Zufällig entdeckt – Ustica

Am nächsten Morgen nahmen wir, wie jeden Morgen wenn wir nicht unterwegs sind, das Frühstück im Cockpit ein. Der Cockpittisch bot bisher Platz für 4 Personen, da er seitlich ausklappbare Flügel hatte. Wohl gemerkt 4 Personen a´ la Manuela. In Gerhards gerechnet hätten dann doch nur 2 1/2 Platz.

Allerdings hat Gerhard, auch bekannt als „die leichtfüßige Elfe“, bei der Rückkehr vom Vordeck heroisch und mit Grazie eine Sturz ins Cockpit verhindert und dabei dem Cockpittisch einen seiner Flügel nachhaltig und endgültig amputiert. Daher haben jetzt nur noch 2 Gerhards oder 3 Manuelas Platz

Wie auch immer, wir hatten genug Platz und frühstückten wie die Götter im Olymp. Danach hieß es Anker auf! Mit dem gemütlich dahintuckernden Motor folgten wir der Kontur der Insel Panarea im Norden. Ich liebe den Klang dieses Namens „Pana – rea“, vielleicht deshalb, weil es so klingt wie eines unserer fernsten und aufregensten Ziele : „Hanga Roa“, der Haupthafen der Osterinseln im Südpazifik. Doch dahin ist der Weg noch weit.

Da abends das Schimmen so toll und die Kulisse hier wieder atemberaubend war, entschloss ich mich nochmals in das erfrischende Nass zu tauchen, diesmal dokumentiert von Manuela.

Nach dieser olympiareifen Einlage ließen wir der Inspiration freien Lauf. Die Windprognose für die nächsten Tage war, gelinde gesagt, ernüchternd. Daher fuhren wir unter Motor, langweilig, aber dafür auf gutem Kurs, 270° genau nach Westen. Unser Ziel war Sardinien. Über den Tag hin ereignete sich nicht viel, wir gingen abwechselnd ans Ruder, zogen irgendwann die Genua raus um zumindest als Motorsegler durchzugehen. Die Idee „Wir segeln um die Welt“ ist in den letzten Wochen eher in Richtung Motorboot abgedriftet, was wir schade finden, da Segeln mehr Spaß macht, mit Mr. Breeezzzy entspannter ist und am Ende vom Tag auch wesentlich weniger die Bordkasse belastet. Denn der Diesel kostet hier so um die 2€ +/- pro Liter.

Bevor die Nacht und die damit verbundenen Nachtwachen hereinbrachen, wurden wir wieder mit der Gesellschaft von Delphinen belohnt. Endlich gelang es, diese auch mit der Kamera einzufangen, auch wenn die Qualität doch nicht die Beste war. Manu übernahm ihre Wache, ich löstes sie um 01:00 Uhr ab und hatte die Schicht bis zum Morgengrauen.

Wenn man keinen Autopilot hat, ist dieses Fahren unter Maschine in der Nacht besonders herausfordernd, denn aufgrund von Strömungen, Wellen und der Rotationskraft der Schiffsschraube will die Inspiration nicht und nicht geradeaus fahren. Fast wie ein wilder Mustang, der keinen Sattel tragen will, sondern frei durch die Prärie galoppieren möchte (Sattel = Motor, Prärie = Segel). Daher sind immer wieder Korrekturen notwendig. Am Anfang der Schicht ist das noch easy, aber 3, 4 Stunden später wird es mühsam, da die Konzentration nachlässt, wie ihr oben im linken Bild an meinem gefahrenen Kurs sehen könnt. Damit meine Reputation nicht ganz im Keller verschwindet, habe ich die Ringerl und 8er gar nicht abgebildet.

Irgendwann ist er dann da, der Morgen und es wird wieder einfacher, da auch die mangelnde Sicht in der Nacht ihres zu dem Wackelkurs beiträgt. Ein guter Freund von mir, Andreas, hat vor wenigen Tagen bei einer anderen Gelegenheit folgenden Spruch gebraucht: „Jedem Anfang wohnt ein besonderer Zauber inne“. Ich wandle das ab und sage; „Jedem Morgen wohnt ein besonderer Zauber inne“. Den Zauber dieses Morgens seht ihr im Bild in der Mitte. In weiter Ferne sieht man die Silhouette des Ätna in der aufgehenden Morgensonne, gekrönt von einem imposanten Rauchschleier. Großartig, kann ich nur sagen.

