Die Generalprobe

Das Wetter auf der Strecke war mit unserem Top Meteorologen Mike besprochen. Wir waren bereit und warfen die Leinen los! Auf nach Lanzarote! Aus 5 Tagen geplanter Überfahrt würden 6 werden, doch dazu später mehr. Die Wetterprognose ließ in den ersten Tagen viel achterlichen Wind (von schräg hinten) erwarten, was uns gut voranbringen sollte. Im Gebiet um Lanzarote war mit Wellen bis 4 Meter zu rechnen, doch bis dahin würden noch einige Tage vergehen. Nur zu Anfangs sollte es im Bereich der Straße von Gibraltar vom Wind her etwas unbeständig sein.

Und fast genau so haben wir es dann auch vorgefunden. Faszinierend, wie gut ein Profi das Wetter einschätzen kann. Tatsächlich bewegten wir uns am Anfang bei nicht sehr viel Wind Richtung Süden. Viel Motorfahrt war angesagt. Wir hatten vor der Abfahrt noch die Tankstelle in Porto Sherry aufgesucht und dort nicht nur unseren Haupttank, sondern ebenso 3 an Deck verzurrte Kanister mit Diesel gefüllt. Wie sich herausstellte, wären wir auch mit dem Inhalt des Haupttanks ausgekommen, doch bot sich hier die Gelegenheit, die beste Variante für die Fixierung der Deckkanister auszutüfteln.

So waren wir die ersten 2 Tage teils mit Segel, teils lange Strecken unter Motor unterwegs. Als wir die Mündung der Straße von Gibraltar passierten, kamen wir wieder ein wenig in den Verkehr, doch mittlerweile ist das auch schon zur Routine geworden. Die neue Genua war die reine Freude, denn sie zog das Boot derart, dass wir auf der ganzen Überfahrt das Großsegel nie genutzt hatten.

Der Wind kam von Nordwesten, was bedeutete, dass wir, nachdem wir dem Windschatten der Küste von Portugal entflohen waren, richtig guten, konstanten Wind hatten. Wir konnten die Genua ausbaumen und Mr. Breeezzzy die Steuerung der Inspiration überlassen. So machten die Nachtwachen richtig Freude, denn abgesehen von ein paar wenigen Korrekturen hatten wir nicht viel zu tun. Das sollte allerdings nicht so bleiben, denn der Windschatten war auch Wellenschatten und so hatten wir mit unserem Vorankommen auch mit immer höheren Wellen zu tun. Ein Abenteuer, wie man sich das vorstellt.

Die Inspiration ächzte und knarrte in den Wellen, die Töpfe, Pfannen, Teller und Tassen knallten gegen die Türen und die Kanister an Deck waren wohl doch nicht so perfekt gesichert, wie das der Skipper gedacht hatte. Sie blieben zwar dort wo sie sein sollten, doch hatten sie etwas „Luft“ in den Sicherungsleinen und rutschten zwischen Reling und Genuaschiene (eine Metallschiene, auf welcher der sogenannte Holepunkt der Genua verschoben werden kann; man benötigt das zum Trimmen der Segel) hin und her. Sobald sich die Backbordseite, jene Seite an der die Kanister vermeintlich verzurrt waren in der Welle hob, rutschten die Kanister einige Zentimeter über den geriffelten Belag des Seitendecks und machten ein eigenartiges Geräusch, bevor sie mit dumpfen Knall an die Schiene stießen, um sich sogleich wieder auf den Rückweg zu machen.

Geräusche sind auf einem Schiff so eine Sache. Wenn man das Boot in verschiedenen Bedingungen gesegelt hat, kennt man die „Bordmusik“. Man weiß, wie der Motor unter verschiedenen Drehzahlen brummt, wann und wie das Deck ächzt oder wie Mast, Stagen und Wandten (Verspannung des Mastes) im Wind orgeln. Kommt einem jetzt ein neues Geräusch zu Ohren, werden die Lauscher sofort aufgestellt. Denn ungewöhnliche Töne können ein Hinweis auf Überbelastungen oder Schäden sein. So machte den Skipper das scharrende Geräusch etwas unruhig, zumal er nicht in der Lage war die Ursache zu entdecken. Erst beim Frühstück unter Deck, als Manu ganz beiläufig auf die rutschenden Kanister hinwies, stellte sich Erleichterung ein.

