Feliz Navidad! Frohe Weihnachten euch allen !

Dieser Beitrag ist unser Weihnachtsgeschenk an euch. Wir wünschen euch viel Vergnügen beim Lesen und möchten uns für euer treues und interessiertes Verfolgen unseres Abenteuers bedanken. Auch allen Unterstützern möchten wir auf diesem Wege „vielen herzlichen Dank“ sagen.

Es ist bei uns gerade 6 Uhr morgens. Die Inspiration zieht ihre Bahn im silbrig grauen Licht des Mondes, Kurs 215 Grad. Das Ziel ist die Karibikinsel Martinique in 2600 Meilen Entfernung. Unser Weg führt uns an den kapverdischen Inseln vorbei. Ob wir dort nochmal einen Stopp einlegen, wissen wir noch nicht. Wir fahren mit ca. 4,0 Knoten unter stark eingereffter Genua ganz gemächlich dahin, obwohl wir mit mehr Segel auch schneller fahren könnten. Doch das wollen wir gerade nicht. Sanft wiegt die Yacht hin und her, eine Bewegung, bei der es sich gut schlafen läßt.

Über dem Cockpit liegt eine mystische Stimmung und ich werde nachdenklich. Es liegt vermutlich an dem magischen Datum heute, dem 24.12.24, Weihnachten. Ein ganz besonderes Weihnachten, dass wir in trauter Zweisamkeit auf dem Atlantik verbringen werden. Die Wettervorhersage vespricht angenehme Segelbedingungen, was uns hoffentlich eine kleine Bescherung unter dem Christbaum erlauben wird. Dieser wird heuer keine Nadeln abwerfen, ganz einfach, weil er keine hat. Und doch ist es irgendwie ein echter Baum, denn es handelt sich um einen Kartonbaum, welcher über mehrere Ecken und Produktionsprozesse auf einen echten Baum zurückzuführen ist.

Ich lasse im Glanz der Sterne unsere bisherige Reise Revue passieren. Vieles haben wir schon erlebt, wunderschöne Orte haben wir gesehen, mit tollen Menschen haben wir Zeit verbracht. In den Kommentaren und auch in persönlichen Gesprächen taucht immer wieder die Frage auf, warum wir es so eilig hätten und nicht länger an diesen wunderschönen Orten verweilen, sei es auf den Balearen, auf den Kanaren oder auf den Kapverdischen Inseln vor uns. Wir empfinden es nicht als Eile. Wir hatten für den ersten Teil unseres Abenteuers einen Zeitplan, welcher eine Atlantiküberquerung zum Jahreswechsel vorsah. Jetzt sind wir auf diesem Abschnitt unseres Abenteuers und das ist großartig. Für mich war die Reise durch das Mittelmeer die Vorbereitung auf das ganz große Abenteuer, die Ozeanüberquerung. So hat es sich auch ergeben und wir konnten beide unsere Fähigkeiten, sei es seglerisch, sei es das Bordleben betreffend, gehörig steigern.

Dadurch wird eine Nachtfahrt wie jene von gestern leichter zu meistern, denn die Bedingungen waren herausfordernd. Nach einem schönen Segeltag unter ausgebaumter Genua und konstantem Wind der Westküste von Fuerte Ventura entlang näherten wir uns der Durchfahrt zwischen eben jener Insel und dem benachbarten Eiland Gran Canaria. Zwischen zwei nahe beieinander liegenden Inseln stellt sich ein sogenannter „Düseneffekt“ ein, dass heißt, der Wind muss durch eine Verengung und beschleunigt daher. Doch nicht nur der Wind frischte auf, in der Nacht hatten wir zwischenzeitlich Windstärke sieben, auch der Seegang nahm rapide zu. Wind und Welle trafen von schräg hinten auf die Inspiration. Durch starkes Einreffen trugen wir der Windstärke Rechnung. Trotz des nur mehr wenige Quadratmeter großen Segels ( in voller Größe hat die Genua eine Fläche von 36 Quadratmeter) flog die Inspiration mit 7 bis 8 Knoten über das Wasser. Im Absurfen einer Welle erreichten wir kurzzeitig 11,9 kn, eigentlich schon zu schnell.

