auf der Flucht. Wir studierten die Seekarten und fanden mit der nächsten Insel Panarea einen wunderschönen Platz zum Verweilen.

Erstmals, seit wir unterwegs sind, ergab sich die Möglichkeit für einen Sprung ins vermeintlich kühle Nass. Was sonst, als kühles Wasser, sollte man Ende Oktober erwarten. Sprung war es dann doch keiner, denn als bekennender Warmduscher stehen kaltes Wasser und ich etwas auf Kriegsfuß. So habe ich dann die Badeleiter hinuntergeklappt und bin Stufe um Stufe abgestiegen. Da dass nicht besonders heroisch anzusehen war, gibt es auch keine Bilder davon. Irgendwann habe ich mir dann ein Herz gefasst und ließ mich rücklings wie einen nassen Sack in die Fluten fallen. Anfänglich etwas kühl hat es mir doch so gefallen, dass ich nebst der obligaten Schwimmrunde um die Inspiration herum noch für ein episches Foto posiert habe. Das ist doch ein Bild, Gerhard im tiefblauen Meer und der rauchende Stromboli im Hintergrund. Phantastisch!

Bevor wir für heute zum Ende kommen haben wir noch ein Bild vom Stromboli für euch. Ja noch eins! Ein ganz Besonderes, denn Wolken ranken sich um den Vulkan. Manuela und ich lassen gerne unsere Phantasie spielen, wenn es darum geht Formen in den Wolken zu erkennen.

Wir sind neugierig darauf, welche Tiere oder sonstigen Objekte aus eurer Sicht hier den Stromboli erklimmen. Schreibt uns einen Kommentar, wir sind schon sehr gespannt!

Alles Liebe!

Gerhard und Manuela

4 Kommentare

  1. Für uns ganz klar – auf der linken Seite sehen wir Grisu, den kleinen Drachen. Rechts sind wir uns nicht ganz einig,ichvsehe einen tanzenden Pudel. LG Maria und Walter

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