Den Tank haben wir das letzte Mal in Riposto aufgefüllt, also vor der Straße von Messina. Die Tankuhr zeigte, dass wir wieder knapp unter der Hälfte waren. Wir steckten die Köpfe zusammen und befanden, dass es bei diesem geringen Wind und der Prognose besser wäre, noch einmal zu tanken, bevor wir den Schlag nach Sardinien wagen würden. Das Studium der Karte ergab schnell, dass Palermo nur 6 Stunden entfernt war. Während ich den neuen Kurs anschlug, meinte Manu, dass da genau auf Westkurs eine kleine Insel wäre, die laut Web auch über eine Tankstelle verfüge. Dass passte natürlich besser, da wir so keinen zusätzlichen Umweg in Kauf nehmen mussten. Also: Neuer Kurs Ustica!!!

Hier erwartete uns wirklich ein Kleinod mit ungewöhlichem Anlegemanöver. Denn hier gab es keine Mooringleinen (dass sind Leinen die an Betonsockeln im Hafenbecken verankert sind und das Boot vorne am Bug absichern, damit es nicht nach hinten gegen die Pier treibt), sondern man musste in der Mitte des Hafens den Anker werfen, dann bei Rückwärtsfahrt die Kette ca. 30m auslegen. Nachdem, wir festgemacht hatten (Der Marinero gab uns entsprechend hilfreiche Tipps), zogen wir den Anker noch etwas auf Spannung und fertig.

Ein Jäuschen im Hafencafe rundete den Tag ab. Doch nicht ganz, denn wir wanderten später noch zum Marktplatz, sahen uns die kleinen Geschäfte und Boutiquen an und besuchten ein Diving Center, wo wir für mich für den nächsten Morgen eine Tauchgang arrangierten.

Hier noch ein paar Eindrücke, die wir auf unserem Streifzug eingefangen haben. Die kleine Insel muss wohl im Frühjahr ein Blütenmeer sein, denn auch jetzt im Herbst blüht es da und dort. Auf Ustica scheint es einen speziellen Kunsthandwerkszweig zu geben, die Keramikmaler. An jeder Ecke findet sich ein mal kleiner, mal größerer Laden, der handbemalte Teller, Service, Uhren oder einfache Fließen in allen erdenklichen Farb- und Motivkonstellationen feil bietet.

Die Tage in Ustica haben wir sehr genossen. Das Tanken war wieder ein kleines Abenteuer, da wir mit der Inspiration mangels Tiefe vor der Tankstelle dort nicht anlegen konnten Wir brachen im Schlauchboot mit Kanistern zur Tankstelle auf. Bei 2,20€ pro Liter sind 100 € gar nicht so viel und so kehrten wir mit 2 leider nicht vollen Kanistern und Gegenwind zur Inspiration zurück, quer über das Hafenbecken. Gerudert habe natürlich ich und Manuela thronte auf den Dieselkanistern und gab, wie auf der Galeere, die Befehle.

Das Umfüllen machten wir über eine spezielle Schlauchpumpe, was eigentlich sehr gut funktionierte. In diesem Bild seht ihr auch, wie nahe die Inspiration an der Kaimauer lag. Dass das zum Problem wurde und warum wir unseren Aufenthalt in Ustica unerwartet zu nachschlafender Zeit abbrechen mussten, lest ihr im nächsten Beitrag. Bis Dahin!

Liebe Grüße!

Gerhard und Manuela

2 Kommentare

  1. Hab heute früh ein bisschen über die Osterinsel gelesen und mich gefragt, ob sie die abgelegenste bewohnte Insel der Welt ist. Der Titel geht an Tristan da Cunha. Auf dieser winzigen Insel im Südatlantik leben weniger als 300 Menschen, und im Schnitt trinkt dort jeder wohl eine Flasche Whiskey pro Woche. Wie viel Alkohol habt ihr zu zweit an Bord? 😀

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