Für eine Beschallung ganz anderer Art sorgte der Skipper bei seinen Nachtwachen und diese stieß nicht auf ungeteilte Euphorie. Wenn ich Nachtwache habe, dann spiele ich gerne via Youtube (Starlink machts möglich) Musik ab. Und zwar alles was mir so gefällt. Der Bogen spannt sich von klassischer Musik über Jazz, Rock’n’Roll, Rock und Pop usw. In meiner Nachtwache versuchte Manu sich natürlich auszuruhen, was bisher auch trotz des DJs am Steuerrad gut geklappt hat. An einem Abend habe ich ihr allerdings den Nerv gezogen, denn ich war bei Schlagern aus meiner Kindheit angelangt und scheinbar fällt es schwer bei so hochwertigen Titeln wie „2 kleine Italiener,die träumten von Napoli“ oder mein Favorit „Da sprach der alte Häuptling der Indianer“ in den verdienten Schlaf zu finden. Wir haben uns in einem diesbezüglich „Teammeeting“ drauf geeinigt, dass ich versuchen werde, Kopfhörer aufzutreiben.

Ihr könnt euch vielleicht daran erinnern, dass ich einaml ein Flügel unseres Cockpittisches geschrottet hatte, da ich, Bewegungstalent, stolperte, ins Cockpit fiel und den Tisch als Prellbock benutzte. Eine Reparatur mit neuen Scharnieren machte den Tisch wieder voll diensttauglich. Ihr werdet es nicht glauben was mir kürzlich passiert ist! Auf der selben Seite, auf dem gleichen Weg vom Bug zurück ins Cockpit hat mir der vermaledeite Klabautermann wieder ein Bein gestellt und ich landete graziös wie ein Nilpferd (nichts gegen die Nilpferde) auf dem in neuer Pracht erstrahlenden Flügel des Tisches. Dieser brach nicht ganz ab, hängt aber seither wie eine traurige Gestalt vom Tisch ein wenig nach unten. Frustriert haderte ich mit der Situation, denn diese Schaniere nochmals zu beschaffen wird wohl schwierig werden. Ich habe allerdings das Glück mit Manuela eine tolle Frau an meiner Seite zu haben, die mich wieder aus meinem Motivationsloch herausholte. Wollt ihr wissen wie? Nicht mit gut zureden oder so, nein! Sie hat sich beim nächsten Manöver, bei dem sie mit dem Rücken zum Tisch, jedoch auf der anderen Seite, positioniert war einfach auf den anderen Flügel gesetzt so dass dieser gänzlich abfiel. Sie meinte zwar, es sei nur ein Versehen gewesen, aber ich weiß das hat sie nur für mich getan. Ich konnte wieder Lachen und Frohlocken, denn immerhin hing mein Flügel ja noch am Tisch. Toll!

Mittlerweile hatte der Wind gedreht und kam nun vom afrikanischen Festland. Auch das hatte Mike so vorhergesagt. Da wir langsamer als geplant waren, erreichten wir diesen Abschnitt unserer Reise ca. 12 Stunden verspätet, was für uns ein Glück war. Die Welle, die dieser Wind mit sich brachte mischte sich zwar zu einer etwas unangenehmen Kreuzsee mit den Wellen die aus dem Nordatlantik kamen, doch waren diese nicht so hoch, zumindest keine 4 Meter hoch. Die Wellen brachten die Inspiration ganz schön ins Wanken, doch Manuela ließ sich nicht beirren und zauberte Tag um Tag Leckeres auf die Teller, sei es eine fulminante Jause oder Palatschinken, welche der Skipper mit Hochgenuß verzehrte. Irgendwann kam der Punkt wo das gebunkerte Brot zur Neige ging und der Smutje schickte sich an Brot zu backen. Auch das hat wunderbar geklappt und so werden wir auf der Überquerung des Atlantiks nicht am Zwieback knabbern müssen.