Die Wellen stellten die größere Herausforderung da. Sie setzten sich aus 2 Komponenten zusammen. Einerseits war da die Grundwelle, ca. 2 Meter hoch, die Bewegung des atlantischen Ozeans zu diesem Zeitpunkt. Zu dieser Grundwelle, gesellte sich der sogenannte Schwell. Das ist jene Welle, welche durch den lokalen Wind erzeugt wird und in unserem Fall 1,5 bis 2 Meter betrug, von der Richtung her zur Grundwelle etwas versetzt. In Summe ergab sich ein Wellenbild mit 3 bis 3,8 Meter höhe, leichte Kreuzsee (unangenehm) und die Wellen brachen bereits. Zwei dieser Wellen „schauten“ auf eine Sprung vorbei, das heißt sie brachen auf dem Heck der Inspiration und bescherten uns eine kalte Dusche. Ein dieser Wellen, die „Manu – Welle“ ergoß sich sogar ein wenig in den Salon hinein. Glücklicherweise wurde nichts in Mitleidenschaft gezogen, dennoch schloßen wir den Niedergang in der Folge völlig. Mit einer Welle dieser Art kommt unsere Windsteueranlage nur mässig klar, was bedeutete, dass wir die Wachen damit verbachten, unsere Inspiration auf Kurs zu halten. Das ist in der Schwärze der Nacht besonders herausfordernd, denn im Gegensatz zum Tageslicht sieht man die heran rollenden Wellen nicht. Dadurch ist man auf das Reagieren beschränkt.

Im Moment schreibe ich gerade „live“, das bedeutet, es ist 7 Uhr Morgens und ich habe Nachtwache. Wenn ich über den Laptop blicke, sehe ich sowohl auf dem AIS als auch am Radar, dass ein Schiff genau auf uns zukommt. Es handlet sich um die in Japan registrierte „Shinwa -Maru“, ein 327m langes und 55m breites Containerschiff. In einer Entfernung von 17 Seemeilen steuert es mit 10,7 Knoten Fahrt geradewegs auf uns zu. Da wir mit ausgebaumtem Segel in unserer Manövrierbarkeit eingeschränkt sind, werde ich den Laptop nun zur Seite legen und frühzeitig unseren Kurs korrigieren, dennn unabhängig davon, ob ich Vorrang habe oder nicht, möchte ich diesen Riesen mit respektablen Abstand passieren.

Mittlerweile dämmert es, nicht lange und die ersehnte Morgensonne steigt über den Horizont. Keine Wolke ist zu sehen, es verspricht ein wunderschöner Weihnachtstag zu werden. Der Containerriese zieht weit weg an uns vorbei, somit gibt es keinen Grund, unseren Kurs weiter zu verändern. Heute haben wir jene Atlantikwelle von der wir immer erzählt bekamen. Sanft rollt sie unter der Inspiration durch, hebt das Heck an und verhilft der Yacht zu mehr Geschwindigkeit. So ist das schön.

Vorgestern, am 22.12 sind wir von Lanazarote gen Südwesten aufgebrochen. Ob dass unser letzter Halt vor der Karibik war, wird sich noch herausstellen. Die Zeit auf Lanzarote war sehr schön. Anfangs wirkte die Insel etwas unwirtlich auf uns. Das mag daran gelegen haben, dass in den ersten Tagen ein starker Ostwind viel Staub und Sand mit sich führte. So viel, dass ein Wetterdienst das Klima im Süden von Lanzarote als „gesundheitsschädlich“ betitelte. Schließlich war es damit vorbei. Überall in der Marina wurden die Wasserschläuche gezückt. Boote, Stege, Plätze und Gastgärten bekamen eine sanfte Süßwasserdusche, um danach wieder in altem Glanz zu erstrahlen. So erging es auch der Inspiration, die mittlerweile ein rotes Sandkleid trug.