Während der ganzen Überfahrt waren immer wieder vereinzelt Delphine zu sehen. Doch irgendwie kamen sie uns nicht näher oder verweilten nur einen kurzen Augenblick. Das sollte sich zu unsere großen Freude ändern. wir waren gerade unter Maschine in einer Flaute unterwegs als Manuela Delphine steuerbord voraus entdeckte. Diese Schar interessierte sich wohl für uns, denn sie schwenkten in unseren Kurs ein. Ich begab mich auf das Vordeck um zu sehen ob vielleicht der eine oder andere Delphin den Platz vor unserem Bug eigenommen hatte. Auf das was mich dort erwartete, war ich nicht gefasst. Es wir nicht einer dort, sondern sechs Stück, die sich förmlich um diesen Position ritterten. Es gelang ein kurzes Video der Delphine aufzunehmen. Es war faszinierend, dass die Neugier offensichtlich beidseitig war, denn die Delphine drehten sich wieder und wieder auf die Seite, um einen Blick nach oben zu erhaschen. Wir tauschten die Positionen (Manu und ich, nicht der Delphin und ich). Minuten später kam Manuela mit einem zufriedenden Lächeln im Gesicht zurück ins Cockpit, denn offensichtlich war Manuele für die Delphine wesentlich interessanter als ich. Sie erzählte, es wären 12 Delphin vor dem Bug gewesen, unglaublich, phantastisch! Wahrscheinlich haben ihre schönen Ohren den Ausschlag geggeben.

Schließlich erreichten wir nach langen Tagen und Nächten etwas Müde unser Ziel. Im fahlen Licht des Mondes waren die Lichter von Lanzarote zu sehen. Einige Stunden später, die Sonneninsel hat uns natürlich mit einem seltenen Regenschauer begrüßt, liefen wir in den Hafen ein und machten am „Check In“ Ponton fest. Der Sailor (Marinero), welcher die Heckleine übernahm, teilte mir mit Begeisterung mit, dass dies der erste stärke Regen dieses Jahres war. Was soll man da sagen : „Wenn Englein reisen,…“. Nachdem wir uns zu unserem Liegeplatz bugsierten und uns die Sailor ihr Begeisterung für unser wirklich perfektes Anlegemanöver ausdrückten, sehnten wir uns schon ein wenig nach den drei E´s. Was sind die drei E´s? Essen, Entspannen und Einschlafen.

Ein Lokal war schnell gefunden, denn diese Marina ist anders als alle die wir bisher gesehen hatten. Restaurants für alle Geschmäcker geben sich die Klinke förmlich in die Hand. Dazwischen sind die Gassen mit Läden für alles Mögliche, von der Gucci Handtasche über den üblichen Touristenkram bis zur Autovermietung gesäumt. Nachdem wir gut gespeist und den örtlich Supermarkt aufgesucht hatten, wollten wir eigentlich nur noch auf die Inspiration zurück. Das Bett rief schon ganz laut nach uns, doch sollte es noch geraume Zeit leer bleiben.

Als wir den Heizlüfter aktivierten, fiel der Landstrom aus. Ich dachte erst, wir hätten die Leitung überlastet, denn auch der Wasserboiler war aktiv gewesen, doch sowohl meine Sicherungen an Bord als auch die an Land waren noch eingeschaltet. Auf Anruf kam der Sailor mit Kabel und Meßgerät an den Steg und wir stellten gemeinsam fest, dass es nicht an der Landverbindung lag. Das Problem war an Bord. Zuerst meinte ich, wir würden das am nächsten Tag, wenn wir ausgeschlafen sind, in Angriff nehmen. Doch solche Ungewissheiten lassen mir generell keine Ruhe und so baute ich das Schaltpanel für den Landstrom ab, um zu kontrollieren ob sich irgendein Kabel gelöst hatte. Im Ergebnis war eine Steckverbindung verschmort, als Ursache konstatierten wir die Überlastung.

Am nächsten Tag machte ich mich gleich in der Früh an die Reparatur. Gemeinsam mühten wir uns ab, ein neues Kabel in die enge Rohrführung einzuziehen und stellten fest, dass sich Wasser in dieser Rohrleitung befand. Das war also die Ursache für den Defekt. Wie kommt da jetzt Wasser hinein? Die Dichtung der Steckdose am Heck war wohl altersbedingt fehlerhaft. Dadurch kam Wasser am Gehäuse der Dose vorbei ans Kabel und von da in die Rohrführung. Die vielen Bewegungen aufgrund der Wellen haben diese Wassertropfen stetig nach vorne transportiert, bis schließlich ein oder zwei eben jener Tropfen das Schaltpult erreichten und einen Kurzschluss auslösten. Mittlerweile haben wir das wieder gerichtet und es läuft einwandfrei.

Eine weiteren Schaden beseitigten wir heute Morgen. Ein kleine Fehlfunktion mit möglicherweise großen Konsequenzen. Genauso wie man als Skipper die „Bordmusik“ seines Schiffes kennt, verhält es sich mit den Gerüchen. Ich weiß wie unser Schiff an den verschiedenen Stellen riecht. Kommt ein neuer Geruch dazu, ist Vorsicht geboten. Kaputte Batterien riechen zum Beispiel nach faulen Eiern, doch das war diesmal nicht der Fall. Ich hatte während der Überfahrt immer das Gefühl dass es im Salon und der Pantry nach Gas roch, aber nur wenn Manuela den Herd verwendete. Nach der Überprüfung aller Anschlüsse konnte ich mir immer noch keinen Reim darauf machen. Hinzu kam, dass wir am Dienstag, gleich nach unserer Abfahrt eine neue Gasflasche anschlossen. Normalerweise kommen wir damit drei Wochen aus, doch diese war gestern schon wieder leer, was nicht zu erklären war.

Heute morgen machten wir uns auf den Weg zum Marinabüro um dort die alten Gasbehälter gegen Neue einzutauschen. Manuela erwähnte im Gespräch über den Gasgeruch, dass einer der Drehknöpfe am Gasherd nicht mehr von selber herausspringt. Zurück an Bord sahen wir uns das näher an und tatsächlich hatte Korrosion dazu geführt, dass diese Sicherheitsfunktion (bei Gasherden) gestört war. Somit war die Lösung für den hohen Verbrauch und auch für den Gasgeruch gefunden. Durch den klemmenden Drehknopf waren die Flammenköpfe des Backrohres immer auf. Sobald wir den Haupthahn, der nur beim Kochen geöffnet wird, umlegten, strömte Gas ins Backrohr und verbreitete eben jenen Geruch. Mit WD40 (Universalöl) rückten wir der Korrosion zu Leibe. Jetzt funktioniert wieder alles so wie es sein soll.

Heute feiern wir meinen Geburtstag und machen uns einen gemütlichen Tag. Wir planen die nächsten Schritte. Vor uns liegt die Überquerung des Atlantiks, die wir eigentlich schon gar nicht mehr erwarten können. Doch es ist geboten auf das Wetter zu achten und so werden wir morgen mit den auf dem Weihnachtstreffen der in der Marina Rubicon befindlichen Segler und Mitglieder des Vereines „Trans Ocean“ unsere Pläne besprechen.

Wie ich ja vorhin erwähnt habe, höre ich in der Nachtwache gern Musik. Uns interessiert, welche Songs ihr spielen würdet, wenn ihr eine Yacht durch die Weltmeere schippert. Schreibt uns bitte in die Kommentare, wir sind schon gespannt auf die Playlist, die so entsteht!

Alles Liebe!

Gerhard und Manuela

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Ein Kommentar

  1. I am sailing / Rod Stewart – Walter

    Living next door to alice/Smokies

    Er hat ein knallrotes Gummiboot/ Wencke Myhre – Maria (ha,ha)

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