Grundsätzlich sollte unser Motor, über eine Erweiterung des Kühlkreislaufes, mittels eines Wasserboilers, welcher auch elektrisch geheizt werden kann, im Betrieb warmes Wasser produzieren. Allein, es hat auf der ganzen Reise bisher nicht funktioniert. Es war Zeit dem Problem auf den Grund zu gehen. Schnell waren die Schläuche am Motor abgebaut. Ich versuchte die Schläuche und den Boiler mittels Wasserschlauch durchzuspülen, doch es war kein Durchkommen. Ganz im Gegenteil, sobald wir „Wasser marsch!“ riefen schoß uns eine schwarze Brühe entgegen. Zuerst dachte ich naturgemäß, dass es sich um Öl handeln würde, was mir gar nicht gefallen wollte, denn Öl im Kühlwasser verheißt nichts Gutes. Doch es war nicht ölig, sondern fühlte sich ein wenig sandig an und roch nach Gummi. Es handelte sich um Kalkablagerungen, welche Teile des Schlauchinneren herausgelöst hatten. Da weder im Einlauf noch im Rücklauf ein Durchspülen möglich war, mussten neue Schläuche her.

Der lokale Teilehändler hatte alles lagernd, was ich brauchte und so machte ich mich mit Schläuchen bepackt auf den Rückweg durch die Gassen der Marina Rubicon. Ich bin mir sicher, ich belustigte die vielen Touristen, welche wohl ihre Weihnachtseinkäufe in den zahlreichen Geschäften der Marina erledigten. Zurück am Boot kamen die alten Schläuche heraus und wurden durch die neuen ersetzt, mit doppelten Rohrschellen gesichert (So macht man das auf Booten). Die darauf hin durchgeführte Spülung war erfolgreich und förderte noch einiges an schwarzer Brühe zutage. Anschließend füllten wir den Kühlkreislauf wieder mit Frostschutz und Wasser auf und machten die Probe aufs Exempel. Die Maschine lief nicht mal 20 Minuten, schon kam warmes Wasser aus der Leitung.

Da wir vorhatten, der Route AN51 B (Segelrouten der Welt, Jimmy Cornell) von Lanzarote ausgehend, westlich an den Kapverden vorbei nach Martinique zu folgen, mussten wir „ausklarieren“. Wir verließen schließlich die Europäische Union, wenn auch nicht wirklich, den Martinique gehört zum französischen Übersee Departement. Trotzdem ist eine behördliche Bestätigung der Ausreise üblich, zumal es auch sein könnte, dass wir kurzer Hand in Afirka oder schon auf Barbados einreisen würden. Zu diesem Zweck organisierten wir uns ein Mietauto, denn die zuständige Polizeibehörde hatte ihren Sitz in Arrecife, der Hauptstadt von Lanzarote. Nach 40 Minten Fahrt erreichten wir die Polizeistation. Anfangs hatten wir Schwierigkeiten den richtigen Eingang zu finden. Dort wo die Fahnen wehten und in großen Lettern „Policia and Capitania“ geschrieben stand, war die Türe versperrt. Diese Türe machte den Eindruck, vor Jahrzehnten das letzte Mal geöffnet worden zu sein und so begaben wir uns auf die Suche, um im Nebengebäude fündig zu werden.

Ein große schwarze Holztüre erwies sich als Eingang zu „Customs/Imigration“, selbige war jedoch ebenso versperrt. Doch, was war das? Hinter der Türe war Gemurmel zu vernehmen. Mit einem beherzten Klopfen hofften wir, das uns Einlass gewährt wurde und tatsächlich öffnete sich die Türe. Anfangs wurden wir von den Uniformierten skeptisch beäugt, während wir unser Anliegen erläuterten. Schließlich entwickelte sich ein entspanntes Gespräch, wir bekamen die gewünschten Stempel auf das Dokument der Marina und auf die Frage, wieviel wir den schuldig wären, antwortete der Beamte mit einem Lächeln : “ Gar nichts, wir sind in der EU und nicht in Afrika“.

Auf dem Rückweg erledigten wir beim Lidl die ersten Einkäufe für die Überfahrt. Wir bepackten den kleinen Fiat 500 so gut es ging. Da wir schon viel erledigt hatten, machten wir einen Ausflug in die Vulkanlandschaft Lanzarotes. Es sieht einer Gegend im Westen von Island, welche wir vor zwei Jahren auf der Suche nach der Auroura Borealis bereisten, zum verwechseln ähnlich, obschon es hier angenehme 22 Grad hatte, im Gegensatz zur Eiseskälte Islands im Februar. Anders als in Island ist eine Erkundung auf eigene Faust wohl nicht erwünscht, da sich bis auf den Parkplatz beim Besucherzentrum und der Einfahrt in den kostenpflichtigen „Trail“ kaum Parkmöglichkeiten finden lassen. Außerdem sind an allen möglichen Wegen und Stellen Schilder zu finden, welche das Betreten oder Spazieren auf den ( längst erkalteten) Lavafeldern untersagen. Trotzdem war die Fahrt durch diese unwirtliche aber bisweilen bizarre Landschaft wunderschön.

Weitere Einkäufe folgten, beim Lidl oder bei Ferrocur, der spanischen Variante von unserem Bauhaus. Dort konnten wir auch endlich Fischerequipment ergattern. Einer der Köder, ein „All in one Squid“ ist so groß, ich mag mir gar nicht vorstellen, wie groß der Fisch sein wird, der den schnappt. Irgendwie habe ich plötzlich die Titelmelodie von „der weiße Hai“ im Ohr. Tatsächlich müssen sich Bruce und seine Gefährten noch etwas gedulden, denn unser Fleischvorrat ist üppig, jedoch verfügen wir nur über einen Kühlschrank und nicht über einen Tiefkühler. Daher muss erst das Fleisch gegessen werden, bevor Fisch auf dem Menüplan steht. Als echter „Böhm“ kann ich da nur sagen : „Oh, wie schade!!!“ (Sarkasmus aus!). Der Böhms liebstes Essen ist für „Nicht Böhms“ ein gar eigenartiges Gericht. Basis ist entweder Schweins- oder Rostbraten. Doch nicht des Fleisches wegen, sondern vielmehr haben wir es auf den köstlichen Saft, welcher beim braten dem Fleisch entweicht, abgesehen. Dieser wird auf die bereits zuvor auf dem Teller kleingeschnittenen Mehlknödel gegossen, das Fleisch wird weiter nicht benötig. Diese Eigenart ließ meine Großmutter einst die Hände über dem Kopf zusammenschlagend ausrufen : „Diese Buam! Nur Saft aber ka Fleisch …“

Zwei Tage vor Weihnachten haben wir Lanzarote verlassen und sind in die Welt hinaus gesegelt. Nach der anstrengenden Nacht und einem nicht minder herausfordernden Vormittag beruhigten sich Seegang und Wind stetig, wie ich oben schon berichtet habe. Meine liebe Sigi, ehemals meine Deutschlehrerin, hat uns für heute eine „stille Nacht“ gewunschen. Wie es aussieht, wird der Wunsch erfüllt werden. Wir segeln gerade mit „halben“ Wind (der Wind kommt 90 grad seitlich vom Boot) unter voller Genua mit ca. 5 kn Richtung Südwesten. Das Meer hat sich stark gemäßigt, nur ab und an rollt eine Welle unter uns durch. Bald ist Bescherung, auch bei uns am Boot, hier draußen am Atlantik. Danach wird es ein köstliches Mahl geben, denn meine Manuela hat sich nicht lumpen lassen. Vor wenigen Augenblicken schob sie einen Schweinsbraten in die Röhre, zu dem es meine, unsere geliebten Mehlknödel gibt. Keine Angst, ich werde das Fleisch nicht verschmähen.

Manuela und ich wünschen euch frohe Weihnachten und ein frohes gesegnetes Fest. Möge euer Weihnachtsfest so einzigartig werden, wie unseres heute!

Feliz Navidad!

Gerhard und Manuela

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